66 Prozent für Möllemann
Westerwelle ist neuer FDP-Chef

Der Führungswechsel an der Spitze der FDP ist perfekt. Der FDP-Parteitag in Düsseldorf wählte am Freitag den bisherigen Generalsekretär Guido Westerwelle mit überwältigender Mehrheit zum neuen Parteivorsitzenden. Westerwelle versprach, sich der neuen Arbeit mit "Haut und Haar" zu verschreiben.

ddp DÜSSELDORF. Westerwelle erzielte mit 89,4 Prozent der Stimmen ein besseres Ergebnis als Vorgänger Wolfgang Gerhardt bei seinen drei Wahlen. Der 39-Jährige Westerwelle ist der jüngste FDP-Chef seit Gründung der Partei im Jahre 1948. Gerhardt hatte nach sechs Jahren Amtszeit den Weg für Westerwelle freigemacht. Zuvor hatte er die Partei nachdrücklich aufgefordert, Westerwelle "ungeschmälert und ungeteilt" zu unterstützen.

In seiner Bewerbungsrede für den Parteivorsitz schwor Westerwelle die Liberalen auf den neuen Kurs als Volkspartei ein. Die FDP sei «eine Partei für alle im Volk». Der Liberalismus sei keine Einkommensklasse, sondern eine Geisteshaltung. Zugleich forderte Westerwelle, dass die FDP ohne Koalitionsaussage in die nächste Bundestagswahl gehe. Die FDP werde sich nicht einsperren lassen in das Lager einer anderen Partei.

Döring mit 50,7 Prozent abgestraft

Bei den Wahlen für die drei Stellvertreter-Posten wurde der baden-württembergische FDP-Chef Walter Döring mit 50,7 Prozent abgestraft. Viele Delegierte nahmen Döring offenbar die schweren Angriffe gegen NRW-Landeschef Jürgen Möllemann übel. Döring hatte seinen Widersacher wegen des Projekts 18 Prozent mit einem FDP-Kanzlerkandidaten "größenwahnsinnig" genannt. Möllemann selbst kam auf 66,25 Prozent bei der Wahl zum Parteivize. Er sprach von einem "ehrlichen", Döring von einem "super-ehrlichen" Wahlergebnis. Mit 88,9 Prozent sicher als Parteivize bestätigt wurde der rheinland-pfälzische FDP-Chef Rainer Brüderle. Döring und Möllemann waren vor dem Wahlgang bemüht, ihren Zwist zu versachlichen. Beide wollten, dass vom Parteitag ein Zeichen der Einigkeit ausgehe, sagte Döring nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Möllemann am Vormittag. Beide schlugen sich gegenseitig sogar demonstrativ für die Partei-Vizeposten vor. In der Sache allerdings blieben die Unterschiede bestehen. Dörings Landesverband Baden-Württemberg nahm gar die 18-Prozent-Fähnchen von den Tischen.

Gerhardt hatte seine letzte Rede als Parteichef zu mehreren Spitzen gegen Möllemann genutzt, ohne seinen Kritiker beim Namen zu nennen. «Nicht ein Titel, und klingt er auch noch so stark, ist am Ende Ausdruck der Entschlossenheit und Möglichkeiten einer Partei", sagte Gerhardt in Anspielung auf die Forderung nach einem FDP-Kanzlerkandidaten. Auch den Streit Möllemanns mit Dörings griff Gerhardt auf. Er und Westerwelle hätten sachliche Differenzen "nie öffentlich und damit auf Kosten der Partei ausgetragen", sagte Gerhardt.

Debatte um das "Projekt 18"

Die Debatte um das "Projekt 18" steht zwar erst am Samstag auf dem Parteitag an. Möllemann nutzte aber bereits am Freitag mehrere Möglichkeiten, um für seine Ideen zu werben. Das 18-Prozent-Ziel sei nur ein "erster, überschaubarer und bescheidener Schritt" auf dem Weg zu einer liberalen Volkspartei. Die FDP müsse auf Dauer ähnlich hohe Ergebnisse anstreben wie die Schwesterparteien in Belgien und den Niederlanden mit Wahlresultaten zwischen 25 bis 30 Prozent. Mehrere Redner unterstützten das Projekt.

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