72-Jähriger in NRW erkrankt
Erster SARS-Krankheitsfall in Deutschland

Bei einem deutschen Patienten aus Nordrhein-Westfalen ist die lebensgefährliche Lungenentzündung SARS nachgewiesen worden. Außerdem wurden am Dienstag in Deutschland drei weitere Verdachtsfälle bekannt.

Reuters DÜSSELDORF. Ärzte der Lungenklinik im nordrhein-westfälischen Hemer sagten vor Journalisten, bei einem 72-jährigen Mann sei das Virus festgestellt worden, nachdem dieser von einer mehrwöchigen Asienreise zurückgekehrt sei. Der Patient habe sich vor allem in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi und in Singapur aufgehalten. Das Tropeninstitut in Hamburg habe bei Tests das Coronavirus identifiziert, sagte der Chefarzt der Klinik, Lutz Freitag. Eine Variante dieses Virus ist nach bisherigem Kenntnisstand für die SARS-Erkrankung verantwortlich. Der Patient sei inzwischen aber wieder fieber- und beschwerdefrei. "Für die Ansteckung anderer Personen spricht nichts."

Der Leiter der Infektionsstation, Olaf Kestermann, sagte, der Patient sei am 12. März nach Deutschland zurückgekehrt und habe zwei Tage darauf Fieber mit Schüttelfrost gehabt und danach Husten. Nach einer erfolglosen Behandlung durch den Hausarzt habe der Mann sich am 21. März in der Lungenklinik vorgestellt und sei dort sofort isoliert worden. Am Montagabend sei das Virus dann festgestellt worden.

Klinik: Andere Menschen nicht angesteckt

Chefarzt Freitag sagte, die gesamte Umgebung des Patienten bis hin zu Taxifahrern, die ihn gefahren haben, sei untersucht worden. "Dabei ist kein einziger Verdachtsfall aufgetreten." Auch die Reisegruppe, mit der der 72-Jährige unterwegs war, sei überprüft worden. Um sicher zu gehen, bleibe der Patient dennoch eine Weile auf der Isolierstation. Er habe im Röntgenbild noch "leichte Verschattungen auf der Lunge". "Nach Abklingen dieser Symptome wird er voraussichtlich noch eine weitere Woche bei uns bleiben, um jede Ansteckungsgefahr auszuschließen", sagte der Arzt. Die Ärzte der Lungenklinik erklärten, sie seien beruhigt, weil der Fall gezeigt habe, dass die Viruserkrankung auch ohne spezielle Maßnahmen folgenlos überstanden werden könne.

Drei weitere SARS-Verdachtsfälle in NRW

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Düsseldorf sagte, es gebe neben dem Fall in Hemer drei weitere Verdachtsfälle in Nordrhein-Westfalen. Es sei aber Sache der Kreisgesundheitsämter, diese Fälle im Einzelnen zu erläutern. Wie der Kreis Neuss mitteilte, kam am Vortag eine Deutsche mit Verdacht auf SARS ins Krankenhaus. Die Frau sei in der vergangenen Woche aus Vietnam zurückgekehrt. Nach Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin sei sie aber lediglich unter häusliche Quarantäne gestellt worden. "Das fehlende Fieber spricht eher gegen eine SARS-Erkrankung" sagte der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Michael Dörr.

Neben dem nachgewiesenen SARS-Fall gibt es nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts vier weitere vermutete SARS-Fälle in Deutschland. Das Schwere Akute Atemwegs-Syndrom (SARS) hat nach bisherigen Erkenntnissen seinen Ausgangspunkt in der chinesischen Provinz Guangdong. Bislang sind weltweit mindestens 63 Menschen an SARS gestorben. Rund 1700 Menschen sind mit der Krankheit infiziert.

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