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9 11 verband Amerika, Katrina spaltet die Nation

Tief in dem riesigen Loch, wo einst die beiden Türme des World Trade Center standen, beschworen diese Woche US-Politiker gestern den Gemeinschaftsgeist, der nach den Terroranschlägen vom elften September 2001 herrschte.

Tief in dem riesigen Loch, wo einst die beiden Türme des World Trade Center standen, beschworen diese Woche US-Politiker gestern den Gemeinschaftsgeist, der nach den Terroranschlägen vom elften September 2001 herrschte. US-Verkehrsminister Norman Mineta, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und die Senatorin und Ex-Präsidentengattin Hillary Clinton werteten alle den Wiederaufbau nach 9/11 als Hofnungssignal für die Opfer der Sturm- und Flutkatastrophe „Katrina“.

Doch die vielen Reden bei der feierlichen Grundsteinlegung für den künftigen Großbahnhof am „Ground Zero“ in New York können nicht darüber hinwegtäuschen:
Während Katrina „9/11“ die amerikanische Nation einte, spaltet Katrina sie.

„Damals gab es einen Feind, einen Bösen, der Unheil von außen brachte“, sagte John Corzine, Mitglied des US-Senats und Kandidat für das Amt des Gouverneurs im Bundesstaat New Jersey, der direkt neben New York liegt.

In den Tagen unmittelbar nach „Katrina“ fragten verzweifelte Opfer, Reporter und Lokalpolitiker in der Krisenregion, warum die Katastrophenschutz-Behörden nicht besser auf die seit langem befürchtete Naturkatastrophe vorbereitet waren. Statt des Kampfes mit vereinten Kräften gegen eine Bedrohung von außen, stehen die Amerikaner nun vor der ungleich schwierigeren Aufgabe, das teilweise Versagen ihrer eigenen Einrichtungen aufzuarbeiten.

Zwar mühte Verkehrsminister Mineta mühte sich gestern in Manhattan, eine Parallele vom Wiederaufbau nach 9/11 zum nötigen Wiederaufbau der überfluteten Großstadt New Orleans zu ziehen. „Amerikaner sind stark angesichts der Tragödie. Sie geben nicht auf, sondern bauen wieder auf“, sagte er.

Doch politische Kontrahenten wie die Demokratin Hillary Clinton, die Gattin des Ex-Präsidenten Bill Clinton mit eigenen Ambitionen auf das Präsidentenamt, nutzten ihren Auftritt im Ground Zero zu Schüssen gegen die konservative US-Bundesregierung. „Uns New Yorkern sagte niemand nach den Anschlägen: ‚Gebt auf, baut das World Trade Center nicht wieder auf, weil es ein besonders gefährdetes Anschlagsziel ist’“, sagte Clinton. Sie spielte damit an auf konservative Kreise, die vor hohen Staatsausgaben für den Wiederaufbau von New Orleans warnen, weil die unter dem Meeresspiegel liegende Stadt weiterhin gefährdet sei.

Die bewundernswerte Einigkeit und die Welle von Patriotismus, die Amerika nach 9/11 erfasste, ist verschwunden. Stattdessen lag Amerika bereits vor der Sturm- und Flutkatastrophe im Streit mit sich selbst. Katrina hat diese Spaltung der Nation noch verstärkt.

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