989 Millionen Euro Verlust im vergangenen Jahr
Kirchs PayTV ist maßgeblich Schuld an der Krise

Nach der Zahlungsunfähigkeit von KirchMedia wird mit Spannung erwartet, ob auch die KirchPayTV einen Insolvenzantrag stellen muss. Die Gesellschaft mit dem defizitären Abosender Premiere hat allein im vergangenen Jahr 989 Millionen Euro Verlust gemacht und ist wesentlich schuld an der Krise des gesamten Münchner Medienkonzerns. Die Ausgaben sind doppelt so hoch wie die Einnahmen.

WiWo/ap MÜNCHEN. Um die Kosten zu senken, hat der neue Premiere-Chef Georg Kofler angekündigt, ein Drittel der 2.400 Stellen zu streichen und mit den Filmlieferanten in Hollywood über neue Rabatte zu verhandeln. Auch von der Bundesliga werden mittelfristig Nachlässe erwartet. Auf der anderen Seite will Kofler das PayTV mit billigeren Einstiegstarifen, einfacherer Technik und Pornofilmen für das Massenpublikum attraktiver machen.

Bisher hat Premiere statt geplanter vier Millionen nur 2,4 Millionen Abonnenten. Allein in diesem Jahr braucht Premiere mehrere hundert Millionen Euro. Wie lange die Kreditmittel noch reichen, ist offen. Die Insolvenz von KirchMedia, die ebenfalls Filme an den Abosender liefert, dürfte den Druck noch erhöhen.

Abo-Fernsehen gibt es in Deutschland schon seit 1986. Der Münchner Filmhändler und Fernsehunternehmer Leo Kirch dehnte damals seinen Schweizer Pay-TV-Sender Teleclub nach Deutschland aus. Bis 1990 hatte er allerdings nur knapp 100.000 Zuschauer. Darauf gründete er zusammen mit Bertelsmann und dem französischen Pay-TV-Betreiber Canal plus den Abo-Sender Premiere, in dem der deutsche Teleclub aufging. Mit Fußball und Autorennen kam Premiere in den folgenden Jahren in Fahrt. 1996 hatte es eine Million Zuschauer und schrieb erstmals schwarze Zahlen.

Doch im gleichen Jahr startete Kirch einen zweiten Pay-TV-Sender, das Digitale Fernsehen DF1, das eine schier unbegrenzte Zahl von Kanälen, Pay-per-View-Angeboten und Internet-Verknüpfungen ermöglichte. Mit der D-Box zum Decodieren der Signale hatte er den Schlüssel für das digitale Fernsehzeitalter in der Hand - so Kirchs Vision, die auch die Investoren und Banken teilten. Die konkurrierenden Sender Premiere und DF1 machten unterdessen dreistellige Millionenverluste.

Die Franzosen stiegen aus, auf Druck der Kartellbehörden verzichtete auch Bertelsmann, und Kirch legte 1999 DF1 und Premiere zusammen. Kurz darauf kaufte der US-Medienunternehmer Rupert Murdoch mit seinem britischen Abosender BSkyB 22 Prozent der Anteile; weitere acht Prozent übernahmen der saudische Prinz Al-Walid und zwei US-Finanzgruppen. Murdoch will nach eigenen Aussagen aber wieder aussteigen und 1,8 Milliarden Euro zurückfordern. In der Branche wird darüber spekuliert, ob diese Ankündigung letztlich nur ein Hebel ist, um günstiger an Kirchs ProSieben-Anteile zu kommen und Premiere komplett übernehmen zu können.

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