58 Mrd. Dollar im Gespräch
US-Kabelriese Comcast auf dem Sprung an die Weltspitze

In den USA will der drittgrößte Kabelfernseh-Anbieter Comcast per Aktientausch im Volumen von 44,5 Mrd. $ den Breitband-Bereich des Telekom-Konzerns AT&T übernehmen und damit zum weltgrößten Anbieter von Breitbandservice-Dienstleistungen aufsteigen.

hus NEW YORK. Die US-Kabelfernsehgesellschaft Comcast Corp. plant die feindliche Übernahme der Breitband-Kabel-Sparte des US-Telefonkonzerns AT&T Corp. Comcast will das Geschäft im Wert von etwa 44,5 Mrd. $ per Aktientausch abwickeln. Das Unternehmen aus Philadelphia, bisher die Nummer drei im US-Kabelgeschäft, würde damit zur größten Kabelfernsehgesellschaft der Welt. Der traditionsreiche AT&T - Konzern aus New York reagierte prompt. Man sei an einer Übernahme nicht interessiert, wolle das Angebot allerdings prüfen.

Comcast will rund eine Milliarde eigene Aktien für die Breitband-Division ausgeben und außerdem noch Schulden in Höhe von 13 Mrd. $ übernehmen. Falls der Zusammenschluss zu Stande kommt, entstünde ein Kabelfernseh-Unternehmen mit 22 Millionen Abonnenten. Jeder fünfte US-Haushalt wäre somit Kunde des fusionierten Konzerns.

Damit deutet sich ein beschleunigter Konzentrationsprozess unter den Kabelbetreibern an. Er gibt Kabelgesellschaften eine größere Marktmacht gegenüber den Programmanbietern. Eine solche Entwicklung ist auch in Deutschland absehbar, seit die US-Konzerne Liberty Media und die Callahan die regionalen Kabelnetze der Deutschen Telekom übernommen haben. Hierüber ist vor allem die Münchener Kirch-Gruppe besorgt. Kirch befürchtet, dass Liberty die Inhalte seiner US-Partner bevorzugt in das deutsche Kabel einspeisen wird. Auch ARD und ZDF befürchten, dass Liberty, die unter anderem über Beteiligungen am weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner verfügt, aus der Kontrolle von Kabelnetzen und Programmen zu viel Marktmacht gewinnen könnte.

Schwierige Unternehmensphase bei AT&T

Für AT&T kommt das Angebot in einer der heikelsten Phasen der Unternehmensgeschichte. Nach einer Periode ebenso schneller wie kostspieliger Expansion wurde die Telefongesellschaft voll von der Baisse an den Börsen erwischt. So hatte AT&T auch das Breitband-Geschäft ausgeweitet und 1999 zwei Kabelgesellschaften zum Gesamtpreis von 100 Mrd. $ erworben. Durch den Kursverfall der AT&T-Aktie fiele der gesamte Komplex Comcast jetzt für nicht einmal den halben Preis in die Hände.

AT&T selbst steckt inzwischen mitten in einem Aufspaltungsprozess. Vorstandschef Michael Armstrong will die einzelnen Konzernsparten, darunter Kabelfernsehen und Mobilfunkbereich, einzeln an die Börse bringen. Armstrong glaubt, dass die Einzelteile addiert einen größeren Börsenwert erzielen als der Gesamtkonzern. Der Breitband-Kabelbereich gehört dabei zu den attraktivsten Sparten von AT&T, er erzielt ein hohes Umsatzwachstum und ist mit 16 Millionen Kunden heute der größte Kabelfernseh-Betreiber der USA.

"Wir wollen einen Konzern schaffen, der mit Medienriesen wie AOL Time Warner konkurrieren kann", sagte der Vorstandschef von Comcast, Brian Roberts. Daher wolle er auch nicht auf den Abschluss des Konzernumbaus von AT&T warten. "Das hier ist keine Überraschung", sagte der unabhängige Wertpapieranalyst Jeffrey Kagan zu dem Übernahmeangebot. "Wir haben uns seit dem Aufspaltungsbeschluss von AT&T lediglich gefragt, welcher Bereich als erster weggeht."

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