8 000 Teilnehmer an Warnstreiks
Metall-Tarifkonflikt nimmt an Schärfe zu

Der Konflikt um einen tariflich gesicherten Anspruch auf Weiterbildung in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie nimmt an Schärfe zu.

ap STUTTGART. Wie die IG Metall in Stuttgart mitteilte, beteiligten sich an einer ersten Warnstreikwelle am Donnerstag 8 000 Beschäftigte aus 20 Betrieben. Der Schwerpunkt der Aktionen lag im Großraum Stuttgart, Heidelberg und Schwäbisch Gmünd. Die Arbeitsniederlegungen sollen am Freitag ausgeweitet werden.

IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber sagte: "Wer so hochwertige Produkte entwickelt und produziert wie die Beschäftigten der baden-württembergischen Metallindustrie, hat auch ein Anrecht darauf mitzubestimmen, wie er zukünftig qualifiziert wird und welche Leistung von ihm abverlangt wird." Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Otmar Zwiebelhofer, sagte: "Die Aktionen der Gewerkschaft schaden dem Ansehen der gesamten Metall- und Elektroindustrie." Die Kampagne der IG Metall sei eine unverantwortliche Miesmacherei. In Baden-Württemberg laufen seit Anfang April Gespräche über einen tariflich vereinbarten Weiterbildungsanspruch für die 820 000 Beschäftigten der Branche.

IG Metall und Arbeitgeber wollen sich zur dritten Verhandlungsrunde am kommenden Montag in Böblingen treffen. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten ein Reklamationsrecht bei Leistungsüberlastung, einen besseren Schutz von eingeschränkt einsetzbaren Beschäftigten sowie eine tarifliche Qualifizierungsvereinbarung. Beschäftigte ab dem 40. und dem 50. Lebensjahr sollten jeweils einen Anspruch auf Kurse bis zur Dauer von drei Monaten zur Auffrischung ihres beruflichen Grundwissens bekommen.

Arbeitgeber sprechen von "Gespenster-Diskussion"

Zwiebelhofer lehnte einen tarifvertraglich gesicherten Anspruch auf Weiterbildung dagegen erneut ab. Die deutsche Metall- und Elektroindustrie könne stolz auf ihre Qualifizierungsleistungen sein. Die Unternehmen investierten jährlich freiwillig die gewaltige Summe von mehr als sieben Mrd. DM in das Wissen und Können von Mitarbeitern. Deshalb hätten die Betriebe von Südwestmetall kein Verständnis für die Gewerkschaftsforderung. "Das Ganze ist schlicht eine Gespenster-Diskussion", sagte Zwiebelhofer.

Hauptstreitpunkt ist den Angaben zufolge vor allem die Forderung der IG Metall nach einer Einigungsstelle, die immer dann angerufen werden soll, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht auf betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen einigen können. Der Arbeitgeberverband werde keiner Regelung zustimmen, die dem Betriebsrat über den Umweg der Qualifizierung ein Einfallstor für die Mitbestimmung bei der Personalbemessung böte, sagte Zwiebelhofer.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber fügte hinzu: "Wir werden uns deshalb nicht dem Diktat eines Tarifvertrags unterwerfen, der die Unternehmen viel Geld kostet, dessen Rendite für das Unternehmen jedoch hochgradig zweifelhaft ist." In der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie ist Baden-Württemberg der vorerst einzige Tarifbezirk, in dem über dieses Thema verhandelt wird.

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