67 Prozent der Deutschen für Verbot von Embryonenforschung
Bundespräsident spricht sich für enge Grenzen der Gentechnik aus

Bundespräsident Johannes Rau hat sich am Freitag für enge Grenzen bei der Gentechnik ausgesprochen. Rau forderte in seiner "Berliner Rede" eine breite Diskussion über die Ethik und einen "Fortschritt nach menschlichem Maß", der nicht die wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund stelle.

afp BERLIN. Er sprach sich gegen die derzeit heftig diskutierte Präimplantationsdiagnostik und die Forschung an Embryonen aus. Das derzeitige Verbot der Forschung an Embryonen basiere auf der Definition, dass der Schutz menschlichen Lebens mit der Befruchtung der Eizelle beginne. Wer diese Auffassung nicht teile und einen anderen Zeitpunkt dafür festlege, setze sich der Gefahr der Willkür aus. Bei der Präimplantationsdiagnostik warnte Rau, dass damit künftig eine Selektion behinderter Kinder möglich sei.

Bei der Biotechnologie und in der Fortpflanzungsmedizin von heute geht es nach Ansicht von Rau nicht mehr allein um technologische Chancen und Risiken für Mensch und Umwelt. Vielmehr scheine die Menschheit zum ersten Mal fähig zu sein, den "Menschen selber zu verändern, ja ihn genetisch neu zu entwerfen". Aber er warnte, dass auch "hochrangige Ziele medizinischer Forschung" nicht darüber bestimmen dürften, "ab wann menschliches Leben geschützt werden soll". Auf der Grundlage der Unantastbarkeit der menschlichen Würde müssten solange Verbote gelten, bis der letzte begründete Zweifel aus dem Weg geräumt sei. Dieser Verzicht habe zwar oftmals seinen ökonomischen Preis, aber ökonomische Interessen dürften keinen Vorrang vor der Menschenwürde und dem Schutz des Lebens haben. Auch der Sterbehilfe nach niederländischem Vorbild steht Rau ablehnend gegenüber und forderte stattdessen bessere Schmerztherapien.

Rau rief die Bürger auf, sich aktiv an der Diskussion über Maßstäbe, Werte und Grenzen des Fortschritts zu beteiligen. Die Fragen nach Leben und Sterben dürften nicht an Experten und Kommissionen "delegiert" werden. "Wir müssen über diese Fragen streiten und dann gemeinsam entscheiden", forderte er. Rau räumte ein, dass es schwierig sei, Grenzen auch dort zu setzen und zu akzeptieren, "wo man sie überschreiten könnte" und sie sogar dann zu respektieren, wenn dadurch auf andere Vorteile verzichtet werden müsse. "Ich glaube aber, dass wir genau das tun müssen", sagte er.

Mehrheit der Deutschen für Verbot der Embryonenforschung

Mit seiner zweiten "Berliner Rede" vertrat Rau Positionen von Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) und den Grünen. In der SPD ist aber unter anderem Gesundheitsministerin Ulla Schmidt für einen weniger strengen Umgang mit dem Thema Gentechnik. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte vor wenigen Tagen kritisiert, dass in der Debatte zu wenig über wirtschaftliche Aspekte geredet werde.

Laut einer Umfrage sind 67 % der Deutschen dafür, dass Verbot der Embryonenforschung aufrecht zu erhalten. 28 % würden sie erlauben, wie das Institut dimap für die "Bild"-Zeitung vom Freitag ermittelte. 63 % sprachen sich dafür aus, dass ein Embryo schon im Frühstadium auf Krankheiten getestet werden darf. 31 % sind dagegen.

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