8. Spieltag
An der Bundesliga-Spitze wird es eng

Etliche Teams und ihre Trainer können zufrieden sein. Gleich vier Mannschaften wetteifern jetzt um die Tabellenführung.

HB DÜSSELDORF. Die Zeiten bayerischer Alleingänge in der Fußball-Bundesliga sind vorbei. Titelverteidiger Bayern München muss sich trotz des 4:1 gegen eine enttäuschende Berliner Hertha-Elf des vehementen Angriffs eines mutigen Quartetts erwehren. Gemeinsam mit den Champions-League-Helden des VfB Stuttgart attackieren Werder Bremen, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund den erklärten Favoriten, dessen Chefcoach zum Wies'n-Ende eine positive Zwischenbilanz zog. "Wir sind auf einem guten Weg. Wir sind im Soll, haben drei Punkte geholt", kommentierte Ottmar Hitzfeld.

Die Liste der Zufriedenen nach dem 8. Spieltag ist lang. Borussia Dortmund glückte mit dem 1:0 bei Eintracht Frankfurt der erste Bundesliga-Auswärtserfolg seit dem 14. Dezember 2002. Der VfL Bochum beendete mit dem 4:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern eine Flaute von mehr als 14 Jahren ohne Heimsieg gegen die Pfälzer. Jupp Heynckes atmet nach dem 2:1 seines FC Schalke 04 bei Hannover 96 ebenso tief durch wie seine Trainer-Kollegen Kurt Jara vom Hamburger SV (2:1 gegen Borussia Mönchengladbach) und Friedhelm Funkel vom Tabellenschlusslicht 1. FC Köln nach dem 0:0 in Stuttgart.

Am Kölner Geißbockheim scheinen die Diskussionen um Demission oder Verbleib von Funkel vorerst beendet. FC-Manager Andreas Rettig sah "leidenschaftlich kämpfende" Profis, die sich nach dem deprimierenden 1:4 gegen Bremen aufbäumten und den favorisierten Schwaben Respekt abnötigten. "Das tut uns sehr gut. Es war ein Riesenunterschied zur Vorwoche zu sehen. Hut ab vor der Leistung", sagte Rettig. Er geht davon aus, "dass Funkel unser Trainer bleibt". Eine deutliche Arbeitsplatzgarantie hört sich allerdings anders an, insistierenden Fragestellern gab Rettig gar keine Antwort.

Einer, der mit dem 0:0 zum Bundesliga-Besten wurde, war nicht unbedingt glücklich. "Den Rekord hätte ich vorbehaltlos gegen einen Sieg eingetauscht, denn der Erfolg der Mannschaft ist wichtiger als alles andere", beurteilte VfB-Keeper Timo Hildebrand seine neue Bestmarke: Mit 825 Minuten ohne Gegentor ist er nun vor Bayern - Schlussmann Oliver Kahn (802) die Nummer 1 dieser Bundesliga-Rubrik.

Hildebrand teilt sich trotz des Rekords die Unzufriedenheit mit den Trainern Huub Stevens, Holger Fach und Falko Götz. Stevens' Berliner sind nach der Schlappe bei den Bayern als einziges Team im deutschen Profifußball ohne Sieg und stürzten zum dritten Mal in dieser Spielzeit auf einen Abstiegsplatz. Trainer-Novize Fach blieb mit dem 1:2 beim HSV erneut erfolglos, Mönchengladbach verharrt an vorletzter Position. Und die Götz-Schützlinge verloren mit dem 0:1 beim SC Freiburg bereits die dritte Partie in Serie.

Hertha-Manager Dieter Hoeneß will sich dem in Krisenzeiten üblichen Mechanismus eines Trainerwechsels jedoch beharrlich verweigern: "Wir werden die Nerven bewahren und uns befreien." Doch wie? Stevens wusste keine überzeugende Antwort, bescheinigte seinen Spielern sogar "eine gute Einstellung und Mut". Der Niederländer will "weiter kämpfen" und ausgerechnet im Heimspiel gegen Leverkusen den Befreiungsschlag schaffen: "Wenn ich nicht optimistisch bin, wer soll es dann sein?" Kurios, dass Stevens trotz des 1:4 "auf dieser Leistung aufbauen" will.

"Wir sind sehr enttäuscht, noch verloren zu haben", sagte Gladbachs neuer Chefcoach Fach. Seine Elf war in Hamburg 45 Minuten hoch überlegen, "bis zur Pause haben wir Katastrophenfußball gespielt", stimmte Jara zu. Auch Götz ärgerte sich maßlos über den Ausgang der Partie in Freiburg. Seine Mannschaft habe "unheimlich viele dumme Freistöße" provoziert und "ein sehr, sehr dummes Tor" kassiert. Der unter Ladehemmung leidende Torjäger Benjamin Lauth sieht die Sechziger dennoch nicht in der Krise. Als "Quatsch" tat er das ab, gab aber zu: "Jetzt stehen wir etwas unter Zugzwang."

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