56 Mill DM nach Prag überwiesen
Prag beginnt mit Auszahlung an NS-Zwangsarbeitern

Als erstes Land hat Tschechien am Dienstag mit der Auszahlung von Entschädigungen an 10 000 ehemalige NS- Zwangsarbeiter begonnen. Wer die ersten Empfänger waren und wie alt sie sind, blieb zunächst unbekannt. Die Bundesstiftung in Berlin hatte in der vergangenen Woche dazu 56 Mill. DM nach Prag überwiesen.

dpa PRAG/WARSCHAU. Diese Summe habe der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds als erste Rate an 2 500 ehemalige KZ-Insassen und 7 500 der ältesten NS-Opfer gesandt, sagte das Vorstandsmitglied der Bundesstiftung, Hans Otto Bräutigam, in Prag.

Der tschechische Außenminister Jan Kavan sprach von einem "historischen Tag" und dankte der Bundesregierung für ihren Einsatz während der Entschädigungsverhandlungen. Es sei traurig, dass viele Opfer diesen "moralischen Sieg" nicht mehr erleben könnten, betonte der Sozialdemokrat. Bräutigam sagte, dass die Entschädigung keine Wiedergutmachung für erlittenes Leid und Unrecht sein könne: "Wenn die ersten Opfer jetzt diesen bescheidenen Betrag bekommen, ist das kein Schlussstrich, denn Geschichte vergeht nicht und darf auch in Deutschland nicht vergessen werden."

Die zweite Rate für ehemalige tschechische Zwangsarbeiter wird mit großer Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr erfolgen. Prag erhält insgesamt 423 Mill. DM von der Bundesstiftung. Diese hatte vergangene Woche auch an die Jewish Claims Conference 100 Mill. DM und nach Polen 57 Mill. DM überwiesen. Auch dort beginnen laut Bräutigam in Kürze die Auszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter. Unlängst seien auch aus der Ukraine, Weißrussland und Russland Opferlisten zur Prüfung bei der Bundesstiftung eingegangen.

Bräutigam widersprach am Dienstag Vorwürfen, die polnischen Empfänger seien auf Grund von Kursschwankungen benachteiligt worden. "Mit Polen wurde vereinbart, dass der Umtausch an drei Tagen in Deutschland erfolgt", sagte das Vorstandsmitglied der Bundesstiftung. Dabei sei es nur zu "minimalen Kursschwankungen" gekommen, betonte Bräutigam in Prag. Auf das Konto der in Warschau ansässigen Stiftung "deutsch-polnische Aussöhnung" waren am Dienstag die ersten Gelder zur Auszahlung an die ehemaligen Zwangsarbeiter eingetroffen. Der ungünstige Wechselkurs, der der Überweisung zugrunde lag, führte aber sofort zu Protesten der Stiftung und der Opferverbände in Polen.

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