75 % des Umsatzes an allen europäischen Wachstumsbörsen entfallen auf Frankfurt.
Deutsche Börse sieht Zukunft des Neuen Marktes weiter positiv

Die Deutsche Börse bleibt trotz der seit Monaten desaströsen Kursentwicklung für den Neuen Markt weiter optimistisch.

dpa-afx FRANKFURT. "Der Neue Markt ist eine Erfolgsgeschichte. Das Konzept hätte ich heute keinen Deut anders gemacht", bilanzierte das für den Neuen Markt zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, Volker Potthoff, am Donnerstag in Frankfurt.

Vier Jahre nach Start des Segments für so genannte Technologie- und Wachstumswerte am 10. März 1997 gebe es auch nach einigen Firmenpleiten und dem dramatischen Vertrauensverlust vieler Anleger keinen Grund für Pessimismus. "Der Erfolg ist ganz offensichtlich", sagte Potthoff. "Der Neue Markt hat entscheidend dazu beigetragen, dass in den vergangenen vier Jahren eine solche Aktienkultur in Deutschland entstanden ist."

Die Talfahrt vieler Aktienkurse könnte nach Ansicht Potthoffs sogar ein "heilsamer Schock" für die Investoren und Emittenten sein. "Wir haben immer gesagt, dass es sich beim Neuen Markt um einen Risikomarkt handelt. Und man muss ja auch nicht alles kaufen", betonte er. Sein Haus habe nur die Rahmenbedingungen, Regeln und Standards für diesen spekulativen Markt geschaffen. Für das entstandene "Klima" der Euphorie sei die Deutsche Börse nicht verantwortlich. "Viele sind halt auf den schnell fahrenden Zug einfach aufgesprungen."

Gleichwohl räumte Potthoff auch Fehler des eigenen Hauses ein. Die rasante Entwicklung des Neuen Marktes sei "so nicht gesehen" worden. Auch die offensichtlichen Falschmeldungen mancher Firmen - trotz verschärfter Publikationspflichten - habe man so nicht erwartet. "Sicher ist das auch bei uns ein ständiger Lernprozess."

Jeder wollte an die Börse

Allerdings hätten Banken, Unternehmen und nicht zuletzt die Kleinanleger sich ebenso von der Euphorie mittragen lassen. "Die Banken sind ja überschüttet worden mit Zeichnungsaufträgen und dem Wunsch nach Börsengängen." Potthoff verwies darauf, dass die Deutsche Börse rund 10 % der Firmen im Zulassungsverfahren für den Neuen Markt ablehnt, obwohl diese von ihren Kreditinstituten bereits die Börsentauglichkeit bescheinigt bekommen haben.

"Oft war bei einigen Unternehmen die Erfahrung im Management ungenügend", sagte Potthoffs Kollege und Neuer Markt-Chef, Rainer Ries. "Manche wurden vielleicht auch überheblich, da der Erfolg für sie zu schnell gekommen ist." Auch seien viele Geschäftsmodelle besonders der neuen Internet-Firmen zuvor nicht getestet gewesen. Insgesamt zeige sich bei differenzierter Analyse jedoch ein positives Bild. "Es gibt viele gute Firmen am Neuen Markt." An ihrem Regelwerk, das inzwischen schärfere Sanktionen für "Schwarze Schafe" vorsieht, werde die Deutsche Börse in jedem Fall weiter feilen.

Neuer Markt: Marktführer in Europa

Im Vergleich mit den Wettbewerbern in Europa sei der Neue Markt eindeutig Marktführer, bekräftigte Potthoff. 75 % des Umsatzes an allen europäischen Wachstumsbörsen entfielen auf Frankfurt. Allein im vergangenen Jahr seien 12 Mrd. Euro frisches Kapital den jungen Unternehmen zugeflossen. "Der Neue Markt hat damit seine Finanzierungsfunktion unter Beweis gestellt" , so Potthoff. Im Vergleich zur amerikanischen Nasdaq (50 Mrd. Euro) sei dies zwar noch relativ wenig. Die US-Computerbörse könne allerdings auch auf jahrzehntelange Erfahrung und ein weitaus größeres Umfeld zurückgreifen, betonte er.

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