90 000 am Rande des Herzinfarkts
Barcelona erreicht mit Glück Halbfinale

Mit dem Mut der Verzweiflung und einer gehörigen Portion Glück ist der FC Barcelona in das Halbfinale der Champions League eingezogen.

dpa BARCELONA. In den dramatischen Schlussminuten waren die Griechen, die das Hinspiel 1:0 gewonnen hatten, dem Anschlusstreffer denkbar nahe. Aber mal verfehlten sie das leere "BarÇa"-Tor um Zentimeter, mal rettete Verteidiger Carles Puyol für die Katalanen auf der Torlinie. Den Athenern hätte ein zweites Tor zum Weiterkommen gereicht.

"Die letzten zehn Minuten der Partie hätten wir uns gern erspart", seufzte BarÇa-Trainer Carles Rexach. Nicht nur im Strafraum der Katalanen, sondern auch außerhalb des Spielfelds herrschte ein heilloses Durcheinander. Die Nerven von Barcelonas Präsident Joan Gaspart hielten der Dramatik nicht stand. Der Clubchef schloss sich in der Umkleidekabine ein. Torwart Roberto Bonano musste nach einem Zusammenprall mit einer Gehirnerschütterung bewusstlos vom Platz getragen werden.

Athens Teamarzt Nikos Tsouroudis erlitt einen epileptischen Anfall und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Nach Darstellung der Griechen soll er zuvor von einem Wurfgeschoss aus dem Publikum getroffen worden sein. Die Katalanen behaupteten demgegenüber, der Arzt sei vor Aufregung mit dem Kopf gegen das Dach der Trainerbank gestoßen.

Konstantinou hatte Athen in der 8. Minute nach einem Fehler von BarÇa-Abwehrchef Frank de Boer überraschend in Führung gebracht. Die Katalanen warfen daraufhin jede Taktik über den Haufen und berannten das Tor der Griechen. Luis Enrique (23. und 49.) brachte die Platzherren auf die Siegerstraße. Der Argentinier Javier Saviola (61.), genannt "das Kaninchen", erzielte das 3:1. Spielmacher Xavi erinnerte sich so an das entscheidende Tor: "Ich sah, dass Saviola wie eine Ratte durch den Strafraum schlich. Ich spielte ihn an, und er vollstreckte." Neben dem "Kaninchen" und der "Ratte" kam noch ein Tier ins Spiel: Ein Fan ließ einen Fasan auf den Rasen flattern.

Die Nervenpartie bestätigte die alte Weisheit, dass der FC Barcelona keine Erfolge erzielt, ohne dafür heftig leiden zu müssen. "Aber so macht das Leiden Spaß", stellte das Fachblatt "Sport" fest. Zehn Jahre nach ihrem bislang einzigen Europacupsieg haben die Blauroten nun die Chance, erneut ins Endspiel zu gelangen. Paradoxerweise geschieht dies ausgerechnet in einer Zeit, in der Barcelona so schlecht spielt wie seit langem nicht mehr und der Trainer ständig am Rande des Hinauswurfs steht.

"Aber auch so kann man die Champions League gewinnen", meint das Sportblatt "Marca". Es erinnert an Real Madrids Erfolg im Jahr 1998. Damals holten die "Königlichen" mit Trainer Jupp Heynckes den Titel, obwohl das Team und der Coach ständig in der Kritik standen.

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