Ab 14. Dezember wird die Aktie gehandelt
Juventus auf Werbetour

Die Szenerie erinnerte an den Umkehrschluss der alten Fußball-Weisheit "Was zählt, is auf?m Platz". Als wollten die Verantwortlichen vom AC Juventus Turin bloß nicht darauf angesprochen werden, dass ihr Team am Dienstag in der Champions League bei Arsenal London vorgeführt und anschließend von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, beschworen sie am Donnerstag in Frankfurt fast gebetsmühlenhaft das große Potenzial, das der Klub auch außerhalb des Platzes habe.

FRANKFURT/M. Schließlich wollen bis zum 14. Dezember 44,5 Millionen Juventus Football Club S.p.A.-Aktien ans Anlegervolk gebracht werden und da machen sich Niederlagen nicht gut. Also lobte CEO Antonio Giraudo vor Analysten und institutionellen Anlegern die Vorzüge, die den Klub zum Konzern machen sollen, schließlich sind 65 Prozent der Aktien für die finanzkräftige institutionelle Kundschaft vorgesehen. "Juve, das ist längst nicht mehr nur Fußball, sondern inzwischen weit mehr", so der Tenor. Schließlich besitzt der Verein schon jetzt die Pay-TV-Rechte für seine Spiele in der italienischen Serie A bis ins Jahr 2005. Zudem verfügt man über Telefonrechte bis ins Jahr 2007.

Alles Dinge, die bei den europaweit 17 Millionen Fans, die Juve nach eigenen Angabe hat, gut ankommen. "Kein Vergleich also zu den jüngsten Börsengängen von Borussia Dortmund, Lazio oder AS Rom", wie CEO Giraudo stets beteuert.

Die beiden größten Projekte sollen jedoch erst in den kommenden Jahren folgen, die aus dem Klub dann einen Freizeit- und Unterhaltungskonzern machen sollen: Für etwa 120 Millionen Euro will Juve das "Stadio delle Alpi" kaufen und anschließend zu einem Fußball-Entertainment-Tempel mit VIP-Boxen, Einkaufszentrum, Multiplex-Kino und Vereinsmuseum umbauen. Ende 2003 soll alles fertig sein. Noch mehr Geld, nämlich 130 Millionen Euro, sollen in das zweite Immobilienprojekt "Mondo Juve" fließen. Bis Ende 2004 soll ein Trainingszentrum samt Einkaufsmeile und Unterhaltungszentrum entstehen.

Insofern ist also bereits vorgezeichnet, wohin der Erlös aus dem Börsengang fließen soll. Bei 38,7 Millionen Aktien plus einer Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von 5,8 Millionen Papieren und einer Preisspanne von 3,50 bis 4,20 Euro je Aktie rechnet Juve derzeit mit einer Summe von 155,75 bis 186,9 Millionen Euro.

Eine Ausnahmeposition stellt Juve in seiner Haushaltsführung dar. Während die restlichen Klubs der italienischen Serie A in der abgelaufenen Saison rekordverdächtige 723 Millionen Euro Verlust einfuhren, ragte Juve mit einem Nettogewinn von 5,8 Millionen Euro heraus. Es war der fünfte Bilanzgewinn in Folge, zum dritten Mal hintereinander wurde bereits eine Dividende ausgeschüttet. Diese Entwicklung soll sich auch künftig fortsetzen, wie Finanzvorstand Fabrizio Prete gestern versicherte. Der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr kam allerdings nur durch den Verkauf von Spielern - insbesondere durch den Transfer von Superstar Zinedine Zidane zu Real Madrid - zu Stande.

Ob all diese Argumente auch die internationale Anlegerschaft überzeugen können, bleibt fraglich. "Ich werde die Aktie meinen Kunden sicher nicht empfehlen", meinte im Anschluss ein Vertreter einer baden-württembergischen Bank. Zu unsicher sei das Geschäft mit Fußball-Aktien, was gerade das deutsche Beispiel Borussia Dortmund zeige. Dazu seien gerade die italienischen Vereine dafür bekannt, dass sie extrem hohe Ablösesummen und Gehälter bezahlten. "Und außerdem ist bei diesen Aktien der Erfolg auf dem Spielfeld nach wie vor das A und O".

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