9-Live wird zwei
Ein Sender wird flügge

Über solche Fragen und vor allem über solche Kandidaten lachte die Nation: Durch welche deutsche Stadt fließt die Isar? München oder Hamburg?

HB/dpa HAMBURG. Der Anrufer geriet schwer ins Wanken. Die Moderatorin half nach: Der deutsche Fußballmeister komme von dort, die Landesfarben seien weiß-blau. Dank der Hilfe tastete sich der Kandidat an die Antwort heran. Geschafft. 200 ? gewonnen. Eine Situation, die beim Privatsender 9-Live, Deutschlands Mitmachsender, nicht selten eintrat. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Denn die TV-Station, die aus dem ehemaligen Frauenkanal und Champions-League-Sender tm3 hervorging, hat sich zwei Jahre nach ihrer Gründung (1. September 2001) bereits kräftig gewandelt. Heute versteht sich 9-Live als erster deutscher Quizsender. Die Fragen sind schwieriger geworden. In komplizierten geometrischen Figuren muss beispielsweise die Zahl der Dreiecke bestimmt werden, die Fehler bei Original und Fälschung sind nicht leicht auszumachen.

Weil sich 9-Live nicht in die Ecke des Glücksspiel-Veranstalters drängen lassen wollte - Glücksspiel ist staatliches Monopol - entwickelte der Sender den Begriff "Quizsender" und bewegt fast 20 Mill. Anrufer pro Monat, zum Telefon zu greifen und mitzumachen - 47 Mill. ? Umsatz erzielte 9-Live im ersten Halbjahr 2003 nach 23 Mill. im entsprechenden Vorjahreszeitraum (mit dem Reisesender Sonnenklar TV zusammen). Zwölf Mill. ? Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nach acht Mill. ? minus erwirtschaftete Geschäftsführerin Christiane zu Salm. "So schnell wie 9-Live hat wohl noch nie ein privater TV-Sender den Turnaround geschafft", sagt die ehemalige MTV-Chefin stolz.

Denn vor zwei Jahren gab es kaum jemanden, der einen Pfifferling auf einen TV-Kanal gegeben hätte, der sich zum Großteil aus Anrufen für 49 Cent finanziert. Doch viele Kritiker sind mittlerweile stumm geworden, einige sind jetzt voller Anerkennung. Inzwischen habe das Geschäftsmodell längst Schule gemacht, sagt zu Salm. Viele andere Programmanbieter haben auch alternative Geldquellen neben den üblichen Werbeeinnahmen gesucht und ihrerseits - wie im Falle der Castingshows - die Zuschauer zu Anrufen animiert. Denn der klassische Werbemarkt, weiß zu Salm, ist ziemlich ausgereizt.

Die 36-Jährige geht sogar noch weiter. Ihr Sender, an dem sie selbst neben der hot networks AG (48,6 %) und der Pro Sieben Sat1 Media AG (48,4 %) drei Prozent hält, habe inzwischen solch eine Vorreiterfunktion gewonnen, dass auch Programmideen nachgeahmt würden: Die Arbeitsvermittlung von "9-Live Job Chance" sei beim ZDF in die Vormittagssendung "Volle Kanne - Service täglich" eingegangen. Und Monate, nachdem die Sendung "9-Live Pisa" gestartet sei, greife nun die ARD dass Thema in einer Samstagabendshow mit Jörg Pilawa auf - ein gehöriges Selbstvertrauen, das sich zu Salm mit 9-Live zugelegt hat.

Und noch einen Trend gibt sie vor: Die Sex-Clips sollen nach und nach aus dem Nachtprogramm verschwinden, auch wenn sie zweistellige Millionen-Umsätze im Jahr einbringen. 9-Live werde zunehmend als Familiensender begriffen, und daher hätten Erotik-Spots nichts mehr im Programm zu suchen. Eine Datingshow soll ab 16. Oktober an die Stelle der Clips treten, die ab 2004 nur noch von drei bis sechs Uhr ausgestrahlt werden. Ein Neun-live-Zuschauer hat in der Nacht zum 1. September in der Geburtstagshow "Deutschland sucht den Rätselstar" die Chance, telefonisch eine Million Euro abzusahnen - die bislang einzige Gewinnerin von 100 000 ? bei 9-Live war vor einigen Wochen ausgerechnet Tochter Leonie von TV-Entertainer Herbert Feuerstein.

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