88 Zeitungen beteiligen sich an Web-Jobbörse Versum
Regionalblätter starten gemeinsamen Internet-Stellenmarkt

Der Kampf um den Stellenmarkt im Internet wird härter. Die Regionalzeitungsverleger - darunter Branchenschwergewichte wie Springer und DuMont - starten über das gemeinsame Unternehmen Versum ein Job-Portal. In den nächsten Monaten sollen Immobilien- und Automärkte im Web folgen. Das Unternehmen sieht sich selbst als Marktführer; nicht wenige Partner betreiben aber weiterhin eigene Web-Portale. In drei Jahren soll Versum profitabel arbeiten.

HB DÜSSELDORF. Die Regionalzeitungen wollen sich das Online-Geschäft mit Kleinanzeigen - von Stellenangeboten über Immobilien bis zu Autos - nicht länger entgehen lassen. Am Montag starteten 88 Zeitungen - darunter die Regionalblätter von Springer über DuMont Schauberg bis hin zu Holtzbrinck und Madsack eine gemeinsame Internet-Jobbörse. Unter der Adresse Versum sind 60 000 Stellenangebote abrufbar. Damit wollen die Zeitungsverlage der erfolgreichen Konkurrenz im virtuellen Anzeigenmarkt wie Jobpilot oder Monster begegnen.

In den vergangenen Monaten arbeitete die Versum.de AG in Düsseldorf, die im vorigen Jahr unter dem Namen Internet Service Marketing AG (ISM) gegründet wurde, unter Hochdruck daran, die Anzeigen der beteiligten Regionalblätter auf einer Plattform zu vereinigen. Im zweiten Quartal soll ein Immobilien-Portal folgen und schließlich im Herbst ein virtueller Automarkt.
Das Geschäftsmodell von Versum baut auf dem klassischen Anzeigengeschäft der Tageszeitungen auf. Ziel des Unternehmens ist es, aus dem zersplitterten Anzeigenmarkt der Regionalblätter einen starken nationalen Online-Anzeigenmarkt zu entwickeln.

Bei Versum.de sind die Verlagsgruppen ausschließlich mit ihren Regionalzeitungen vertreten. Im Falle von Springer sind die "Berliner Morgenpost", "B.Z." und das "Hamburger Abendblatt" beteiligt, jedoch nicht das Verlags-Flaggschiff "Die Welt". Dennoch ist Marketingvorstand Kay Kohlhepp optimistisch, dass Versum schnell zur bundesweiten Marke wird. Von Beginn an sei Versumder Marktführer unter den Internet-Jobbörsen.

Die Aufgabe der Versum.de mit einem Budget von 50 Mill. Euro ist alles andere als leicht. Denn Zeitungen wie "Münchner Merkur", "Rheinische Post", "Stuttgarter Zeitung", "Hannoversche Allgemeine Zeitung", "Tagesspiegel" oder "Rheinpfalz" betreiben weiter ihre eigenen Web-Portale. Nur die Daten der Anzeigen aus der Printausgabe werden Versum zur Verfügung gestellt.

Schwarze Zahlen in drei Jahren

Mit zu optimistischen Prognosen hält sich die junge Aktiengesellschaft daher zurück. In diesem Jahr rechnet das "Startup der zweiten Generation", so Kohlhepp, mit Einnahmen im Bereich eines einstelligen Millionenbetrages. Weitere Perspektiven will die Firma gar nicht aufzeigen. Nur so viel: Versum soll mit seinen 44 Mitarbeitern in drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Wie schnell und wie viel Geld Versum in Zukunft verdienen will, bleibt unklar. Ein Mix aus eigens geschalteten Online-Stellenanzeigen, Bannerwerbung und Sonderwerbeformen soll Geld in die Kasse spülen. Kohlhepp sagte dem Handelsblatt, er schließe einen Börsengang der Versum.de nicht aus. Konkrete Pläne dafür gebe es allerdings nicht.

Jetzt geht es für Versum erst einmal darum, überhaupt bekannt zu werden. Deshalb werden die Gesellschafter in ihren Zeitungen Anzeigen schalten. Auch die mehr als 4 000 Außendienstmitarbeiter der Verlage sollen in den kommenden Monaten geschult werden, um für das Webportal zu werben. In der Vergangenheit hatten die Regionalzeitungen mit gemeinsamen Versuchen nicht immer Glück. So ist die Idee des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), die Rubrikenanzeigen sämtlicher 300 Mitglieder unter einer Internetadresse ins Web zu stellen, schon lange gescheitert.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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