75. Jahrestags der International Chamber of Commerce Deutschland
Duisenberg für moderate Lohnpolitik trotz Ölpreisschub

Reuters BERLIN. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, hat vor höheren Lohnforderungen vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Ölpreise eindringlich gewarnt. Duisenberg sagte am Donnerstag aus Anlass des 75. Jahrestags der International Chamber of Commerce Deutschland in Berlin, in einem solchen Fall müsste die Geldpolitik dann reagieren, um Inflationsgefahren aus überhöhten Tarifabschlüssen zu begegnen. Er bescheinige den Tarifpartnern in der Euro-Zone zugleich, bisher eine moderate Lohnpolitik verfolgt zu haben. Die Wirtschaftsaussichten für die Euro-Zone bezeichnete er als positiv, auch wenn die Ölpreise kurzfristig dämpfend wirkten. Auf die aktuelle Euro-Schwäche ging er nicht ein.

Die Geldpolitik der EZB könne die Wirkungen des Ölpreisanstiegs oder des schwachen Euros kurzfristig nicht kurieren, sagte Duisenberg weiter. Die EZB habe mit ihrer Zinspolitik vorausschauend gehandelt, dies verhindere später die Notwendigkeit zu hektischem Handeln. Insgesamt verkrafteten die europäischen Volkswirtschaften den Ölpreisanstieg weitaus besser als bei den früheren Ölkrisen. Das Wachstum in der Euro-Zone habe den höchsten Stand innerhalb der vergangenen zehn Jahre erreicht, sagte der EZB-Präsident, der sich auch im Anschluss an die Rede nicht den Fragen von Journalisten stellen wollte, weiter. Er wiederholte vor den versammelten Spitzenvertretern aus Politik, Verbänden und der Wirtschaft die Einschätzung, die Wirtschaft in der Euro-Zone werde in diesem und im nächsten Jahr um mehr als drei Prozent wachsen. Der erhebliche Anstieg der Ölpreise könne jedoch die Wachstumsdynamik kurzfristig dämpfen. Duisenberg bekräftigte, dass die Inflationsrate wegen der hohen Ölpreise länger über zwei Prozent liegen werde als ursprünglich erwartet.

Insgesamt könnte sich das Wachstum könnte nun auf einem hohen Niveau einpendeln. Die Kräfte, die hinter dem soliden mittelfristigen Wachstum stünden, seien stark. Die Binnennachfrage werde in der Euro-Zone weiter hoch bleiben. Die Finanzierungsbedingungen innerhalb der Euro-Zone blieben ebenfalls günstig. Es sei eine Herausforderung, den derzeitigen Konjunkturaufschwung in eine Periode langfristigen Wachstums zu stabilisieren, sagte der EZB-Präsident weiter.

Zugleich äußerte sich Duisenberg überzeugt, dass der Euro in der breiten Öffentlichkeit mehr Akzeptanz finden werde, wenn er ab 2002 als Bargeld eingeführt wird. Dann werde es auch Preistransparenz auf allen Märkten in der Euro-Zone geben. Der Druck auf die Unternehmen werde zunehmen, da Verbraucher und Einzelhandelsorganisationen Preisvorteile wahrnehmen wollten.

Entscheidend sei aber auch die Fortsetzung der Strukturreformen. Die Regierungen der Mitgliedsländer der Währungsunion müssten die Fehler der Vergangenheit vermeiden. Derzeit sähe sich die Wirtschaft noch einer strukturellen Starrheit und einer relativ hohen Steuerlast gegenüber. Dennoch sei das Potenzial, das der große Markt des Euro-Gebiets biete, eindeutig vorhanden und könne schon jetzt genutzt werden. Duisenberg lobte die von einigen Ländern der Euro-Zone in Angriff genommenen Steuersenkungen.

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