76 Insassen
148 Tote nach Flugzeugabsturz in Nigeria

Beim Absturz einer Passagiermaschine auf eine Stadt in Nordnigeria sind am Samstag nach Angaben des Roten Kreuzes mindestens 148 Menschen ums Leben gekommen.

dpa NAIROBI. Die mit 76 Insassen besetzte Maschine war knapp drei Minuten nach ihrem Start vom Flughafen in Kano auf ein dicht besiedeltes Wohngebiet gestürzt. Ursache des Unglücks sei mit großer Wahrscheinlichkeit ein Triebwerksschaden, sagte ein Sprecher der privaten Fluggesellschaft EAS am Sonntag. Der Pilot der zweistrahligen Maschine habe den Schaden nach Ausbruch eines Feuers gemeldet. Helfer berichteten am Abend, die Blackbox sei gefunden worden. Von den Flugbehörden gab es dafür noch keine Bestätigung.

Während nur zwei Flugzeuginsassen den Absturz überlebten, starben zahlreiche Menschen in den Trümmern ihrer Häuser. Unter den Opfern befinden sich nach Angaben der lokalen Behörden mindestens zehn Kinder sowie der nigerianische Sportminister Ischaia DM Aku. Er sei auf dem Weg zu einem Fußballspiel in Lagos, dem Zielort des Fluges, gewesen. Die 148 geborgenen Leichen wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Suche nach weiteren Opfern dauerte am Abend noch an.

Kopfüber in eine Wohnsiedlung

"Wir sahen das brennende Flugzeug am Himmel", berichtete ein Augenzeuge. Es habe im Steigflug zu trudeln begonnen und sei dann kopfüber in die Wohnsiedlung im Stadtteil Gwammaja gestürzt. "Man hörte noch die Schreie der Leute im Innern des Wracks", erklärt der Einwohner Kanos. Doch bis die Feuerwehr rund 30 Minuten nach dem Absturz eingetroffen sei, seien die Menschen bis auf zwei verbrannt.

"Als die Helfer dann da waren, hatten sie weder Wasser noch die nötige Ausrüstung, um das Flammenmeer zu löschen." Während der ganzen Nacht strömten Angehörige zum Unglücksort. Mit Schaufeln und bloßen Händen scharrten sie verzweifelt im Geröll nach ihren verlorenen Verwandten. Viele kamen mit Wassereimern, um sich unter dem Vorwand der Hilfeleistung Zugang zu dem abgesicherten Gebiet zu verschaffen.

Auch Moschee zerstört

Die Unglücksmaschine hatte bei ihrem Absturz ein Dutzend der einstöckigen Wohnhäuser Gwammajas zerstört. Unter den zertrümmerten Gebäuden war auch eine Moschee, in der sich nach Berichten von Anwohnern zahlreiche Gläubige zum Gebet eingefunden hatten. Auch eine Koranschule lag in Schutt und Asche. "Wie durch ein Wunder hatten rund hundert Kinder ihre Schule wenige Minuten vorher verlassen", berichtete ein Beamter. "Keines davon wurde verletzt."

Der Mann befand sich am Sonntagmorgen unter Tausenden Menschen, die zur Unglücksstelle gepilgert waren, um dort ihre Anteilnahme zu bekunden oder Hilfe anzubieten. Die Regierung in der Hauptstadt Abuja rief alle Ärzte der Region auf, in die zwei Hauptkrankenhäuser der 660-Einwohnerstadt zu kommen.

Die Maschine war dort auf einem Flug von Jos nach Lagos zwischengelandet, um Passagiere aufzunehmen. Der Jet vom Typ BAC 111-500 gehörte der privaten Inlandsfluggesellschaft EAS. Die Gesellschaft verbindet Lagos mit sieben Städten des Landes und hatte nach eigenen Angaben vier British-Aerospace-Jets mit jeweils 96 Sitzplätzen in ihrer Flotte.

Flugsicherheit oft kritisiert

Die Flugsicherheit des westafrikanischen Landes, wo viele private Airlines mit älterem Fluggerät unterwegs sind, war bereits öfter Anlass für Kritik von internationalen Organisationen. Zahlreiche ausländische Firmen und Botschaften verbieten etwa ihrem Personal die Benutzung bestimmter Privatlinien. Erst im vergangenen Monat hatte Nigerias Regierung den Betrieb von Maschinen verboten, die älter als 22 Jahre sind. Das Unglück vom Samstag ist das dramatischste in der Geschichte der nigerianischen Luftfahrt seit 1966. Damals starben 142 Menschen beim Absturz einer Maschine in Lagos.

Präsident Olusegun Obasanjo kündigte die bedingungslose Aufklärung des jüngsten Unfalls an. "Notfalls werden wir Ermittler aus dem Ausland einbinden, um sicherzustellen, dass die Aufklärung auch korrekt geschieht", sagte der Präsident im Radio. Über das westafrikanische Land verhängte er eine zweitägige Staatstrauer.

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