7,50 Euro je Stammaktie - Endgültiger Abschluss schon in nächsten Tagen
Saban nutzt seine zweite Chance

Deutschlands größter TV-Konzern Pro Sieben Sat1 wird nun doch an den US-Milliardär Haim Saban verkauft. Die Gläubiger der insolventen KirchMedia votierten am Dienstag einstimmig für die neue Offerte Sabans. "Der Abschluss der Vereinbarung wird in den nächsten Tagen vollzogen", teilte die Kirch-Media in München mit.

HB/dpa MÜNCHEN. Saban hatte bereits vor einigen Monaten den Zuschlag für das Herzstück der zusammengebrochenen Kirch-Gruppe erhalten. Das Geschäft platzte aber Anfang Juni wegen finanzieller Details. Diesmal kann nach Angaben aus Verhandlungskreisen nichts mehr dazwischen kommen. Auch das Kartellamt hat keine Bedenken.

Saban zeigte sich zufrieden, dass er eine zweite Chance bekam: "Wir sind sehr erfreut, dass unser Angebot den Gläubigerausschuss überzeugt hat." Zu seinen weiteren Plänen mit Deutschlands größtem Fernseh-Unternehmen machte er keine Angaben. Pro Sieben Sat1 begrüßte den Zuschlag für Saban. "Wir können uns jetzt wieder voll auf das operative Geschäft konzentrieren", sagte ein Sprecher. Saban sei ein Wunschpartner, von dessen Erfahrung man profitieren könne.

Zur Pro Sieben Sat1-Gruppe gehören die Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24. Der Konzern kam zuletzt auf einen Umsatz von knapp zwei Mrd. ?. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen zahlt Saban zunächst für 72 % der Stimmrechte 7,50 ? je Stammaktie an die Kirch-Media. Einschließlich einer notwendigen Finanzspritze für die Pro Sieben Sat1 Media AG hat das Geschäft ein Volumen von rund einer Milliarde Euro. In letzter Minute sorgte noch ein Gegenangebot der Beteiligungsgesellschaft Apax für Unruhe, die 8 ? je Aktie bot. "Die Gläubiger wollten dann aber lieber auf Nummer sicher gehen und das Angebot nehmen, das fertig auf dem Tisch lag", hieß es in Finanzkreisen.

Entgegen früheren Angaben aus Verhandlungskreisen wird Saban selbst sämtliche Stammaktien der Kirch-Media übernehmen. Dabei wird er von US-Finanzinvestoren finanziell unterstützt. Die Investoren würden aber keine Anteile übernehmen, hieß es in Verhandlungskreisen. Den freien Vorzugsaktionären will Saban laut Branchenkreisen ein Pflicht-Übernahmeangebot machen. Dieses dürfte aber deutlich unter 7,50 ? liegen, da die börsennotierten Vorzugsaktien nicht stimmberechtigt sind und der Kurs in den vergangenen Monaten niedriger war. Am Dienstag sank er zwischenzeitlich um fast elf Prozent auf 6 ?.

Nach Angaben der Kirch-Media wird mit dem Closing, also dem endgültigen Abschluss, schon in den nächsten Tagen gerechnet. Normalerweise dauert dies mehrere Wochen. Da das Kartellamt aber bereits zugestimmt hat und die meisten Details schon beim ersten Übernahmeversuch geklärt wurden, soll es diesmal schneller gehen.

Bei seinem ersten Übernahmeversuch hatte Saban den Zuschlag für Pro Sieben Sat1 und für den Filmrechtehandel der zusammengebrochenen Kirch-Gruppe erhalten. Diesmal bot er nur für die Sender-Kette, was den Abschluss erleichterte. Gerade die Bewertung der Filmrechte war ausgesprochen schwierig.

Für die Übernahme von Pro Sieben Sat1 muss Saban keinen neuen Antrag beim Bundeskartellamt stellen. Der Kauf sei von der bereits beim ersten Übernahmeversuch erteilten Freigabe abgedeckt, sagte eine Kartellamts-Sprecherin am Dienstag. Die Behörde hatte dem Geschäft im April ohne Auflagen zugestimmt. Da Saban in Deutschland bislang nicht aktiv ist, sahen die Wettbewerbshüter keine Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung des neuen Besitzers.

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