6347 Menschen vermisst
Aus den Rettungsarbeiten wird eine Aufräumaktion

Aus der Rettungsaktion am New Yorker World Trade Center (WTC) wird eine Aufräumaktion: Bürgermeister Rudolph Giuliani bereitete Tausende trauernder Angehöriger am Dienstag darauf vor, dass von vielen Vermissten möglicherweise nicht einmal Leichen gefunden werden.

afp NEW YORK. Nüchtern gab er die Anforderungen für die Ausstellung von Sterbeurkunden ohne Leichen bekannt: Dafür brauche es oft nur noch einen Nachweis, dass der Vermisste in einem der beiden Zwillingstürme gearbeitet habe. Gut zwei Wochen nach der Katastrophe wurden bisher lediglich 287 Leichen gefunden - 6347 Menschen gelten noch immer als vermisst. Während sich vor dem Einsturz der WTC-Zwillingstürme am 11. Dezember noch mindestens 25 000 Menschen aus den Gebäuden retten konnten, wurden danach nur noch fünf Überlebende geborgen.

Hunderte Bergungshelfer trugen in den vergangenen zwei Wochen Zehntausende Tonnen Schutt ab. Riesige Kräne wuchteten verbogene Metallstreben aus dem Weg, mit High-Tech-Gerät und Spürhunden kämpften sich die Suchtrupps durch Massen von Betontrümmern, immer im Wettlauf gegen die Zeit - vergeblich: "Es ist sehr entttäuschend und frustrierend. Wir dachten, es würde so viel mehr Überlebende geben», sagt ein Retter. "Es gibt noch immer Nischen. Aber so, wie die Türme zusammengebrochen sind - sie sackten einfach zusammen, ein Stockwerk ins nächste, und ins nächste, und ins nächste, bis zum Fundament - da finden wir wahrscheinlich keinen mehr lebend..." Der Zustand der Leichen sei furchtbar: "Meistens finden wir nur Teile, Knochen, Schädel", sagt er erschöpft. Sogar Spürhunde zeigten inzwischen Anzeichen von Depressionen.

Während bislang den Angehörigen von Vermissten noch Mut gemacht wurde, hat jetzt die Ausstellung von Totenscheinen begonnen: Am Mittwoch-, Donnerstag- und Freitagmorgen können Familien im Betreuungszentrum Totenscheine beantragen, ohne dass es eine Leiche gibt. Nach Angaben von Giuliani reichen dabei Nachweise, dass die Vermissten im World Trade Center gearbeitet haben: Gehaltsschecks, Bestätigungen der Firma. Mehr als 500 Anwälte bieten den Hinterbliebenen auf Geheiß der Stadtverwaltung inzwischen gratis rechtlichen Beistand. Behördenvertreter übernehmen die schmerzliche Recherche, mit den Firmen zu klären, ob ein Vermisster zum Zeitpunkt der Anschläge im WTC war. Giuliani betont, es sei jedem Angehörigen selbst überlassen, wann er einen Antrag auf Totenschein stelle: "Ich weiß, dass dies ein sehr schmerzlicher und sehr schwieriger Prozess ist."

Am Mittwoch räumten die Trupps auch das Metallskelett ab, das einmal die unteren Stockwerke des Südturms zusammengehalten hatte und seit dem 11. September wie ein Mahnmal aus den Trümmern ragte, aber auch wie ein letztes Symbol der Hoffnung gewirkt hatte. Von den Stahlstreben soll so viel wie möglich erhalten bleiben, um in ein Denkmal für die Opfer eingebaut zu werden, gab Giuliani am Mittwoch bekannt. Trotz allem gingen die Aufräumarbeiten noch immer mit größter Vorsicht vor sich, fügte er hilflos hinzu: "Wenn aus irgend einem Grund ein Wunder geschieht und wir noch jemanden retten könnten, würden wir das tun."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%