6 IKRK-Mitarbeiter dürfen vertraulich mit den Entwicklungshelfern sprechen
Rotes Kreuz zu ausländischen Häftlingen in Kabul vorgelassen

Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind am Sonntag in eine Haftanstalt der afghanischen Hauptstadt Kabul vorgelassen worden, um acht ausländische Entwicklungshelfer zu besuchen. Den Helfern wird christliche Missionsarbeit vorgeworfen. Es wurde angenommen, dass die regierenden Taliban zugestimmt haben, dass sechs IKRK-Mitarbeiter vertraulich mit den vier Deutschen, zwei Australiern und zwei Amerikanern sprechen, die vor drei Wochen gemeinsam mit 16 afghanischen Kollegen verhaftet wurden.

Reuters KABUL. Die Taliban hatten am Samstag mitgeteilt, das erste Stadium ihrer Untersuchungen wegen der Missionierung afghanischer Moslems neige sich dem Ende zu, und westliche Diplomaten, Angehörige und das IKRK dürften die Häftlinge letztendlich besuchen. Sie alle arbeiten für die in Deutschland ansässige christliche Hilfsorganisation Shelter Now International.

Ein Sprecher des australischen Außenministeriums sagte am Sonntag, die australische Hochkommission im benachbarten Pakistan sei in der Nacht informiert worden, dass am Montag Visa für Diplomaten ausgestellt werden würden. Wahrscheinlich werde Zugang zu den acht Häftlingen gewährt werden. "Der Konsul wird am Dienstag, 28. August, nach Kabul fliegen, in Begleitung des Konsuls der Vereinigten Staaten und des deutschen Konsuls. Alle Hinweise besagen, dass sie vorgelassen werden."

Die Diplomaten werden voraussichtlich einen UNO-Flug nach Afghanistan nehmen, wo keine westlichen Nationen diplomatisch vertreten sind, weil sie die radikal islamische Bewegung nicht als rechtmäßige Regierung anerkennen.

Die Taliban-Botschaft in Islamabad teilte am Samstag mit, sie habe keine Anweisungen, Visa auszugeben an zwei Verwandte der Häftlinge, die in Islambad warten - die Mutter des einen inhaftierten Amerikaners und der Vater des anderen.

Bisherige Versuche erfolglos

Vorangegangene Versuche von Diplomaten, die Häftlinge zu besuchen, sind erfolglos gewesen, und es hat seit ihrer Verhaftung keinen Kontakt mit der Gruppe gegeben. Allerdings haben Taliban-Vertreter ihnen versichert, sie würden gut behandelt und seien bei guter Gesundheit.

In Islamabad stationierte Diplomaten aus Deutschland, Australien und den Vereinigten Staaten haben vergeblich eine Woche in Kabul verbracht und kehrten am vergangenen Dienstag zurück, nachdem sie die Taliban lediglich überreden konnten, persönliche Dinge zu übergeben. Die Taliban, die Bibeln, Tonbänder und CDs in den örtlichen Sprachen Dari und Pashto beschlagnahmt haben wollen, hatten erklärt, es werde kein Zugang gewährt, bis die Untersuchungen abgeschlossen seien.

Die Missionierungsermittlungen sind ausgeweitet worden auf andere Hilfsorganisationen, das Welternährungsprogramm eingeschlossen.

Bewegung international verurteilt

Der australische Sprecher sagte, Verwandte der inhaftierten Australier Diana Thomas und Peter Bunch würden voraussichtlich nicht nach Afghanistan reisen.

Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Muttawakil hat gesagt, das Schicksal der Häftlinge hänge letztendlich von Mullah Mohammad Omar ab, dem zurückgezogen lebenden obersten Führer der Taliban, die versuchen, in Afghanistan die reine Form des Islam durchzusetzen. Missionierung für das Christentum und Übertritt zum Christentum können nach der strikten Taliban-Auslegung des islamischen Rechtes mit dem Tode bestraft werden.

Die Verhaftungen folgten auf Monate der Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Taliban und ausländischen Hilfsorganisationen, die Afghanen helfen, die lange Kriegsjahre und eine verheerende Dürre erlitten haben. Die Bewegung ist wegen ihrer Menschenrechtsbilanz international verurteilt worden - besonders hinsichtlich von Frauen - und wegen der Zerstörung des vor-islamischen Erbes Afghanistans, darunter die antiken Buddhas, die aus den Felsen von Bamian gehauen wurden.

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