700 Stellen sollen abgebaut werden: Gewerkschaft: Kahlschlag bei Bahn-Auskunft

700 Stellen sollen abgebaut werden
Gewerkschaft: Kahlschlag bei Bahn-Auskunft

Die Deutsche Bahn will bei ihrer Telefon-Auskunft nach Angaben der Gewerkschaft Transnet jede dritte Stelle streichen sowie Standorte schließen. Noch in diesem Jahr sollen bis zu 700 der fast 2200 Arbeitsplätze der Bahntochter DB Dialog wegfallen, teilte Transnet am Montag in Berlin mit.

HB/dpa BERLIN. Den Betroffenen drohten Kündigungen, da sie nicht unter das bis Ende 2004 geltende Beschäftigungsbündnis fielen. Darüber hinaus sollen einige der bundesweit 13 Standorte geschlossen werden. Die Bahn wollte einen Stellenabbau weder bestätigen noch dementieren und sprach von nötigen Sanierungsschritten bei der Telefon-Auskunft.

Transnet-Chef Norbert Hansen warf der Bahn eine "verfehlte Unternehmenspolitik" vor und warnte vor "diesem personal- und kundenfeindlichen Kahlschlag". Hintergrund seien unter anderem falsche Prognosen des Unternehmens über die Zahl der Anrufer. Statt der jährlich erwarteten 18,7 Millionen Anrufe seien nur noch 12 Millionen vorgesehen. Die hohen Gebühren von 61 Cent pro Minute schreckten Kunden ab. Damit komme jetzt auch das Vertriebskonzept durcheinander.

Über DB Dialog sind unter der Telefonnummer 11861 unter anderem Fahrplanauskunft, Reiseservice oder Ticket-Bestellungen möglich. Die Bahn hatte die Preise dafür im vergangenen Herbst deutlich erhöht, jedoch auch eine kostenlose Hotline eingeführt. Ein Bahn-Sprecher erklärte, DB Dialog befinde sich auf Sanierungskurs. "Alle 13 Standorte werden auf ihre Wirtschaftlichkeit hin geprüft", sagte er, ohne jedoch nähere Angaben über einen möglichen Stellenabbau zu machen. Der Bahn-Sprecher bestätigte lediglich, dass die Zahl der Anrufe zurückgegangen sei. Dafür gebe es "viele Gründe". Neben der Preiserhöhung hätten auch die Konjunkturflaute und Alternativen wie das Internet oder Automaten zu Buche geschlagen.

Unterdessen haben die Grünen von der Bahn erneut mehr Kundenfreundlichkeit gefordert. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, wies jedoch Darstellungen zurück, wonach seine Partei und der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, der Grünen-Politiker Matthias Berninger, mit Konsequenzen bei der Besteuerung gedroht hätten.

Nach Angaben des "Handelsblatts" soll Berninger damit gedroht haben, die im Koalitionsvertrag für 2005 geplante Senkung des Mehrwertsteuersatzes für den Personenfernverkehr von 16 auf sieben Prozent zur Disposition zu stellen, sollte sich die Bahn einer Stärkung der Verbraucherrechte widersetzen. Schmidt erklärte, die Kritik von Fahrgästen am Preissystem sollte ernst genommen werden. Die Grünen drohten jedoch nicht mit Dingen, die im Koalitionsvertrag beschlossen worden seien und die im Interesse der Bahn-Kunden auch umgesetzt werden müssten. Das Verbraucherschutzministerium wollte sich nicht äußern und verwies auf die Grünen.

Die Bahn befürchtet bei Einführung einer EU-weiten Charta für Passagierrechte dem Vernehmen nach erhebliche Mehrkosten. Diese sieht unter anderem eine gestaffelte Entschädigung bei Verspätungen und Ausfällen sowie eine Haftung für Folgeschäden vor. Die Bahn rechnet mit Mehrkosten im Personenfern- und Nahverkehr von zusammen etwa 500 Millionen Euro. Die Bahn geht davon aus, dass die Zusatzkosten wiederum auf die Kunden abgewälzt werden und eine Verteuerung der Ticketpreise zur Folge haben.

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