Aachener und Münchener jetzt die Nummer Zwei: AM Leben: Keine Angst vor Kursverlusten

Aachener und Münchener jetzt die Nummer Zwei
AM Leben: Keine Angst vor Kursverlusten

Die Aachener und Münchener Lebensversicherung, eine Tochter der AMB Generali, löste im vergangenen Jahr die Hamburg-Mannheimer als zweitgrößter Anbieter in Deutschland ab. Ihr neuer Chef, Michael Westkamp, will auch im Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge aufholen. Er setzt dabei vor allem auf den Mittelstand.

KÖLN. Die Krise auf den Finanzmärkten zwingt die Aachener und Münchener nicht, ihren Expansionskurs aufzugeben. Auch wenn die Kurse noch weiter einbrechen sollten, sieht sich die AM Lebensversicherung gut gerüstet. "Wir verkraften selbst drastische Szenarien," sagte Michael Westkamp dem Handelsblatt. Der 52jährige lenkt seit Jahresanfang als Vorstandsvorsitzender die Aachener und Münchener Lebensversicherung AG und die Aachener und Münchener Versicherungs AG. Ein solches Szenarium wäre ein weiteres Abrutschen des Dax um 35 % unter seinen Stand vom Jahresanfang (knapp über 3 100 Punkten) und einen Abschlag von zehn Prozent auf Rentenpapiere. "Diesen Stresstest stehen wir durch, allerdings müssten wir dann Reserven heben."

Im vergangenen Jahr schob sich die Aachener und Münchener Lebensversicherung hinter Branchenprimus Allianz auf den zweiten Platz der Anbieter. "Wir haben gemessen an unseren Beitragseinnahmen die Hamburg-Mannheimer überholt", sagte Westkamp. Die Hamburg-Mannheimer wollte gestern keine Stellung beziehen.

Wachsen will die Tochter der AMB Generali in erster Linie aus eigener Kraft. Dabei setzt Westkamp auf den eigenen Vertrieb, vor allem aber auf die Vertriebspartnerschaft mit der Deutschen Vermögensberatung DVAG. "Gemeinsam haben wir uns schließlich innerhalb von mehr als 25 Jahren vom 14. auf den zweiten Platz der Lebensversicherer in Deutschland vorgearbeitet." Sieben von zehn AM-Lebenpolicen verkaufte die Vertriebsmannschaft der DVAG, im Sachversicherungsgeschäft waren es vier von zehn Verträgen.

Aufholen will Westkamp im Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge. Seit Oktober vergangenen Jahres bietet AM dafür sämtliche Vertriebswege. "An dem Markt dürfen wir nicht vorbeigehen. Hier wollen wir mittelfristig den gleichen Marktanteil erzielen wie im konventionellen Geschäft mit Lebenversicherungen." Der Versicherer mit Fokus auf Privatkunden hat einen Marktanteil bei Lebensversicherungen von fünf bis sechs Prozent.

Im Visier hat Westkamp bei der betrieblichen Altersvorsorge vor allem mittelständische Kunden wie Handwerker. Eine spezielle Beratertruppe soll bis zum Jahresende von 35 auf 50 Mitarbeiter aufgestockt werden, um der Vertriebsmannschaft der DVAG zum Beispiel bei Steuerfragen im Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge unter die Arme zu greifen. "Unsere angestrebte Zielmarke eines laufenden Jahresbeitrages von sechs Mill. Euro aus dem Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge werden wir übertreffen", ist sich Westkamp sicher.

Potenzial sieht er auch bei der viel geschmähten privaten Riester-Rente. "Der Markt ist längst noch nicht erschöpft." Die AM Lebensversicherung kommt mit 465 000 verkauften Riester-Policen auf einen Marktanteil in diesem Segment von ca. elf Prozent.

Wenn die gegenwärtige Finanzkrise zu einer weiteren Konsolidierung der Assekuranz führt, sieht Westkamp seine Gesellschaft als Käufer. "Interessant sind für uns Versicherer mit einem starken Ausschließlichkeitsvertrieb." Die Entscheidung liege aber letztlich beim Mutterkonzern AMB Generali. Deren Chef, Walter Thießen, erwartet, dass sich jeder dritte der rund 140 deutschen Lebensversicherer bis 2010 als eigenständiger Anbieter vom Markt verabschieden wird und hat wiederholt Akquisitionsabsichten betont.

Die Konsolidierung könnte sich beschleunigen, wenn die Börsentalfahrt anhält. Dies sei nach Ansicht von Experten bereits dann wahrscheinlich, wenn weiter unklar bleibt, ob es zu einem Irakkrieg kommt oder nicht.

Ihre Abhängigkeit von der Börse hat die AM Lebensversicherung indessen deutlich reduziert. Die Aktienquote in der Vermögensanlage beträgt derzeit noch vier Prozent, gegenüber 6,5 % in 2001. Gleichwohl hat die Kapitalmarktflaute deutliche Spuren hinterlassen: Für 2002 habe das Unternehmen die neuen Bilanzierungsmöglichkeiten nach § 341 HGB genutzt und stille Lasten durch die Vermeidung von Abschreibungen gebildet. "Wir sind aber froh, dass wir anders als andere von dieser Möglichkeit nicht schon 2001 Gebrauch machen mussten", betont Westkamp.

Die Börsenschwäche traf das Unternehmen auch im operativen Geschäft. Das Neugeschäft mit Lebensversicherungen sank um 14 %, aber die Beitragseinnahmen wuchsen gegenüber dem Markt überdurchschnittlich um 6,6 % auf 3,3 Mrd. Euro. Insgesamt erzielte der Versicherer Beitragseinnahmen von 4,25 Mrd. Euro. Beim Absatz von Schaden- und Unfallversicherungen wuchs das Unternehmen 2002 mit 2,9 % mehr als doppelt so stark wie der Markt. Trotzdem wird der Versicherer hier im operativen Geschäft rote Zahlen schreiben. Grund sei das Jahr 2002 mit seinen ungewöhnlich hohen Belastungen, beispielsweise durch Flutschäden.

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