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A350 oder 7E7 - Airbus und Boeing setzen auf Systemverkauf

Boeing 7E7 contra Airbus A350 - mit dem Konkurrenzkampf in der "Flugzeug-Mittelklasse" buhlen beide Hersteller um einen der wichtigsten Massenmärkte in der Branche.

dpa-afx SEATTLE/HAMBURG. Boeing 7E7 contra Airbus A350 - mit dem Konkurrenzkampf in der "Flugzeug-Mittelklasse" buhlen beide Hersteller um einen der wichtigsten Massenmärkte in der Branche. Ob sich ein Kunde für Airbus oder seinen US-Konkurrenten Boeing entscheidet, hängt selten allein von der Qualität des Flugzeuges ab. Fluggesellschaften bestellen nicht nur einen Jet, oft wird über ein Produkt- und Servicepaket mit mehreren Jahren Laufzeit verhandelt.

In den Preis fließen neben dem Flugzeug beispielsweise Ersatzteilversorgung, Pilotentraining oder der Wiederverkaufswert des Jets auf dem Gebrauchtmarkt ein. Flugzeugkäufe sind mit einem Leasingvertrag fürs neue Auto eben so wenig vergleichbar, wie ein Kindersparbuch mit der Finanzierung eines Großkonzerns.

Boeing Schätzt Marktvolumen AUF 400 MRD Dollar

Das Marktvolumen in der Klasse der 200 bis 300-Sitzer schätzt Boeing auf rund 400 Mrd. Dollar in den kommenden 20 Jahren. Obwohl das A350-Programm noch nicht offiziell gestartet wurde, gilt es als sicher, dass der europäische Flugzeugbau-Konzern die 7E7 mit einem neuen Produkt angreift. An diesem Montag soll der Aufsichtsrat des Airbus-Mutterkonzern EADS den ersten Schritt für den Bau des neuen Flugzeugs unternehmen.

Beim Konkurrenzkampf zwischen 7E7 und A350 will Boeing vor allem mit radikalen technischen Verbesserungen punkten: Neue Bordsysteme kombiniert mit einem Rumpf aus Verbundwerkstoffen sowie besonders effektive Triebwerken sollen rund 20 Prozent Treibstoffersparnis bringen. "Das Programm ist auf gutem Weg, Verbundwerkstoffen gehört die Zukunft", sagte Boeing-Direktor Mike Bair kürzlich in Seattle. Mit dem Startkunden All Nippon Airways hat allerdings erst ein Branchengigant die 7E7 fest bestellt. In den kommenden 20 Jahren sieht Boeing Bedarf von 3 500 Flugzeugen in dieser Kategorie und will mehr als die Hälfte des Marktes erobern.

Ob sich ein Flugzeug gut verkauft, hängt inzwischen besonders stark von der Integration innerhalb der Produktfamilie ab. Boeing und Airbus bieten vom 100- bis zum 400-Sitzer alles, was das Herz des Kunden begehrt. Eine Familienstruktur beginnt im Cockpit und den damit zusammenhängenden Kosten für Piloten: Airbus hat mit der digitalen Flugsteuerung die Flugeigenschaften einzelner Baureihen so aneinander angepasst, dass Kapitäne und Copiloten ohne teure Umschulung wechseln können. Das verspricht Boeing jetzt auch für die 7E7. Sie soll von Piloten mit einer Zulassung für die größere 777- Familie gesteuert werden dürfen, ohne dass eine aufwendige Zusatzqualifikation notwendig ist.

Viele Airlines Wollen Flugzeuge DER 80er Ersetzen

Weiterer Faktor für die Kaufentscheidung ist die Frage, welche Flugzeuge 7E7 oder A350 ersetzen könnten: Zurzeit suchen viele Airlines Ersatz für Flugzeuge aus den 80er Jahren mit 200 bis 300 Plätzen, zum Beispiel Boeing 757, 767 sowie Airbus A300 und A310. Andererseits könnte die Langstreckenversion der 7E7 sich auch zur Konkurrenz für die Airbus A340-200 und-300-Baureihen aus den frühen 90er Jahren entwickeln. Diese sind bei vielen Airlines, zum Beispiel SAS oder Lufthansa, auf Langstrecken mit vergleichsweise geringerem Passagieraufkommen im Einsatz.

Der Airbus-Vierstrahler A340 hat aber den Vorteil, dass er aufgrund seiner Triebwerkszahl fast alle Routen auch weit abseits von Ausweichflughäfen fliegen darf. Andererseits sind gerade über dem Nordatlantik heute schon Zweistrahler Standard. Ein echter Wettbewerbsvorteil für Vierstrahler kommt vor allem bei extremen Langstrecken über den Pazifik oder Routen über hohe Gebirge zum Tragen - hier bremsen gesetzliche Limits den Einsatz von Jets mit nur zwei Motoren.

Boeing setzt bei der Verkaufskampagne für die 7E7 auf zahlreiche Komfortverbesserungen für den Passagier. So soll der Kabinendruck während des Fluges angenehmer sein als bei heutigen Jets. Größere Fenster und ein besseres Beleuchtungssystem sind ebenfalls vorgesehen. Ob sich beim Sitzkomfort große Verbesserungen für Passagiere ergeben, ist noch offen: Wie viele Sitze eingebaut werden - und in welcher Enge die Gäste sitzen, entscheiden Fluggesellschaften - und nicht die Hersteller.

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