AAP Implantate, Rösch und UMS mit guten Nachrichten
Medizin-Spezialisten zu wenig beachtet

Viel versprechende Entwicklungen lassen Aktien von medizintechnischen Unternehmen unter Kursphantasien aufblühen. Wer es schafft, einen Massenmarkt zu bedienen, kann auf stabile Einnahmen hoffen.

FRANKFURT/M. Aktien aus dem Bereich Medtech und Health Care haben am Neuen Markt keinen leichten Stand. Obwohl sich die Branche unter den insgesamt 10 Branchenindizes hinter dem Biotech-Bereich am stabilsten entwickelt hat, werden die Aktien kaum beachtet. Noch immer denken viele Anleger beim Begriff Medtech fälschlicherweise an Verbandsmaterial und Wundauflagen, kritisieren die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Medtech, das sind für sie Verfahren auf natur-, ingenieurwissenschaftlicher und physikalischer Basis zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten, kurzum High-tech für das Gesundheitswesen. Was Größe und Marktbedeutung anbelangt, hinken deutsche Unternehmen in diesem Bereich zwar noch der US-Konkurrenz hinterher. Trotzdem gab es in letzter Zeit auch hier Lande einige viel versprechende Entwicklungen.

Für Furore sorgten in den letzten Tagen die beiden Berliner Medizintechniker AAP Implantate und Rösch. Beide erhielten Zulassungen für ihre Produkte - für die betroffenen Unternehmen für gewöhnlich ein Meilenstein. Produkte, die eine lange Entwicklungsphase durchschritten haben, sind damit zur Anwendung freigegeben und können so den ersehnten Beitrag zum Umsatz und Ergebnis der Firma leisten. AAP Implantate, ein Spezialist für Gelenk- und Knochenimplantate, erhielt die europäische Zulassung für eine neue Kniegelenkprothese, die nach Unternehmensangaben einen nahezu natürlichen Bewegungsablauf ermöglichen soll. Da allein der europäische Markt für Knieprothesen laut einer Studie von Data Monitor auf 450 Mill. US-Dollar geschätzt wird, rechnet AAP für die Zukunft mit einem deutlichen Umsatzsprung. Der Aktie, die seit Jahresbeginn 40 % an Wert einbüßte, gab diese Nachricht einen kurzzeitigen Schub. Allerdings notiert sie noch immer deutlich unter ihrem Buchwert - was die Analysten von Delbrück Asset Management vorsichtig optimistisch stimmt.

Rösch: Schritt zum Massenmarkt

Eine ähnliche Kursentwicklung zeigte die Aktie von Rösch Medizintechnik. Der Spezialist für nadelfreie Spritzen erhielt für sein bekanntestes Produkt Injex vom Spitzenverband der deutschen Krankenkassen drei Jahre nach Antragstellung die Zulassung für den heimischen Markt. Die Grundvoraussetzung für eine Erstattung durch die Krankenkassen ist damit gegeben, ein riesiger Schritt auf dem Weg zum Massenmarkt genommen. Vor allem Diabetiker könnten davon profitieren, da sie Insulin so schmerzfrei spritzen könnten. Rösch, die zuletzt durch Vorstandsquerelen, schlechte Zahlen und eine kränkelnden Aktie auffiel, geriet dadurch wieder positiv in die Schlagzeilen. Noch sind die Analysten wegen der schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit aber vorsichtig. Zum "Halten" rät beispielsweise Alexander Burger von der LBBW. Für Rösch steht nun der nächste große Schritt an, nämlich einen Vermarktungspartner für Injex zu finden. Das könnte der Aktie einen weiteren Schub geben, heißt es am Kapitalmarkt.

Das Thema Zulassung beschäftigt die UMS United Medical Systems AG dagegen kaum. Das Quickborner Unternehmen bietet Ärzten und Kliniken Versorgungsmodelle mit High-tech-Geräten an. Mit diesem ursprünglich amerikanischen Konzept erzielte das Unternehmen auch im ersten Quartal ein deutliches Umsatzwachstum. Der Gewinn ist allerdings wegen der Integration neuer Geschäftsfelder und des Ausbaus des Geschäftes in den USA zurückgegangen.

Die Analysten von AC Research sind jedoch überzeugt, dass UMS wegen der nach wie vor hervorragenden Zukunftsperspektiven moderat bewertet ist. Sie empfehlen den Anlegern die Aktie deshalb weiterhin zum Kauf.

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