82 Millionen Dollar Verlust
ABB startet neues Kostensenkungsprogramm

Der angeschlagene Elektrotechnikkonzern ABB hat in den ersten neun Monaten 2002 einen Verlust von 82 Millionen Dollar verzeichnet und die Verschuldung ist weiter gestiegen.

Reuters ZÜRICH. Als Reaktion auf die Zuspitzung der Lage leitet ABB ein zusätzlichen Kostensenkungsprogramm ein, das die Kostenbasis innerhalb von 18 Monaten um 800 Millionen Dollar senken soll. Zudem will ABB die Division Öl, Gas und Petrochemie verkaufen.

In den ersten drei Quartalen verzeichnete ABB einen Verlust von 82 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 289 Millionen Dollar in der entsprechenden Vorjahresperiode. Damit kippte der Konzern nach einem Gewinn im ersten Halbjahr nun wieder in die Verlustzone. Der neun-Monats-Umsatz sank um zwei Prozent auf 16.042 Millionen Dollar, die Aufträge gingen gar um sieben Prozent auf 16.162 Millionen zurück.

Das Betriebsergebnis (Ebit) brach angesichts von schwächeren Märkten, Umstrukturierungskosten und Projektabwicklungskosten um 44 Prozent auf 405 Millionen Dollar ein. Damit belief sich die wichtige Zielgrösse der Ebit-Marge auf 2,5 Prozent und stand weit unter den bis vor kurzem für 2002 angepeilten vier bis fünf Prozent. Im dritten Quartal allein stand die Ebit-Marge gar bei lediglich 0,9 Prozent.

ABB hatte am vergangenen Montag überraschend eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr abgegeben und eine Überprüfung der mittelfristigen Ertragsziele angekündigt. Noch im September hatte Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann, der damals gerade die Funktion des CEO von Jörgen Centerman übernommen hatte, erklärt, ABB sei auf Kurs, die Ziele zu erreichen. ABB erzielte 2001 bei einem Umsatz von 23,7 Milliarden Dollar einen Ebit von 279 Millionen Dollar und wies in Zusammenhang mit Sonderabschreibungen einen Nettoverlust von 691 Millionen Dollar aus. ABB verzichtet angesichts der Unsicherheiten um Ausmass und Zeitpunkt der konjunkturellen Erholung gegenwärtig auf jede Art von Ertragsprognosen.

Der Konzern will die Verschuldung ausgehend von den 4,1 Milliarden Dollar zum Ende des Vorjahres bis Ende des laufenden Jahres um mindestens 1,5 Milliarden Dollar abbauen. Ende September stand die Verschuldung aber bei 5,5 Milliarden Dollar im Vergleich zu 5,2 Milliarden Dollar zur Jahresmitte. Dies sei hauptsächlich auf höhere operative Ausgaben zurückzuführen, so ABB.

ABB hat bereits ein Programm zur Senkung der Kosten um 500 Millionen Dollar laufen; dieses soll am Mitte 2003 voll zum Tragen kommen. ABB baute den Personalbestand in den vergangenen Monaten bereits um 12.000 ab und beschäftigt nun 150.000 Personen.

ABB will im vierten Quartal 2002 die bestehenden fünf Divisionen zu drei zusammenlegen und damit Kosten sparen. Bei den drei Bereichen handelt es sich um die Energietechnik mit einem Jahresumsatz von 8,5 Milliarden Dollar, die Automatisationstechnik mit 9,25 Milliarden Dollar sowie Öl, Gas und Petrochemie mit rund 3,5 Milliarden Dollar. Der Bereich Öl, Gas und Petrochemie dürfte innerhalb von zwölf Monaten verkauft werden, sagte Konzernchef Jürgen Dormann auf einer Telefonkonferenz. Einige Bereiche sind bereits verkauft, das Geld daraus soll die Liquidität bis weit in das nächste Jahr hinein sichern, sagte Finanzchef Peter Voser in einer Telefonkonferenz.

Zu den Asbest-Klagen in den USA teilte ABB mit, dass Ende September 111 000 Klagen hängig seien im Vergleich zu 102 700 Mitte Jahr. Am Montag hatte ABB mitgeteilt, dass die bisher reservierten Mittel zur Deckung der Klagen nicht ausreichen dürften und für die betroffene Tochtergesellschaft Combustion Engineering Gläubigerschutz gemäss Kapitel 11 des US-Konkursrechts erwogen werde. An der festeren Börse kletterten ABB im frühen Handel um 18,4 Prozent auf 1,93 Prozent, nachdem die Titel in den beiden Vortagen rund 70 Prozent an Wert eingebüsst hatten.

"Alles in allem keine weiteren negativen Überraschungen", sagte ein Händler. "Warum soll ich ABB heute noch geben, wenn ich die Aktie nicht schon vorher gegeben habe?", fragte er. "Buy on bad news, jetzt dürften die Karten auf dem Tisch liegen", so der Händler weiter. Einem erfreulichen Betriebsergebnis stünden jedoch weiterhin die hohe Verschuldung und die Asbestklagen entgegen. "Anstatt zu sinken, ist die Verschuldung weiter gestiegen und auch die Asbestklagen haben zugenomen. Man sieht einfach kein Ende," so der Händler.

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