6. Deutsches Weltbankforum auf dem Petersberg
Schnelligkeit ist der Schlüssel zur Wissensökonomie

Die Fakten sind längst bekannt: das Internet ist nicht global und die Zugänge sind höchst ungleich auf der Welt verteilt. Nur wer einen Computer, ein Telefon und ein Modem besitzt, hat die Chance, sich weiter zu bilden, kann Informationen austauschen und bleibt wettbewerbsfähig. Die so genannte digitale Spaltung lässt sich in Zahlen ablesen: In Deutschland kamen 2001 auf 1000 Bürger 382 Computer, in der afrikanischen Subsahara-Region waren es statistisch 9,9 und in Südasien sogar nur 3,5 Computer.

HB DÜSSELDORF/BONN. In diesem Jahr haben in der Bundesrepublik 30,8 Mill. Menschen Zugang zum Internet, in den Regionen südliches Afrika, Nordafrika, im Nahen Osten und in ganz Südasien zusammen sind es nur 16,6 Mill. Menschen, obwohl dort die Bevölkerungszahl um ein Vielfaches höher ist.

Die Verbreitung des Internet ist auch ökonomisch höchst ungleich: In den USA zahlt ein User 0,12% seines monatlichen Einkommens für den Zugang zum Netz; in Singapur zahlt er 60% und in Madagaskar sogar 600%. NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück, Teilnehmer des 6. Deutschen Weltbank Forums auf dem Petersberg bei Bonn, warnte vor der Entstehung eines "digitalen Neo-Kolonialismus".

Die Weltbank stellt Zahlen zur digitalen Kluft Verfügung, macht auf die Probleme für die Weltgemeinschaft aufmerksam, bietet aber keine fertigen Lösungen. "Die Wissenskluft zwischen Arm und Reich muss überbrückt werden, denn Wissen versetzt arme Menschen in die Lage, ihre Chancen und Möglichkeiten auszuschöpfen" erklärt Weltbank-Präsident James D. Wolfensohn. Wissen definiert er in der Spannweite von der Fähigkeit, lesen zu kön-nen bis zu landwirtschaftlichem Fachwissen oder einer technischen Ausbildung.

Ohne Engagement der Industrienationen ist die Verbindung von Wirtschaftswachstum und Entwicklung nicht zu schaffen. Das 6. Deutsche Weltbankforum auf dem Petersberg bei Bonn, dem ehemaligen Gästehaus der Bundesregierung, hat sich deshalb in diesem Jahr das Thema gestellt, die "Wissens-Ökonomie", die "Knowledge Economy" zu för-dern. 350 Politiker, Unternehmer, Publizisten und Ökonomen suchen nach Lösungen für globale Herausforderungen. "Das Internet gibt nicht automatisch die Möglichkeit, an globales Wissen zu gelangen", sagt die nordrhein-westfälische Europa-Staatssekretärin Miriam Meckel. Sie nennt drei Konditionen: man muss einen Zugang zum Internet haben, was nicht in jeder Region der Erde einfach ist, Information hängt davon ab, welche Inhalte im Internet verfügbar sind, und man muss schließ-lich die Fähigkeit haben, das Internet nutzen zu können. "Es gibt auch Sprachbarrieren", so Meckel, "denn das Internet ist zum großen Teil eng-lischsprachig."

Eine signifikante Rolle in der Förderung der Wissens-Ökonomie und damit der Bekämpfung der Armut auf der Welt kommt der Verbindung von öffentlicher und privater Finanzierung zu, der so genannten public private partnership. Allein die Zusammensetzung der Organisatoren des Forums und die Liste der Teilnehmer der Weltbanktagung zeigt, dass die Zusammenarbeit Realität ist: Von der nordrhein-westfälischen Landesregierung und der Deutschen Telekom bis zu Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Verleger Florian Langenscheidt und Jorge Quiroga, dem ehemaligen Präsidenten von Bolivien.

Grundvoraussetzung für den Weltfrieden

Es geht bei der Armutsbekämpfung nicht um die Verteilung von Almosen, so die Mahnung des Weltbank-Präsidenten, sondern um den Sieg in dem "anderen Krieg", bei dem Ungleichheiten bekämpft werden müs-sen, und an dem Politiker wie Unternehmer und Aktionäre teilnehmen müssen. Dieses Zusammenspiel wurde jedoch kritisiert in der Diskussion auf dem Petersberg: Während viele Unternehmen auch in Koproduktionen neue Wege gehen - ein Telekom-Manager berichtete über ein Projekt in Südafrika, das IT-Spezialisten hervorbringt - erweisen sich die nationalen Regierungen als Bremser. "Sie sind zu langsam, blockieren oft schnelle Entwicklungen", so ein Teilnehmer. Die Regierungen sollten sich zurücknehmen, sollten die Konditionen stellen, sich sonst aber heraushalten. Weltbank-Präsident Wolfensohn war zufrieden mit dem globalen Brainstorming zur Wissensgesellschaft: "Die digitale Kluft kann nicht schnell überwunden werden, aber das Thema Wissensvermittlung und die gerechte Verteilung ist eine Grundvoraussetzung für den Weltfrieden."

Am Mittwoch findet im Anschluss an das Weltbankforum das erste ICT Development Forum statt, ausgerichtet von der von der Weltbank gegründeten Washingtoner Develop-ment Gateway Foundation. Dessen CEO Alaan Rossi: "Der Zugang zu digitaler Technologie ist eine Grundvoraussetzung für nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum."

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