75 Milliarden Euro für Außer-Haus-Verzehr
Deutsche essen nur noch selten in der eigenen Küche

Der Einzelhandel hat es nicht leicht: Untersuchungen belegen, dass immer mehr Deutsche ihre Lebensmittel außerhalb der Supermärkte kaufen. Bis zum Jahr 2010 soll jeder zweite Euro für Essen und Trinken im Außer-Haus-Verzehr landen. Insbesondere Freizeitbetriebe und Fast-Food-Restaurants profitieren.

DÜSSELDORF. Die Butterstulle als Auslaufmodell: Das Konsumverhalten vieler Bundesbürger hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Viele kochen ihren Frühstückskaffee nicht mehr daheim und kaufen statt dessen einen Becher Café Latté auf dem Weg ins Büro. Auch zum Abendessen ist man häufiger unterwegs als daheim am Küchentisch. Die Gastronomie beginnt, sich darauf einzustellen.

"Es gibt immer mehr Menschen, die bereit sind, für eine veredelte Leistung auch ein bisschen mehr Geld auszugeben", sagt Maren Lüth, Lebensmittelexpertin von der Universität in Göttingen. "Wer Hunger oder Durst hat, will nicht mehr viel Zeit investieren." Kommt dann noch ein nettes Ambiente in den Cafés und Bars hinzu, achte der Konsument nicht mehr auf den Cent.

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen knapp 75 Mrd. Euro für Essen und Trinken außer Haus ausgegeben, meldet die Centrale Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA). 29 Euro pro Woche läßt sich das jeder Deutsche kosten, 8 % mehr als noch ein Jahr zuvor.

Der so genannte Außer-Haus-Verzehr bringt den Einzelhandel unter Druck. Derzeit geben europäische Konsumenten noch zwei von drei Euro im klassischen Lebensmitteleinzelhandel aus. Der Rest landet an der Imbissbude, im Café, an der Tankstelle, im Kino, am Bahnhofskiosk oder im Restaurant. Europaweit liegt dieser Umsatz bei rund 295 Mrd. Euro. Nach Untersuchungen der Unternehmensberatung McKinsey & Company soll der Markt bis 2010 auf 475 Mrd. Euro wachsen. Damit landeten dann nur noch 57 % im Lebensmittelhandel, der Rest im Außer-Haus-Verzehr. Andere Experten gehen sogar von einer Angleichung auf 50 : 50 aus.

Den klassischen Lebensmittelhändlern fehlt es an Konzepten, um auch den "convenience-verwöhnten", bequemen Kunden an ihre Einkaufsstätte zu binden. "Der Handel muss versuchen, sich ein Stückchen von dem Kuchen abzuschneiden", sagt auch Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Einzelhandels. Viele Supermärkte und Warenhäuser reagieren jedoch schon und bieten beispielsweise Convenience-Produkte an - abgepackte Salate, zubereitete Früchte, vorgekochte Snacks.

Experten kritisieren dennoch das zögerliche Verhalten der Supermärkte. "Der deutsche Handel ist noch lange nicht so aktiv, wie es die großen Marktchancen sinnvoll erscheinen ließen", sagt Thomas Tochtermann, Direktor bei McKinsey, und drückt sich dabei noch diplomatisch aus. "Der Handel verfügt schließlich über die Einkaufsstätten, die Lieferantenbeziehungen und die Läger", heißt es auch bei der Münchener Unternehmensberatung Roland Berger.

Aktivitäten wie die der Karstadt Quelle AG, Essen, gehören noch zur Ausnahme: Im vergangenen Herbst ist das Unternehmen eine Kooperation mit der Coffee-Shop-Kette Starbucks Coffee Co. eingegangen und unterstützt die Amerikaner jetzt bei der Markteinführung in Deutschland. Zu einem späteren Zeitpunkt seinen Cafés in den Warenhäusern geplant.

Rückenwind gibt diese Entwicklung zumindest den Restaurants der Warenhäuser. Die Gastronomie der Karstadt Warenhaus AG gehört zu den zehn größten deutschen Gastronomieunternehmen. Der Möbelhersteller Ikea liegt auf Platz 15 - und holt stark auf. Im vergangenen Jahr setzten Ikea-Restaurants und Imbisse 77 Mill. Euro um und rückten von Platz 20 vor.

"Wer vom Convenience-Trend profitieren will, muss sich auf die sich ständig ändernden Konsumgewohnheiten einstellen", sagt Marc Schnerr, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands und erklärt damit auch den Erfolg von Ikea: Man esse heute nicht mehr zu festen Mahlzeiten, sondern quasi den ganzen Tag über. Imbisse und Outlets, die man auf dem Weg von der Arbeit zum Einkaufen und nach Hause aufsuchen könne, gehörten zu den Gewinnern.

So profitierten nach der Auswertung der Fachzeitschrift Food Service im vergangenen Jahr insbesondere Freizeitbetriebe (Umsatzplus von 10 %) und Fast-Food-Restaurants (+ 4,4 %). Die mexikanische Kette Sausalitos gehörte zu den großen Gewinnern des vergangenen Jahres: Sie steigerte ihren Umsatz von 17 auf 26 Mill. Euro, der Gewinn stieg um 48 %.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%