94-Jährige stirbt an Lungenmilzbrand
Milzbrand-Anschläge fordern fünftes Todesopfer

Die Milzbrand-Anschläge in den USA haben am Mittwoch das fünfte Todesopfer gefordert: Eine 94-jährige Frau aus dem Staat Connecticut starb an Lungenmilzbrand, wie die US-Gesundheitsbehörde (CDC) mitteilte. Die Frau war am vergangenen Freitag in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

ap WASHINGTON/GENF. Die bei den Anthrax-Anschlägen in den USA verwendeten Krankheitserreger stammen nach Ansicht von Wissenschaftlern höchstwahrscheinlich aus US-Regierungslabors.

Der neue Todesfall gab den US-Behörden Rätsel auf, da völlig unklar war, wie sich die Frau infizierte. Die 94-Jährige lebte in der ländlichen Gemeinde Oxford etwa 50 Kilometer südwestlich von Hartford. Die Frau war am vergangenen Freitag in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Gouverneur John Rowland sagte, der Verdacht auf Lungenmilzbrand sei durch fünf Tests bestätigt worden. Seit Beginn der Milzbrandwelle Anfang Oktober sind in den USA fünf Menschen an der Krankheit gestorben, vor dem neuen Opfer ein Fotoredakteur aus Florida, zwei Postmitarbeiter in Washington und eine Krankenhausangestellte in New York.

Eine Vertreterin des Verbands Amerikanischer Wissenschaftler (FAS) sagte auf der internationalen Biowaffen-Konferenz in Genf, die Milzbrand-Bakterien seien höchstwahrscheinlich in einem Labor des Verteidigungsministeriums entwickelt worden. Die Vorsitzende der FAS-Arbeitsgruppe zu Biowaffen, Barbara Hatch Rosenberg, sagte weiter, die Todesfälle zeigten das riesige Potenzial biologischer Kampfstoffe. Die bisherigen Anschläge seien aber nur ein Vorgeschmack dessen, was möglich sei, betonte sie.

Unterdessen verlautete aus Ermittlungskreisen, dass der am Freitag entdeckte verseuchte Brief an den demokratischen Senator Patrick Leahy Milliarden Milzbrand-Erregern enthielt. Für eine Infektion mit Lungenmilzbrand sind etwa 8.000 bis 10.000 Sporen erforderlich. Der Brief wurde am vergangenen Freitag in einem Stapel nicht zugestellter Post entdeckt und bislang nicht geöffnet, um keine Spuren zu zerstören. Die Ermittler vermuten, dass er von derselben Person verschickt wurde, die den mit Milzbrand-Erregern verseuchten Brief an Senator Tom Daschle aufgegeben hatte. Beide Schreiben tragen die gleiche Handschrift und wurden am 9. Oktober in Trenton im Staat New Jersey abgestempelt.

Die US-Post teilte mit, der Brief sei vermutlich versehentlich an eine Poststelle des Außenministeriums in Sterling im Staat Virginia weitergeleitet worden. Dort hatte sich ein Post-Mitarbeiter mit Lungen-Milzbrand infiziert.

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