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A wie Abs, B wie Abs, S wie Abs

Ludwig Poullain, einst Chef der WestLB, rezensiert die neue Biografie über den Bankier Hermann Josef Abs

Einige Jahre habe ich im Ensemble der deutschen Kreditwirtschaft in einer Chargenrolle neben dem glanzvollen Hauptakteur Hermann Josef Abs agiert. Beim Lesen der von Lothar Gall geschriebenen Biografie bin ich ihm wieder begegnet. Nach der Lektüre ist das Bild, das ich von ihm hatte, zwar schärfer geworden, doch zu fassen bekommen habe ich ihn noch immer nicht.

Dem Verfasser standen bisher verschlossene Quellen offen. Als die ergiebigste erwies sich dabei der im Historischen Archiv der Deutschen Bank aufbewahrte Nachlass von Abs. Für die von ihm verfügte Sperrfrist hatte er eine Öffnungsklausel eingeräumt, wenn es sich um ein Forschungsprojekt dieses Historischen Archivs handeln würde. Dieser glückliche Umstand liegt hier vor.

Abs war nicht nur ein außergewöhnlich fleißiger Mensch. Was er tat, machte er mit Akribie und Penibilität. Ich denke, dass der an seinem Schreibtisch stehende Papierkorb eher zur Dekoration als zur Aufnahme beschriebener Blätter diente. Er sammelte nicht nur Kunstwerke, mehr noch Dokumente, Memoranden, Protokolle, Briefe, Vermerke - fremde wie selbst gefertigte - und was es sonst noch an Beschreibbarem gegeben haben mochte.

Dem Autor ist es gelungen, das prall gefüllte Leben des Hermann Josef Abs allumfassend darzustellen, detailgetreu, sich jedoch nicht darin verlierend. Mich hat die Schilderung beeindruckt, wie selbstsicher Abs bereits in jungen Jahren den Weg zu dem Beruf fand, den er sich ausgesucht hatte. Er verzichtete auf ein Studium, wählte vielmehr harte Lehrjahre, ist (und bleibt auch zeit seines Lebens) begierig, Neues zu erfahren, zu erkennen und zu verarbeiten. Was ihm sein Elternhaus eingepflanzt hatte, die Philosophie des "Rheinischen Kapitalismus" - vaterländisch, gut katholisch, dazu liberal mit dem Schwerpunkt auf die Pflege der eigenen Handlungsfreiheit -, gedieh in seinen Lehr- und Gesellenjahren im privaten Bankgewerbe weiter.

Mitte der dreißiger Jahre hatte er als Teilhaber einer damals bedeutenden Privatbank eine Lebensstellung erreicht. Trotz eines nicht unbedeutenden Einkommensverlustes wechselte er in den Vorstand der Deutschen Bank. In seiner blumenreichen Sprache verglich er sein Tun mit dem eines Organisten: lieber als Domorganist auf einer wundervollen Orgel spielen, als sich mit einer Zweimanual-Orgel zu begnügen - auch wenn man im Dom erheblich weniger verdient.

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