9,3 Milliarden Euro Ansprüche
Kirch Media zeigt Gläubigern die kalte Schulter

Das Medienunternehmen weist einen Großteil der Forderungen zurück. Die auf einer Gläubigerversammlung zusammengekommenen Kreditgeber machten am Donnerstag lange Gesichter. Nur die Mitarbeiter dürfen hoffen.

Reuters FRANKFURT. Die Geschäftsführung der insolventen Kirch Media hat zusammen mit dem Sachwalter Michael Jaffe einen Großteil der Gläubiger-Forderungen zunächst zurückgewiesen.

Auf der Gläubigerversammlung im Münchener Amtsgericht am Donnerstag seien 7,4 Milliarden der insgesamt 9,3 Milliarden Euro angemeldeten Ansprüche vorläufig bestritten worden - darunter auch die Schadenersatzforderungen von US-Filmstudios in Höhe von 4,9 Milliarden Euro, sagte ein Kirch-Media-Sprecher im Anschluss an die nicht öffentliche Sitzung. Die Ansprüche würden nun weiter geprüft. Jaffe hatte sich vor der Versammlung zuversichtlich geäußert, alle Forderungen bis zum Jahresende abschließend klären zu können. Die nächste Gläubigerversammlung hat das Amtsgericht für den 15. Januar anberaumt.

Der so genannte Prüftermin, wie er am Donnerstag bei KirchMedia stattfand, ist ein fester Bestandteil fast jeden Insolvenzverfahrens. Anfang August hatten die Gläubiger auf einer ersten Versammlung ihre Forderungen erhoben, die die Geschäftsführung zusammen mit dem Sachwalter Jaffe bearbeitet. Auf dem Prüftermin wurden die angemeldeten Ansprüche nun nach Rang und Betrag erörtert und schließlich festgeschrieben, wenn es keine Widersprüche gab.

Mitarbeiter-Ansprüche zu fast 100 Prozent anerkannt

Insgesamt hätten 1282 Gläubiger Forderungen gegen die insolvente Mediengruppe erhoben - von Banken mit Millionenforderungen bis zum Mitarbeiter mit einer nicht beglichenen Spesenabrechnung, sagte der Kirch-Media-Sprecher. Rund 1,9 Milliarden Euro der Ansprüche habe die Geschäftsführung anerkannt, darunter 1,4 Milliarden Euro an Bankschulden und die rund fünf Millionen Euro, die von Mitarbeitern erhoben worden waren. Endgültig bestritten wurden lediglich fünf Millionen Euro.

Den größten Teil der noch ungeklärten Ansprüche machen die Schadenersatzforderungen der US-Filmstudios aus, die KirchMedia vorwerfen, Verträge über die Verwertung von Filmen gebrochen zu haben. Seit geraumer Zeit laufen aber Verhandlungen mit den Studios - unter ihnen Disney, Columbia Tristar und Paramount - über neue Lieferverträge mit KirchMedia. Neben dem Filmrechtehandel gehört zu der Mediengruppe auch noch der TV-Konzern ProSiebenSat.1, der die Spielfilme in seinen Sendern verwertet. Bei den Verhandlungen spielen auch die Schadenersatzforderungen der Studios eine Rolle. Wenn neue Programmverträge abgeschlossen würden, könnten sich die Schadenersatzforderungen "im Optimum auf Null reduzieren", hieß es in Branchenkreisen.

Welcher Kirch-Media-Gläubiger wie viel Geld bekommt, ist noch nicht entschieden, denn auch die Höhe der zu verteilenden Summe ist noch nicht klar. Derzeit läuft ein Verkaufsprozess für KirchMedia, bei dem offiziell noch drei Bieterkonsortien im Rennen sind. Nach Angaben aus Gläubigerkreisen liegen die Angebote zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Euro. Am 30. Oktober soll die Entscheidung fallen. Die Forderungen werden dann aus dem Verkaufserlös anteilig bedient.

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