85 der 180 Mitarbeiter werden entlassen
Online-Versicherer Censio verhandelt über Ausweg aus Finanzkrise

Der Online-Versicherer Censio steckt in einer tiefen Finanzkrise und sucht deswegen fieberhaft nach einem Investor oder Käufer.

dpa-afx OESTRICH-WINKEL. Das Unternehmen habe bereits am Freitag seine Gläubiger gebeten, ihre Forderungen bis Ende Oktober zu stunden, teilte Censio am Montag in Oestrich-Winkel mit. Allerdings wies das Unternehmen einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe) zurück, wonach es bereits kurz vor der Pleite stehe.

Der Stundungsvorschlag diene "lediglich der Liquiditätsstreckung, damit die laufenden Beteiligungs- bzw. Übernahmeverhandlungen nicht unter einem zu großen Zeitdruck zu Ende geführt werden müssen", hieß es. Die Situation sei aber "zweifellos angespannt": Sollte die Stundung nicht zustande kommen, müsste der Internet-Versicherer Insolvenz beantragen.

In den kommenden Wochen werde Censio 85 seiner derzeit 180 Beschäftigten entlassen, kündigte ein Firmen-Sprecher an. Er zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die derzeitigen Verhandlungen mit potenziellen Investoren "in einigen Wochen zum Erfolg führen".

In etwa zwei Wochen würden die Gesellschafter auf einer Hauptversammlung über den Stand der Gespräche informiert. Nach Censio-Angaben hatten Kapitalgeber wie die Comdirect Bank, Morgan Stanley und die Advance Bank Online dem Unternehmen bislang rund 90 Mill. DM zur Verfügung gestellt.

Mit der Krise bei Censio steht womöglich ein weiteres Geschäftsmodell der New Economy vor dem Scheitern: Censio war im Mai 2000 mit dem Ziel gestartet, das aufwendigste und umfassendste Versicherungsportal im deutschsprachigen Internet zu bieten.

Nach Informationen der "FTD" mussten die Betreiber allerdings feststellen, dass sich die Kunden zwar gern auf der Website über die angebotenen Preis-Leistungsvergleiche von rund 125 Versicherungen informieren. Der Vertrag werde dann aber nicht online abgeschlossen, so dass Censio keine Maklerprovision bekam. Im Juni hatte Censio bekannt gegeben, im laufenden Jahr bislang rund 4 000 Versicherungsverträge vermittelt zu haben und bis 2002 an die Börse gehen zu wollen.

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