70 Prozent Rücklaufquote mit dem Handy
Demokratie mit dem Handy – Abstimmung per SMS

Abstimmungen sind wegen zu geringer Teilnahme selten repräsentativ, denn nicht alle Befragten lassen sich in den Entscheidungsprozess einbeziehen: Die Mitarbeiter sind im Urlaub, krank oder anderweitig verhindert. Die Gewerkschaft der Polizei - Bezirk Bundesgrenzschutz (GdP-BFS) - lässt ihre Mitglieder fortan mit dem Handy abstimmen. SMS (Short Message Service) erleichtert die schnelle und zeitnahe Kommunikation.

DÜSSELDORF. "Unsere Gewerkschaft hat über 18 000 Mitglieder, die über 500 Standorte in Deutschland verteilt sind. Während der Arbeitszeit sind die Mitarbeiter unterwegs, auf Einsätzen an den Grenzen oder bei Großveranstaltungen usf. Wir fragten uns, wie man mit unseren Mitgliedern effektiv und zeitnah kommuniziert. Da bietet es sich natürlich an, per SMS abzustimmen", erläutert Josef Scheuring, Vorsitzender der GdP-BGS, gegenüber Handelsblatt.com die Beweggründe.

Einer der Gründe dafür ist sicherlich auch die Tatsache, dass solche zeitnahen Befragungen mit der technischen Ausstattung der Polizei laut Scheuring nicht ohne Weiteres umzusetzen sind. Die Mitarbeiter seien im Gegenzug jedoch sehr gut mit privaten Handys ausgestattet. "Außerdem sind die Beamten gerade im Bereich Bundesgrenzschutz relativ jung, der übliche Informationsweg der Gewerkschaften, mit Zetteln an schwarzen Brettern zu informieren, kommt bei dieser Zielgruppe kaum noch an. Da muss man schon mit der Zeit gehen", erläutert Scheuring gegenüber Handelsblatt.com.

Der Erfolg gibt ihm Recht: Bei der Umfrage, in der über die Notwendigkeit eines bedarfsorientierten Schichtdienst-Managements abgestimmt werden sollte, wurden die Erwartungen der Gewerkschaft mit einer Rücklaufquote von 70 Prozent mehr als übertroffen. "Das Feedback unserer Mitarbeiter ist uns sehr wichtig. Auf dem herkömmlichen Weg per Abstimmungszettel konnten wir höchsten einen Rücklauf von zehn Prozent erreichen."

Das Medium SMS wird bei der GdP noch häufiger zum Einsatz kommen. Der Bedarf zu gewerkschaftlichen, allgemeinpolitischen oder gesellschaftlichen Themen Stellung zu nehmen, sei groß: Als nächstes steht zum Beispiel zur Diskussion, inwieweit sich die Ärmelabzeichen oder der Bundesadler an den Uniformen der Bundesgrenzschutzbeamten an die Vorgaben von Bund oder Ländern anpassen sollten. "Die Vordiskussion findet im Internet statt, so dass unsere Mitglieder informiert sind", so Scheuring. Abgestimmt wird letztlich wieder per SMS.

Realisiert wurde die SMS-Abstimmung von UCP in Kooperation mit Marketingunternehmen eRelation AG. "Neben den Gewerkschaften gibt es sicherlich noch viele Gruppierungen, für die so ein interaktives Werkzeug interessant ist. Auch Parteien, Verbände oder Vereine könnten manchmal noch ein wenig mehr an direkter Demokratie vertragen", glauben Claudia Pöpperl, Geschäftsführerin von UCP in Deutschland, und eRelation-Vorstand Peter Steigmeier an einen großen Bedarf für SMS-Services dieser Art.

Das unterstreicht auch Josef Scheuring: "Mit dem Handy und dem Medium SMS lassen sich viele Menschen zu geringen Kosten gleichzeitig erreichen." Die Polizei habe permanent Fragen an die Bevölkerung oder bittet um deren Mithilfe. Zukünftig ließen sich solche Anfragen per SMS wesentlich effektiver realisieren. Neben Nutzwert und dem Spaßfaktor SMS als Motor für M-Business liegt möglicherweise ein weiteres Zukunftspotenzial im "M-Government": Denkbar ist, dass der Nutzer zum Beispiel die Verlängerung seines Personalausweises per Handy beantragt oder vor der TÜV-Überschreitung einen Termin für eine neue Hauptuntersuchung vereinbart.

Schreiben Sie der Autorin: u.latzke@vhb.de

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