70 M-Dax-Werte liefen dem Nemax den Rang ab
Zweite Reihe – einsame Spitze

Die Aktien aus dem M-Dax haben sich in diesem Jahr in den Vordergrund gespielt. Manche bieten auch nach dem Aufschwung noch Chancen, einige Titel sind aber schon recht hoch bewertet.

HB DÜSSELDORF. Der M-Dax war ewig abonniert auf die beste Nebenrolle am deutschen Finanzmarkt. Doch in diesem Jahr könnte alles anders werden. Nominiert für die höchste Wertsteigerung, die ausgereifteste Story und die aktionärsfreundlichste Ausschüttung wird der Index für die Werte aus der zweiten Reihe zum Abräumer. Entsprechend wächst das Medieninteresse: "In jüngster Zeit gab es eine gewisse Flut an Meinungsäußerungen zum M-Dax", konstatiert Erhard Schmitt, Analyst beim Helaba-Trust. Seit Januar hat der Index für die Nebenwerte um rund 17 Prozent zugelegt, erst jüngst markierte er am 8. November mit 5 079,88 Punkten einen neuen historischen Höchststand. Dagegen hangeln sich die im Nemax 50 versammelten Wachstumstitel von einem Tief zum nächsten. "Niemand hat Anfang des Jahres prophezeit, dass die 70 Aktien aus dem M-Dax den Nemax outperformen würden", erinnert sich Heidrun Heutzenröder, Fondsmanagerin bei der Anlagegesellschaft Adig.

Chart: Die Entwicklung des M-Dax im vergangenen Jahr

Die Frage drängt sich natürlich auf, ob der M-Dax auch im nächsten Jahr seiner neuen Rolle als Star gerecht wird. "Kurzfristig halten wir es für wahrscheinlich, dass der M-Dax zunächst noch konsolidiert, nachdem er dieses Jahr fast ohne Pause zulegen konnte", erklärt Klaus Schlote, Aktienstratege bei Dresdner Kleinwort Benson. Die Suche nach werthaltigen Aktien gehe aber auch im nächsten Jahr weiter. Im ersten Quartal 2001 könne sich der M-Dax wieder positiver darstellen. Einbrüche wie am Neuen Markt hält Schlote für unwahrscheinlich, dafür seien die Nebenwerte schon von der Dividendenseite her zu stark abgesichert.



Vor allem die Schwergewichte sorgten für das Plus

Aber der Index für die mittelgroßen Unternehmen hat auch einige Besonderheiten in seiner Erfolgsbilanz, die der Anleger im Hinterkopf behalten sollte. Denn die Aufwärtsbewegung in diesem Jahr geht zu einem guten Teil auf das Konto einiger Schwergewichte, die extrem gut abschnitten. Ein gutes Beispiel für die dominierenden Zugpferde ist der Versicherer Ergo, der mit gut neun Prozent die höchste Gewichtung im M-Dax hat und von seinem Tief bei 99,10 Euro im Februar bis Ende November auf 153 Euro geklettert ist. Kräftige Kursgewinne bescherten seit Jahresbeginn auch Beiersdorf (Marke "Nivea") mit plus 86 Prozent, der Finanzdienstleister MLP mit plus 85 Prozent und der Modekonzern Boss mit plus 160 Prozent. Diese Glanzlichter überstrahlen die Tatsache, dass es auch im M-Dax einige Schwächlinge gibt. Dazu zählen die Bäckereikette Kamps (minus 53 Prozent) und der Autovermieter Sixt mit minus 49,5 Prozent.

Auch wenn einige Spitzenwerte jetzt heißgelaufen sind, bleibt der Gesamtmarkt mit einem Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV) von 16,5 auf Basis der erwarteten Erträge für 2001 moderat bewertet. "Unter dem KGV- Aspekt ist der Markt für die Nebenwerte noch nicht ausgereizt", sagt Fondsmanagerin Heutzenröder. Allerdings wird bei einigen der bisherigen Favoriten die Luft immer dünner. Bei Wedeco, einem Spezialisten für die Wasseraufbereitung, beim Finanzdienstleister Tecis, beim Haarpflegespezialisten Wella sowie bei MLP und Ergo empfehlen Fondsmanager schon mal, "in Kursspitzen Stücke abzugeben". Dagegen hält Heutzenröder bei anderen Titeln die Story für intakt. Ihre Auswahl umfasst Heidelberger Druckmaschinen ("digitale Zukunftstechnik"), Stinnes ("glaubhafte Logistikstrategie"), Fresenius ("Wachstumsmarkt Infusionen") und Douglas ("Wellness") sowie den Technologiekonzern Jenoptik. Henriette Sternberg, Analystin bei Schroder Salomon Smith Barney in London, hält auch Techem für aussichtsreich. Trotz der erreichten Kurshöhe bei dem Dienstleister für Heiz- und Wasserkostenabrechnungen gefallen Sternberg vor allem die Langfristverträge mit der Hauswirtschaft.



Beim Maschinenbau scheiden sich die Geister

Bei den Maschinenbauwerten scheiden sich die Analystengeister. Beim Helaba-Trust habe man die Titel auf "untergewichten" gesetzt, weil sich die noch gute Auftragslage bald ins Gegenteil verkehren dürfte, sagt Schmitt. Dagegen hält BHF-Stratege Matthias Jörss die Maschinenbaubewertungen teilweise für extrem niedrig, sie reizten schon wieder zum Einstieg, beispielsweise bei Krones und Vossloh. Jörss sieht aber von einer ganz anderen Seite zusätzliche Würze in den M-Dax-Aktien. "Ein nicht unerheblicher Teil der M-Dax-Werte wird uns in zwölf Monaten nicht mehr zur Verfügung stehen, Delisting (der Rückzug von der Börse) wird 2001 ein ganz großes Thema. Gemessen am C-Dax und M-Dax sind 5 bis 10 Prozent Delistings realistisch", meint Jörss.

Wenn sich Unternehmen vom Kurszettel streichen lassen, gibt es für die Kleinanleger meist Abfindungsangebote, die deutlich über dem Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate liegen. Kandidaten für ein "Going-Private" sind Gesellschaften mit gesunder Substanz, für die bei akuter Unterbewertung an der Börse die Mittelbeschaffung via Kapitalerhöhung zu teuer ist. "Im Bereich MDax und auch im SDax gibt es erhebliche Werte, die die Börse - aus welchen Gründen auch immer - nicht zu bezahlen bereit ist", erklärt Schlote von Dresdner Kleinwort Benson. Delisting-Kandidaten sind für ihn die Maschinenbauer Jungheinrich und Krones sowie die Kfz-Zulieferer Phoenix und Continental, ferner noch FAG Kugelfischer (Wälzlager).

Ein wirklich gravierendes Manko bei den Substanzaktien sollte aber nicht verschwiegen werden: "Das Problem bei den Nebenwerten ist die unzureichende Informationsqualität, daran wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern", befürchtet Jörss. Die Titel sind auch vom Research der Banken seit Jahren schlecht abgedeckt worden. Diese haben massiv in die Sternchen am Neuen Markt investiert und dabei die Beobachtung der Altstars vernachlässigt.

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