Aachen
Der Euro hat jetzt seinen Preis

Der Euro ist am Donnerstag mit dem diesjährigen Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet worden. Das gemeinsame Geld von 300 Millionen Menschen in Europa wird damit für seine gesellschaftlich vereinende Wirkung geehrt.

 

Reuters AACHEN. "Wie kein anderer Integrationsschritt zuvor wird die neue Währung die Identifikation eines jeden Bürgers mit Europa fördern", sagte der Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Jürgen Linden, beim Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Erstmals erhielt ein Gegenstand den Karlspreis, der 41 Mal seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen für ihre Verdienste um Europa und die europäische Einigung vergeben wurde. Unter den Preisträgern sind der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer, der frühere US-Präsident Bill Clinton, Großbritanniens Premierminister Tony Blair und die Europäische Kommission.

Stellvertretend für den Euro nahm der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, die Auszeichnung entgegen, die traditionell an Himmelfahrt verliehen wird. Der EZB-Präsident bezeichnete den Euro als Symbol einer großen europäischen Gemeinschaft. Geld sei als wirtschaftliches Instrument auch ein politisches und kulturelles Band für die Menschen. "Wer in diesem Jahr innerhalb des Euroraums gereist ist, muss die einigende Kraft der Währung, ich möchte fast sagen, körperlich gespürt haben", sagte der Notenbankchef. Als oberste Währungshüterin wacht die EZB über die Stabilität des Euro, der in diesem Jahr als Bargeld in zwölf europäischen Ländern eingeführt wurde.

In seiner Laudatio auf den Preisträger sagte der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, der Euro sei ein Beweis der Fähigkeit der europäischen Völker, Werte und Ideale gemeinsam umzusetzen. Ciampi warnte aber auch vor überkommenen nationalistischen Sehnsüchten und sozialen Verwerfungen durch die Globalisierung. Unter den rund 1000 Gästen waren ehemalige Preisträger wie Königin Beatrix der Niederlande und der ehemalige britische Premierminister Edward Heath. Die Bundesregierung war durch die aus Aachen stammende Gesundheitsministerin Ulla Schmidt vertreten. Auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke und der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, der dem Euro seinen Namen gegeben hatte, nahmen an dem Festakt teil.

Wie kein anderer Integrationsschritt zuvor werde der Euro die Identifikation mit Europa fördern und einen entscheidenden Beitrag zum Zusammenwachsen der Völker in Europa leisten, begründete die Karlspreis-Stiftung ihre Entscheidung. Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion sei ein wesentlicher Baustein der europäischen Integration, der die Völker Europas die längste Friedensperiode der Geschichte verdankten.

Die Währungsunion begann schon 1999 mit elf Ländern, Griechenland kam zwei Jahre später hinzu. Mit dem größten Währungstausch der Geschichte wurde der Euro dann in diesem Jahr als Zahlungsmittel eingeführt. Der logistische Kraftakt der Bargeldeinführung wurde - abgesehen von kleineren Schwierigkeiten - erfolgreich gemeistert. Vor allem in Deutschland verflog die Euphorie für das neue Geld aber schnell, denn einige Händler und Dienstleister nutzten den Wechsel zu deftigen Preiserhöhungen. Von der Meinung, mit dem Euro sei alles teurer geworden, waren viele Menschen auch nicht durch alle gegenteiligen Beteuerungen von Statistikern und Notenbankern abzubringen. Auf das gesamte Preisniveau wirkte sich der Übergang zum Euro statistisch nur geringfügig aus

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