70 deutsche Soldaten landen im Einsatzgebiet
Vorauskommando verspätet in Kabul eingetroffen

Nach zweitägiger Verzögerung ist das deutsch-niederländische Vorauskommando für die UNO-Schutztruppe am Freitag in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingetroffen.

dpa KABUL/LONDON. Die Bundeswehr-Soldaten zeigten sich nach ihrer Ankunft erleichtert und zuversichtlich, nachdem sie wegen schlechten Wetters zwei Tage in der Türkei festgesessen hatten. In London unterzeichneten die 17 Teilnehmerstaaten der internationalen Schutztruppe (ISAF) eine Vereinbarung über den gemeinsamen Einsatz.

"Ich freue mich sehr darauf, hier mit anderen Nationen zusammenzuarbeiten", sagte der Leiter des Kommandos, Brigadegeneral Carl Hubertus von Butler, in Kabul nach der Ankunft der Soldaten. Sie waren an Bord zweier niederländischer Hercules-Maschinen auf dem von britischen Truppen kontrollierten Flughafen Bagram gelandet. Mit Blick auf die Verzögerung sagte der in Regensburg stationierte Major Ronald Kallenbach: "Ich bin glücklich, dass das Warten ein Ende hat."

Mit einem multinationalen Kontingent aus Briten, Niederländern, Dänen und Österreichern werden die Deutschen in der internationalen Schutztruppe (ISAF) die Übergangsregierung in Kabul schützen und die Ankunft des Hauptkontingents Ende Januar vorbereiten. Die Sicherheitstruppe wird zunächst drei Monate lang von den Briten geführt und soll insgesamt rund 5000 Mann umfassen. Britische Einheiten haben bereits mit Patrouillen in Kabul begonnen.

Deutschland wird mit voraussichtlich 800 bis 1000 Soldaten nach Großbritannien den größten Teil der Schutztruppe unter UN-Mandat stellen. Die Soldaten dürfen von der Waffe Gebrauch machen, um sich oder die Regierung zu schützen, können aber niemanden festnehmen.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums besteht die Sicherheitstruppe mit Ausnahme Neuseelands ausschließlich aus europäischen Ländern. Bei den Teilnehmerstaaten, die durch ihre Botschafter oder Militärattaches die Vereinbarung über den Einsatz unterzeichnen ließen, handelt es sich außer Großbritannien um Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei. Belgien und Bulgarien waren ebenfalls präsent und planen die Entsendung von Soldaten.

Die neue afghanische Regierung unter Hamid Karsai bemüht sich, alle bewaffneten Einheiten der Nordallianz, die Kabul nach der Flucht der Taliban besetzt hatten, in Kasernen am Stadtrand unterzubringen. In Kabul selbst sollen nur noch die Soldaten der Schutztruppe und afghanische Sicherheitskräfte mit Waffen patrouillieren dürfen.

Wenn die komplette Ausrüstung entladen, ausgepackt und in Betrieb genommen ist, wird die deutsche Truppe in einem Lagerhaus im Osten der Hauptstadt untergebracht. Das deutsch-niederländische Vorauskommando war am Dienstag in der Türkei zwischengelandet und zunächst von Schneestürmen an der Weiterreise gehindert.

Die internationale Truppe soll auch die Straße von Bagram nach Kabul schützen. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden. Zwei Antonow- Transportmaschinen waren gechartert worden, um Ausrüstung und Fahrzeuge nach Bagram zu bringen. Dazu gehören Kleinpanzer vom Typ "Wiesel" und minengeschützte Transporter vom Typ "Dingo". Afghanistan ist das am stärksten verminte Land der Welt. Auch könnten vereinzelte Taliban oder El Kaida-Kämpfer versuchen, die Truppe anzugreifen.

Die von den USA geführte Anti-Terror-Koalition richtet sich nach Angaben eines Sprechers deshalb auf eine längere Dauer des Militäreinsatzes in Afghanistan ein. "Es gibt hier und da immer noch bewaffnete El-Kaida - und Taliban-Kämpfer, die die humanitäre Hilfe stören können. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns", sagte Koalitions-Sprecher Kenton Keith am Freitag in Islamabad.

So seien US-Soldaten am späten Donnerstagabend in Kandahar unter Beschuss geraten, kurz nachdem ein amerikanisches Flugzeug mit den ersten festgenommenen El-Kaida - und Taliban-Kämpfern in Richtung Kuba aufgebrochen sei. Bislang wurden den Angaben zufolge etwa 350 Verdächtige unter dem Vorwurf des Terrorismus verhaftet.

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