8:0 gegen Saudi-Arabien
Deutsches Team feiert Schützenfest

Mit dem höchsten Sieg bei einer WM-Endrunde hat die deutsche Nationalmannschaft zum Auftakt der 17. Fußball- Weltmeisterschaft ein verheißungsvolles Signal gesetzt. Das Team von Rudi Völler feierte am Samstag in Sapporo nach einer couragierten und spielerisch beeindruckenden Partie ein 8:0 (4:0)-Schützenfest gegen Saudi-Arabien und machte damit den ersten Schritt auf dem Weg ins Achtelfinale.

folgt Stimmen zwei dpa yyzz jo

dpa SAPPORO/JAPAN. Vor 42 000 Zuschauern im Sapporo Dome sorgten die Tore von Miroslav Klose (20./25./69), Michael Ballack (50.), Carsten Jancker (45.), Thomas Linke (73.), Oliver Bierhoff (84.) und Bernd Schneider (90.) dafür, dass der bisherige Rekordsieg von 1978 (6:0 gegen Mexiko) gleich um zwei Treffer überboten wurde. Was die Torgala gegen die körperlich wie spieltaktisch hoffnungslos unterlegenen Saudis wirklich wert ist, dürfte sich allerdings erst in den folgenden Spielen der Gruppe E gegen Irland am kommenden Mittwoch in Ibaraki und Kamerun am 11. Juni in Shizuoka zeigen.

Spielfreude und hohe Einsatzbereitschaft waren die Gütesiegel der deutschen Mannschaft, die einen verheißungsvollen Turnier-Start hinlegte. Das hoch motivierte Team setzte Völlers Vorgaben von der ersten Minute an um und ließ Saudi-Arabien mit seinem Tempo-Fußball kaum Zeit zum Luftholen. Als Prunkstück der DFB-Auswahl erwies sich die Offensiv-Abteilung, in der Klose seinem Ruf als "Knipser" einmal mehr alle Ehre machte.

DFB-Teamchef Rudi Völler zeigte sich natürlich zufrieden mit dem WM-Auftakt, versuchte aber allzu große Euphorie zu bremsen. "Es ist wichtig, dass wir nach diesem hohen Sieg den Ball flach halten. Die Moral in der Mannschaft stimmt absolut, jetzt haben wir ein paar ruhige Tage vor uns. Ich glaube, dass wir eine richtige Einheit geworden sind." Die Mannschaft habe vor allem in der ersten Halbzeit sehr schönen Fußball gespielt. "Ich freue mich, dass die Mannschaft all das, was wir uns vorgenommen haben, auch durchgezogen hat. Jeder war von der ersten Minute an motiviert bis in die Haarspitzen."

Kloses dritter Dreier in diesem Jahr

In seinem 13. Länderspiel glückte dem Lauterer Torjäger Miroslav Klose sein dritter Dreier in diesem Jahr nach den Erfolgen gegen Israel und Österreich. Zugleich ist Klose der erste deutsche Stürmer seit Karl- Heinz Rummenigge 1982 beim 4:1 gegen Chile, dem in einem WM-Spiel drei Treffer gelangen. An der Seite des Pfälzers bot Jancker eines seiner besten Spiele im DFB-Trikot. Der Münchner rechtfertigte Völlers Vertrauen als "Rammbock" mit Laufbereitschaft und großem Engagement.

Trotz gelegentlicher Auszeiten erfüllte der durch eine Fußprellung leicht gehandicapte Ballack seine Aufgabe als Ballverteiler hinter den Spitzen und glänzte zudem als Torschütze. Hinter dem künftigen Bayern-Spieler sicherte der zweikampfstarke Dietmar Hamann ab und öffnete mit seinen Pässen zudem immer wieder das Spiel. Gut klappte auch das Wechselspiel von Torsten Frings und Bernd Schneider auf der rechten Seite. Dagegen steht für die neu formierte Abwehr-Kette mit Thomas Linke, dem zur Pause ausgewechselten Carsten Ramelow und Christoph Metzelder mangels einer ernsthaften Prüfung die WM- Bewährungsprobe noch bevor.

Die ersten zehn Minuten des von der deutschen Mannschaft erwartet druckvoll begonnenen Spiels standen ganz im Zeichen von Jancker. Der bullige Bayern-Stürmer setzte sich bereits nach 68 Sekunden im Strafraum energisch gegen Abdullah Suliman durch, zielte aber aus spitzem Winkel knapp daneben. Wenig später verfehlte ein Kopfball des Münchners sein Ziel (7.). Als sich Jancker im Zweikampf erneut resolut gegen Suliman behauptete und den Ball über die Linie drückte, versagte Schiedsrichter Ubaldo Aquino aus Paraguay dem Treffer wegen eines angeblichen Foulspiels des 1,93 m-Riesen die Anerkennung.

Kurze Verschnaufpause nach dem Wechsel

Weitere Chancen für Klose (14.) und Michael Ballack (16.) waren Ausdruck der Dominanz der Völler-Elf, die mit ihrem Dauerdruck eine Art Belagerungszustand über den Strafraum der Saudis verhängte. Zwei perfekt getimte Flanken von Ballack auf den Lauterer Klose sorgten dann innerhalb von fünf Minuten für die Vorentscheidung gegen den dreifachen Asien-Meister, dessen Abwehr gegen das deutsche Tempospiel völlig überfordert war. Mit zwei platzierten Kopfbällen ließ der Pfälzer acht Tage vor seinem 24. Geburtstag dem inoffiziellen Länderspiel-Weltrekordler Mohammed Al-Deayea bei seinem 169. Einsatz zwischen den Pfosten des saudischen Tores keine Chance.

Nach einer kurzen Verschnaufpause zog die deutsche Elf die Zügel noch vor Ablauf der ersten 45 Minuten wieder an und kam durch das dritte Kopfball-Tor des Tages durch Ballack nach Flanke von Christian Ziege zum 3:0. Sekunden vor der Pause wurde auch der unermüdliche Einsatz von Jancker mit einem Treffer belohnt. Diesmal hatte Klose die Vorarbeit geleistet. Mit Jens Jeremies für den über muskuläre Probleme klagenden Ramelow und leicht gedrosseltem Motor startete die deutsche Mannschaft in den zweiten Abschnitt, der für Völler schon zum Test für die nächsten Aufgaben wurde. Doch in der Schlussphase verriet das Team noch einmal Torhunger.

Die Statistik zum Spiel:

Deutschland: 1 Kahn (Bayern München/32 Jahre/46 Länderspiele) - 2 Linke (Bayern München/32/35), 5 Ramelow (Bayer Leverkusen/28/26), 21 Metzelder (Borussia Dortmund/21/7) - 22 Frings (Werder Bremen/25/9), 19 Schneider (Bayer Leverkusen/27/10), 8 Hamann (FC Liverpool/28/41), 13 Ballack (Bayer Leverkusen/25/23), 6 Ziege (Tottenham Hotspur/30/67) - 9 Jancker (Bayern München/27/27), 11 Klose (1. FC Kaiserslautern/23/13)

Saudi-Arabien: 1 Al-Deayea (Al-Hilal/29/169) - 12 Dokhy (Al-Hilal/25/48), 4 Suliman (Al-Ahli/28/116), 3 Tukar (Al-Shabab/26/6), 13 Sulaimani (Al-Ahli/25/81) - 8 Noor (Al-Ittihad/24/30), 16 Al-Owairan (Al Ittihad/28/77), 17 Al-Waked (Al Shabab/26/5) - 18 Al-Temyat (Al-Hilal/25/49), 9 Al-Jaber (Al-Hilal/29/149) - 20 Al-Hassan (Al-Ittihad/29/19)

Tore: 1:0 Klose (19.), 2:0 Klose (25.), 3:0 Ballack (41.), 4:0 Jancker (44.), 5:0 Klose (69.), 6:0 Linke (73.), 7:0 Bierhoff (84.), 8:0 Schneider (90.)

Schiedsrichter: Ubaldo Aquino Valenzano (Paraguay)

Zuschauer: 42 000

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