8er Schnitt unwürdig
"Schwarzer Freitag" für deutsche EM-Turnerinnen

Schneller und schmerzlicher als erwartet haben die deutschen Turnerinnen die 24. Europameisterschaften in Patras abgehakt. Die Präsentation unwürdig, die Punktzahlen auch für Debütantinnen indiskutabel, der Abstand zu den Großen der Zunft größer denn je.

dpa PATRAS. Kein Wunder wie bei der WM 2001, als Petra Theiss die Riege auf einen sensationellen 8. Platz gebracht hatte. In Patras vergab die zuletzt strahlende Teamchefin die Note 4 bis 5, was einem sportlichen Offenbarungseid gleichkam. "Es war eine schmerzliche Erfahrung, aber wir geben nicht auf", erklärte Theiss und riet Yvonne Musik (Bergisch Gladbach) und Camilla Ermert (Hoffnungsthal): "Kopf hoch!"

Es war kein Tag für den letztjährigen WM-Ersatz Yvonne Musik (16), die in der Vorwoche noch über Bronchitis geklagt hatte, und Camilla Ermert (15). Mit Noten unter 32 - was zumindest einen 8er Schnitt bedeutet hätte - konnten sie internationalen Ansprüchen nicht genügen. 31,437 für Musik, 31,798 für Ermert ließen am Freitag keine gute Laune aufkommen. "Wir kamen, um Erfahrung zu sammeln", lautete das Motto von Sportdirektor Wolfgang Willam, dem es ob der Noten ebenfalls die Stimmung vermiest hatte. "Trotzdem war es richtig, hier zumindest zwei Turnerinnen zu präsentieren im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation 2003 in Anaheim.

So versuchte auch Petra Theiss, das Beste aus dem schwachen Abschneiden - selbst das 24er Finale der Mehrkämpfer wurde meilenweit verpasst - zu machen. Der Freitag von Patras musste ein "Schwarzer Freitag" werden, nachdem die Teamchefin innerhalb der letzten Wochen fünf Ausfälle aus schulischen und Verletzungsgründen hatte verkraften müssen: In Katja Abel, Lisa Brüggemann, Gritt Hofmann, Birgit Schweigert und Gabi Weller fehlten gleich fünf WM-Teilnehmerinnen, die aus dem 15. Platz von Tianjin den 8. gemacht und damit zumindest für Stunden für Euphorie gesorgt hatten.

"Eine nicht vollkommen gesunde Mannschaft hier zu präsentieren, hätte mehr sportlichen Schaden angerichtet als diese Platzierungen im Hinterfeld", unternahm Willam den Versuch einer Entschuldigung. Und Theiss: "Wir wussten um die problematische Situation, aber wir mussten da durch. Deshalb wollten wir unbedingt die Präsentation der Turnerinnen. Natürlich sind Punktzahlen unter der Achter-Wertung ärgerlich, aber uns fehlte heute auch ein bisschen Glück."

Die Teamchefin beklagte Defizite im Grundlagenbereich, die mit 15 oder 16 Jahren schwer aufzuholen sind, versprach aber für 2003 mehr Akrobatik und auch höhere turnerische Inhalte. "Yvonne und Camilla fehlten Erfahrung, Spritzigkeit und Robustheit. Aber sie sind lernfähig, zumal es ihnen nicht an Selbstbewusstsein fehlt."

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