A.T. Kearney-Studie sieht globalen Trend bei Finanzdienstleistern
Europäische Finanzunternehmen hinken beim Offshoring nach

Während US-Banken und-Versicherungen schon seit geraumer Zeit dazu übergegangen sind, ganze Geschäftsbereiche in Billiglohnländer zu verlagern, sieht eine Studie der Management-Beratung A.T. Kearney in Europa einen Nachholbedarf beim sogenannten Offshore-Outsourcing.

Offshoring, ein strategisches Konzept, das sich in den USA bereits bewährt hat, verspricht auch europäischen Finanzdienstleistern eine Verbesserung ihrer Position im internationalen Wettbewerb. Mittel- und langfristig lassen sich Einsparpotenziale von 30 Prozent und mehr erschließen. Dies ergab die Studie, die A. T. Kearney jetzt veröffentlicht hat. Besondere Bedeutung komme Standorten in Osteuropa zu.

US-Finanzdienstleister verlagern derzeit verstärkt administrative Aktivitäten außer Landes. Davon versprechen sie sich Einsparungen in Höhe von über 30 Milliarden US-Dollar jährlich. Dieser Trend zum Offshoring habe nun auch Europa erreicht, sagt Robert Kremlicka, Leiter der Financial Institutions Group bei A.T. Kearney in Zentraleuropa: "Um ihre Profitabilität im internationalen Wettbewerb zu erhalten, müssen auch europäische Finanzinstitute die Möglichkeiten des Offshoring nutzen." In Europa würden die Vorzüge des Offshoring bislang indes nur zögerlich genutzt, meint Andreas Pratz, Autor der Studie: "Die Initiativen konzentrieren sich in erster Linie auf die Konsolidierung der Transaktionsabwicklung im Inland. Die Verlagerung von Funktionen in Niedriglohnländer findet nur selten statt."

Einsparungen von rund fünf Milliarden Euro

Die Studie geht davon aus, dass auch europäische Banken und Versicherungen Einsparungen von rund fünf Milliarden Euro jährlich realisieren könnten. Dies sei erreichbar durch eine verstärkte Auslagerung personalintensiver Back-office-Aktivitäten. Binnen fünf Jahren seien die Einsparungen erreichbar.

Die Berater sehen ferner einen Langfrist-Trend: Auch europäische Unternehmen werden komplexere Geschäftsprozesse in anderen Ländern ansiedeln und damit ihren amerikanischen Wettbewerbern folgen. Dies werde das Einsparpotenzial verdoppeln, heißt es in der Studie. "Grundsätzlich eignen sich alle standardisierbaren und personalintensiven Geschäftsprozesse für eine Offshore-Verlagerung", so Pratz. Dazu zählen neben den IT-Services und der Transaktionsabwicklung auch Finanzen und Rechnungswesen, Call Center sowie analytische und technische Services.

Im Fokus: Osteuropa

Bei der Auswahl von Offshoring-Zielen setzen, so die Berater, Europas Finanzdienstleister andere Akzente als ihre US-Kollegen: Während 90 Prozent der US-Unternehmen Indien für sehr attraktiv halten, sind es bei den Europäern nur knapp die Hälfte. Dagegen interessieren sie sich deutlich stärker für zentral- und osteuropäische Länder wie Ungarn, Rumänien oder die Slowakei.

Die Europäer würden bewusst Nachteile in Kauf nehmen: Während der Offshoring-Standort Indien langfristig ein Einsparpotenzial von bis zu 50 Prozent verspricht, sieht die Studie bei Auslagerungen nach Osteuropa nur ein Potenzial von 30 Prozent. Offshoring-Initiativen in Osteuropa seien allerdings auch deutlich einfacher zu realisieren: "Besonders wegen der Öffnung der Europäischen Union gewinnt Offshoring zunehmend an Bedeutung", meint Pratz, da die heutigen Personalkostenunterschiede auch mittelfristig attraktiv bleiben dürften.

Die Berater schränken ein, dass europäische Finanzdienstleister bei einem Offshoring für die sprachliche, rechtliche und steuerliche Vielfalt zu berücksichtigen hätten. Von den EU-Kandidaten erscheint der Studie derzeit Ungarn als ein besonders attraktiver Standort. Pratz ist optimistisch: "Zunächst müssen die Institute Voraussetzungen schaffen. Dazu gehört ein weiteres Standardisieren der Prozesse, ein konsequentes Bündeln von Volumina im Heimatmarkt sowie die Definition der gewünschten Service-Level." Die Studie zeige, dass europäische Finanzdienstleister die Chancen erkannt hätten. Sie würden "aktiv an Lösungen arbeiten, mit denen sie den Vorsprung der US-Unternehmen rasch aufholen können".

Internet: A.T. Kearney

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