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SAP: Langsam, aber gewaltig

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Zunächst denken Hopp und Plattner noch wie Angestellte und nicht wie Unternehmer. "Wir wollten unsere Idee einer Standardsoftware weiter voranbringen, denn uns war klar, dass Buchhaltung in jedem Unternehmen gleich abläuft", sagt Hopp. "Wir wären aber bereit gewesen, das innerhalb der IBM zu entwickeln."

Doch dann passiert, was in Konzernen immer wieder passiert. Wegen Kompetenzgerangel mit der Zentrale verfolgt die IBM-Niederlassung in Mannheim andere Ziele und will ihre genialen Entwickler nicht einfach abtreten. Und bei Hopp und Plattner steigt der Frust. Ein Markt entsteht, aber IBM schläft.

Parallel dazu möchte ICI die bildschirmgestützte Computer-Lösung auch bei Einkauf, Bestandsführung und Rechnungsprüfung einführen. Hopp und Plattner erkennen ihre Chance: ICI das Gewollte liefern und gleichzeitig vereinbaren, die entstandenen Programme mit einer eigenen Firma weiter vertreiben zu dürfen. Die beiden holen ihre IBM-Kollegen Tschira, Hector und Wellenreuther an Bord. Wellenreuther ist Spezialist für Rechnungswesen und hat die IBM schon sechs Monate vor der Gründung von SAP verlassen - mit seiner eigenen Idee: Er will eine Standardfinanzbuchhaltung per Stapelverarbeitung programmieren.

Mit dem ersten Auftrag in der Tasche startet SAP 1972 als schnöde Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Eine Rechtsform, die einem ernsthaften Unternehmen kaum angemessen ist, geschweige denn bei einer Bank für Kreditwürdigkeit sorgt. "Aber wir hätten ohnehin kein Geld gekriegt", ist sich Dietmar Hopp sicher. SAP wird mit Eigenkapital gegründet. Schon ein knappes Jahr später ist der Auftrag der ICI erledigt, und das erste Geschäftsjahr schließt mit einem Umsatz von 620 000 DM - und einem kleinen Gewinn.

Es gibt zwar weitere Aufträge, aber der Senkrechtstarter, zu dem SAP oft gemacht wird, ist die Firma nicht. Fünf Jahre nach der Gründung ist SAP noch immer eher eine Softwareklitsche mit 25 Mitarbeitern und 3,8 Millionen Mark Umsatz.

Ein Grund dafür: Die Gründer konzentrieren sich mehr auf die Entwicklung als auf den Vertrieb. "Im ersten Halbjahr 1975 bekamen wir nicht einen einzigen neuen Auftrag", erzählt Hopp, der den Softwarekonzern von 1988 bis 1997 als Vorstandschef führt. "Damals hätten wir eigentlich nervös werden sollen, aber wir waren einfach zu beschäftigt, die bestehenden Aufträge abzuarbeiten."

Dafür läuft es im zweiten Halbjahr 1975 besser, und Hopp bemüht sich bei der Stadt Mannheim um neue Büroräume. Selbst für die überschaubare Mitarbeiterzahl sind die Büros in der Fußgängerzone inzwischen zu eng. "Doch bei der Stadt Mannheim war man nicht sonderlich interessiert", sagt Hopp heute. Auch bei der Suche nach einem Baugrundstück stellen sich die Behörden taub - ein historischer Fehler, den die Stadtväter angesichts der entgangenen Steuerzahlungen wahrscheinlich schon öfter bedauert haben.

Denn fündig wird Hopp im nahe gelegenen Walldorf, seinem Wohnort, dem er bis heute treu geblieben ist. Die Gemeinde stellt SAP ein Baugrundstück am Ortsrand in Aussicht und bringt das junge Unternehmen 1977 einstweilen auf einer Etage der örtlichen Sparkasse unter. "Das war im Vergleich zu unseren Mannheimer Büros eine riesige Fläche mit Besprechungsräumen, in denen wir Kunden empfangen konnten", sagt Hopp. Rund um die Welt jetten wie heute müssen die Softwareingenieure aus Walldorf damals noch nicht. Die meisten Kunden von SAP kommen aus der Region Mannheim-Heidelberg. 1979 beginnt der Bau des ersten eigenen Gebäudes in Walldorf.

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Für den Durchbruch auf dem Weg zum Weltkonzern sorgt im selben Jahr wieder Ex-Arbeitgeber IBM. Im Januar 1979 bringt "Big Blue" neue Großrechner auf den Markt: Die Rechenkünstler vom Typ 4300 sind viermal schneller als die bis dahin leistungsstärksten Rechner. Und vor allem ist die 4 300-Serie nur ein Viertel so teuer. SAP hatte die richtige Software für die neue Hardware: das Programm R/2, mit dem sich viele betrieblichen Abläufe abbilden lassen. Nur ein Jahr später ist die Hälfte der 100 größten deutschen Industrieunternehmen SAP-Kunde.

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