60 Jahre deutsche Wirtschaftsgeschichte
TV-Werbung: Da weiß man, was man hat

Am 3. November 1956 flimmert der erste TV-Werbesport in deutsche Stuben. Beppo Brem kleckert und setzt auf "Persil - und nichts anderes." Danach diskutierte das ganze Land über den "Sündenfall".



Sie: Xaver, da schau her, was d? wieder gemacht hast. Also, also, du bist doch a richtiger Dreck ...

Er: Sprich?s nicht aus, wir sind nicht daheim.

Sie: Aber du benimmst dich so, als wenn?s d? daheim wärst. Ich, wenn ich Wirt wär, mein Lieber ...

Er: Ja, was wäre dann, wenn du der Wirt wärst?

Sie: ?Nausschmeißen tät ich dich!

Wirt: Mahlzeit, die Herrschaften. - Oh, ein kleines Malheur. - Gisela! - Serviette!

Er: Entschuldigen Sie, bittschön.

Wirt: Aber ich bitte Sie, das kann doch vorkommen. Dafür gibt?s doch Gott sei Dank Persil - nicht wahr, gnädige Frau? Wünsche weiter gut zu speisen.

Beide: Danke.

Er: Sixt, Lieserl, das ist eben der Unterschied zwischen dir und dem feinen Mann.

Sie: Was - na ja ...

Er: Du machst alleweil gleich ein Trara und ein Theater, wenn bloß so ein kleines Fleckerl auf d? Tischdecken kommt. Der gebildete Mensch sagt nur "Persil" - "Persil" und nichts anderes.

Dialog des ersten TV-Spots der deutschen Geschichte 1956

Der Wendlstein, 1 837 Meter hoch, ist eine jener ruppigen Anhöhen, die dem Inntal seinen rauen Charakter geben. In der Geschichte der deut-schen Werbung wäre er eigentlich nicht erwähnenswert, wäre ein Teil von ihm nicht irgendwann Eigentum des Konsumgüterherstellers Henkel geworden.

Ausgerechnet ein Kalkfelsen des Wendlstein machen die Techniker des Bayerischen Rundfunks in den 50er-Jahren als idealen Standort für eine Antenne aus, um das Inntal mit Fernsehsignalen zu bestrahlen. Und weil auch Henkel sich dem neuen Medium nicht in den Weg stellen mag, ist schnell eine Regelung gefunden: Der BR stellt seinen Mast auf - und sollte es jemals in seinem Programm Werbung geben, gebührt Henkel der erste Spot.

So giftete am 3. November 1956 die Volksschauspielerin Liesl Karlstadt gegen ihren schusseligen Ehemann, gespielt von Beppo Brem. Der aber nimmt Flecken ganz entspannt, schließlich gibt es "Persil - und nichts anderes".

Als "Sündenfall" wird der Einzug der Marken in die Fernsehwelt von manchen interpretiert, schreiben Heinz Fischer und Arne Westermann in ihrer "Knappen Geschichte der Hörfunk- und Fernsehwerbung in Deutschland". Doch irgendwoher muss das Geld ja kommen für das neue Medium, das an den Start ging, ohne groß vorher zu überlegen, wer die flimmernden Bilder bezahlen soll.

Am 27. November 1950 geht der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) auf Sendung - aus einem Luftschutzbunker. Erst vier Monate später wird eine monatliche Fernsehgebühr von fünf Mark geplant. Auch die Gerätehersteller sind am finanziellen Wohlergehen der Sender interessiert: Schließlich macht jede zusätzliche Stunde Programm ihre Produkte attraktiver. Also versprechen sie für die ersten 100 000 verkauften Geräte einen Programmzuschuss von 50 Mark pro Fernseher.

Werbung hätte der NWDR damals schon gern gehabt - doch sein Ansinnen wird abgelehnt. Heimlich verhandelt er über Jahre mit möglichen Werbekunden, die Lobbymaschine läuft auf vollen Touren. Das große Vorbild heißt Amerika: Dort werden 1953 schon 1,2 Milliarden Mark mit TV-Spots umgesetzt. Doch es gibt einflussreiche Gegner: die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, die um ihre Anzeigeneinnahmen zittern. Eine späte Einsicht, schreibt Hans Bausch, der ehemalige Intendant des Süddeutschen Rundfunks in einem Buch: "Von den deutschen Zeitungsverlegern wurde das neue Medium genauso wenig ernst genommen wie einst das Radio in den frühen 20er-Jahren."

Seite 1:

TV-Werbung: Da weiß man, was man hat

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%