90 Millionen Euro liquide Mittel
EM.TV verbessert operatives Ergebnis

Trotz der schwierigen Lage in der Medienbranche hat die Münchener EM.TV & Merchandising AG im ersten Halbjahr ihren Verlust kräftig verringert. Der Fehlbetrag im Konzern sei in den ersten sechs Monaten 2002 auf 70,2 Mill. Euro geschrumpft nach 122,3 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum, teilte die am Neuen Markt gelistete Gesellschaft am Donnerstag mit

Reuters MÜNCHEN. "Die laufende Restrukturierung zeigt somit Erfolge." Der Umsatz sank auf 94,3 (2001: 466,2) Mill. Euro. Um Änderungen im Konsolidierungskreis bereinigt habe sich der Rückgang auf lediglich 15 % belaufen. Ein EM.TV-Sprecher bekräftigte frühere Aussagen, wonach die US-Tochter Jim Henson bis Ende September verkauft werden soll. Eine Jahresprognose gab EM.TV erneut nicht ab.

Nach Einschätzung von Analysten ist EM.TV bei weitem noch nicht über den Berg. Die im Auswahlindex Nemax50 notierte Aktie lag am Nachmittag in einem schwachen Marktumfeld um mehr als zwei Prozent im Minus bei 1,12 Euro.



Sparmaßnahmen greifen

EM.TV hat sich seit dem Amtsantritt des neuen Vorstandschefs Werner Klatten im Herbst 2001 von vielen Beteiligungen getrennt, so dass ohne die Bereinigung von Entkonsolidierungseffekten kaum eine Vergleichbarkeit der Zahlen besteht. Die massivste Auswirkung hat dabei die Formel 1-Beteiligung vom EM.TV, die auf 16,7 % sank und 2002 nicht mehr konsolidiert wird.

Vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank der Verlust den Angaben zufolge auf 34,3 Mill. Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum auf vergleichbarer Basis noch ein Minus von 87,4 Mill. Euro verbucht worden war. Den operativen Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) bezifferte EM.TV mit 8,2 Mill. Euro nach 19,1 Mill. Euro 2001 auf bereinigter Basis. Der Personalaufwand sank den Angaben zufolge um 31 %, die sonstigen betrieblichen Aufwendungen verringerten sich um 37 %. Bei den Abschreibungen habe sich bereinigt mit 42,6 Mill. Euro ebenfalls ein Rückgang von 38 % ergeben, hieß es.

Analyst: Durchgreifende Verbesserungen nicht erkennbar

Die Zahlen hätten in etwa den Erwartungen entsprochen, sagte Analyst Harald Heider von der DZ Bank. Eine durchgreifende Verbesserung des operativen Geschäfts sei aber nicht erkennbar. Auch die künftige Existenz von EM.TV sei nach wie vor nicht garantiert. "Das ist mit Sicherheit eine Frage, die sich stellt: In einem Worst-Case-Szenario überleben sie nicht." Ein anderer Analyst sagte angesichts des verringerten, aber weiter hohen Verlusts: "Ob sie nun von zehn oder von fünf Maschinengewehr-Kugeln durchlöchert werden, macht wenig Unterschied." Die Liquidität sank EM.TV zufolge in den ersten sechs Monaten 2002 planmäßig um knapp 40 Mill. Euro auf 90,2 Mill. Euro.

Noch kein Zugriff der Kirch-Gläubiger auf Formel-1-Anteil

Um die Liquidität zu sichern, will sich EM.TV seit längerem vom Muppets Jim Henson Company-Erfinder trennen. "Man ist da in der End-Phase der Verhandlungen", sagte der Sprecher. Ziel sei ein Abschluss bis Mitte oder Ende September. Da EM.TV sich so genügend Geldzufluss erwarte, dränge der Verkauf der Beteiligung an dem Filmrechtehändler Tele München Gruppe (TMG) nicht. Mit einer Belebung des Werbemarkts rechnet EM.TV erst 2003.

Hinsichtlich der Formel 1-Beteiligung, die der Bayerischen Landesbank und zwei US-Instituten als Pfand für einen Kirch-Kredit über 1,6 Mrd. $ dient, gibt es EM.TV zufolge keine neuen Entwicklungen. Die Banken hätten das Pfandrecht bislang nicht ausgeübt, sagte der Sprecher. EM.TV hatte für diesen Fall gerichtliche Schritte angekündigt.

Unterdessen erklärte die Staatsanwaltschaft München, dass der Prozess gegen die ehemaligen EM.TV-Vorstände Thomas und Florian Haffa voraussichtlich in der erste Novemberhälfte beginnen wird. Ihnen wird unter anderem Kursbetrug vorgeworfen.

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