73 Flugzeuge für die deutsche Luftwaffe
Militär-Auftrag ist endlich bei Airbus eingegangen

Für Airbus und seine Muttergesellschaft EADS kam das Weihnachtsgeschenk gerade recht: Nach dem Milliardenauftrag für den neuen Militärtransporter A400M kann in der Entwicklung des ehrgeizigen Rüstungsprojekts nun Vollgas gegeben werden.

dpa TOULOUSE/MÜNCHEN. Damit tritt Europas führender Flugzeugbauer erstmals auch auf dem militärischen Feld gegen die dominierende US-Konkurrenz an.

Die komplett neu konzipierte A400M, die 2006 zu ihrem Erstflug starten soll und die veralteten Transall-Transporter ablöst, hat nach Auffassung von Luftfahrtexperten vor allem gegen die betagten Hercules-Transporter von Lockheed auch international gute Chancen. Kein Wettbewerber ist die Turboprop-Maschine nach Darstellung von Branchenkennern dagegen für den deutlich größeren C17-Transporter-Jet von Boeing, der von den USA derzeit auch in Afghanistan eingesetzt wird.

Nicht nur am Airbus-Hauptsitz in Toulouse, sondern speziell in den deutschen Werken wurde die schon mehrfach verschobene Vertragsunterzeichnung vom Dienstag in Brüssel über die 196 A400M-Transporter-Bestellungen mit Erleichterung aufgenommen. Denn die tiefe Krise der Luftfahrtindustrie hat auch Airbus gezwungen, die Produktion zu kürzen und über Kurzarbeit nachzudenken. Neben dem Bau des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 ist die A400M das zweite Großprojekt von Airbus, dass die Auslastung langfristig sichern soll.

"Die Airbus-Werke in Deutschland sind sowohl an der Entwicklung als auch am Bau der A400M maßgeblich begleitet. Insbesondere gilt das für Bremen und Stade", erklärte Airbus-Sprecher Theodor Benien am Mittwoch in Hamburg. Die A400M sei ein maßgeschneidertes Flugzeug für die Luftwaffen in Europa, weil der Transporter genau nach deren Anforderungen gebaut werde. Die deutsche Luftwaffe hat mit 73 Flugzeugen den größten Anteil an dem Programm mit einem Auftragswert von insgesamt 25 Milliarden Euro (48,9 Mrd DM).

Noch sind die Arbeitspakete unter den acht beteiligten Ländern nicht verteilt. Ausschlaggebend soll das jeweilige Auftragsvolumen sein. So hat Frankreich 50 Flugzeuge bestellt, Spanien 27, Großbritannien 25, Türkei 10, Belgien 7, Portugal 3 und Luxemburg eine Maschine. Der "Wackelkandidat" Italien, der 16 Maschinen abnehmen sollte, ist in der ersten Runde nicht dabei, könnte nach Auffassung von Branchenkennern jedoch durchaus später dazustoßen. Gemäß den Planungen im EADS/Airbus-Konzern wird die A400M-Endmontage nach Sevilla vergeben, denn die spanische EADS-Tochter, in die der frühere CASA-Konzern im Zuge der Fusion zum größten Luft- Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen Europas aufging, steht seit langem mit an der Spitze des Militärflugzeugbaus in Europa. Nach Deutschland könnte nach Einschätzung von Branchenkennern die Fertigung von Rumpfteilen oder des Seitenleitwerks vergeben werden.

So ist auch auch EADS höchst zufrieden: "Der Auftrag ist gerade im Moment besonders willkommen", hieß es in München und Paris, den beiden Hauptzentralen des Konzerns. "Der Ausbau unseres Verteidigungsgeschäfts steht ganz oben auf der Tagesordnung", unterstrich EADS-Co-Chef Philippe Camus am Mittwoch in Paris. Die Industrie werde mit dem Bau des A400M beginnen, sobald auch der Bundestag in Berlin zugestimmt habe. "Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich der Fall sein wird."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%