72-jähriger Rumsfeld könnte noch zwei Jahre im Amt bleiben
In Washington beginnt das Stühlerücken

Was wird aus Powell, Rice und Rumsfeld? Von der US-Wahl hängen viele Personalien ab.

HB NEW YORK. Wenn Dan Coats, amerikanischer Botschafter in Deutschland, aus seinem Arbeitszimmer schaut, dann sieht er Stacheldrähte, Barrikaden und Wegfahrsperren. Das Ambiente rund um die abgeriegelte US-Botschaft in Berlin-Mitte ist düster. Vielleicht könnte Coats diesen Arbeitsplatz bald gegen ein Büro im Washingtoner State Department eintauschen. Coats gilt als heißer Anwärter für die Nachfolge von US-Außenminister Colin Powell.

Zwar rechnet in Washington kaum jemand damit, dass Powell schon kurz nach einem Wahlsieg George W. Bushs abtreten wird. Doch der einst gefeierte Star-General gilt als amtsmüde. Der liberale Powell hat sich im Kampf mit den Hardlinern rund um Verteidigungsminister Rumsfeld verschlissen. Sein Abtritt soll allerdings nicht als Folge der missglückten Irak-Politik interpretiert werden - deshalb würde er noch einige Monate im Amt bleiben.

Sollte John Kerry gewinnen, dann dürfte unter den Demokraten der einstige Vorzeige-Diplomat Richard Holbrooke erste Wahl für das Außenministerium sein. Wie Coats ist auch er in Deutschland kein Unbekannter: 1993 amtierte er ein Jahr lang ebenfalls als US-Botschafter in der Bundesrepublik. Besonders gute Kontakte werden ihm zu Außenminister Joschka Fischer und Bundeskanzler Schröder nachgesagt. Mit Holbrooke würde ein ausgewiesener Europa-Kenner an die Spitze der US-Außenpolitik rücken. In den 60er-Jahren studierte er Internationale Politik und Deutsch. Holbrooke machte sich in den 90er-Jahren auch als Vermittler im Kosovo-Konflikt einen Namen.

Unklar bleibt, wie es mit Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice weiter geht. Sie könnte als Nachfolgerin Donald Rumsfelds zur Verteidungsministerin aufrücken. In Washington kursiert allerdings auch das Gerücht, Rice wolle sich aus der Politik zurückziehen und als Dozentin an die Stanford University wechseln.

Ähnlich wie Powell dürfte auch der 72-jährige Rumsfeld nach einem Wahlsieg Bushs noch ein bis zwei Jahre im Amt bleiben. Nach dem Willen Bushs soll er die Umstrukturierung des Militärs abschließen. Von Kerry heißt es, er bereite nach einem Wahlsieg einen besonderen Coup für das Pentagon vor: Demnach will der Demokrat angeblich John McCain, einen republikanischen Kritiker von Bushs Irak-Politik, für das Amt gewinnen. Ungewöhnlich wäre diese Lösung nicht: Mit William Cohen amtierte unter Bill Clinton schon einmal ein Republikaner als Verteidigungsminister in einem Demokraten-Kabinett.

Quelle: News Frankfurt

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