Ab 2001 gelten EU-weit Garantiefristen von mindestens zwei Jahren
IT-Industrie rechnet ab 2002 mit hohen Mehrkosten

Die Verlängerung der Garantiefristen für Handys und Computer trifft die IT-Industrie zu einer konjunkturell schwierigen Zeit. Zusätzlich drohen Geräteabgaben für Urheberrechte und eine Rücknahmepflicht für Elektroschrott.

FRANKFURT/MAIN. Zusätzlich zur konjunkturellen Abkühlung trüben erwartete Kosten in Milliardenhöhe die Aussichten der IT-Branche. Längere Garantiefristen, drohende Urheberrechts-Abgaben auf Computer und Drucker sowie die geplante Rücknahmepflicht für Elektroschrott werden nach Schätzungen des Bundesverbands der Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom) die Branche jährlich zwischen 5 und 10 Mrd. DM kosten.

"Den Löwenanteil der zusätzlichen Kosten wird ab 2002 die Verlängerung der Gewährleistungsfrist auf Computer, Handys und andere elektronische Geräte von sechs Monaten auf EU-weit zwei Jahre aufwerfen", sagt Kai Kuhlmann, Rechtsexperte des Bitkom. In Deutschland plant die Bundesregierung nach Angaben des Verbandes sogar eine darüber hinausgehende Verlängerung der Garantiefrist auf 36 Monate. Nach Berechnungen des Bitkom würde die Verlängerung der Garantiefrist auf drei Jahre bei einem durchschnittlichen Kopiergeräte-Hersteller zusätzlich Kosten in Höhe von knapp 10 % des Gesamtumsatzes verursachen. "Für dieses Modell haben offenbar Kühlschränke und Gefriertruhen Pate gestanden", ärgert sich Bitkom-Präsident Volker Jung. "Im IT-Bereich liegen die Produktzyklen vielfach unterhalb von 3 Jahren."

Während die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände eine Dreijahresfrist für "angemessen" hält, wird die Kritik der Unternehmen zunehmend schärfer: Als ein "absurdes Vorhaben", bezeichnete ein Sprecher von IBM-Deutschland "die Verlängerung der Garantiefrist über den Lebenenszyklus eines Produkts hinaus".

Kosten werden über Preiserhöhungen an Kunden weitergegeben

Was für den Verbraucher zunächst positiv aussieht, "könnte sich in der Praxis als Pferdefuß erweisen", warnt Udo Kuttenbaum, Leiter des Produktmanagements des Bürogeräteherstellers Brother International. Bisher konnten Kunden wählen, ob sie zusätzliche Garantieleistungen für ein, zwei oder drei Jahre zusätzlich kaufen wollten. Jetzt müssen diese Leistungen pauschal integriert werden. "Dadurch kommen Kosten auf uns zu, die wir in Form von Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben müssen", sagt Kuttenbaum. "Wir gehen 2001 von Preiserhöhungen zwischen 10 % und 20 % aus", schätzt er. Allerdings könne man durch Preiserhöhungen "nur das an die Kunden weitergeben, was der Markt erlaubt", fasst Dieter Angermaier, Marketingchef bei Minolta die Befürchtungen der Branche zusammen.

"Es ist klar, dass Händler, die für die Garantie gegenüber dem Endkunden geradestehen müssen, mit Forderungen auf die Hersteller zukommen werden", sagt Hubertus Kühner, Jurist beim Gerätehersteller Hewlett Packard. Zudem befürchtet er, dass die Gewährleistung nicht nur für private Endkunden gelten wird, "sondern auf Geschäftskunden ausgedehnt werden soll". Bislang war die Garantie in diesem Segment Verhandlungssache. "Da die Margen beim Verkauf von Computern, Druckern und Kopierern ständig sinken, erwirtschaften viele Unternehmen mit dem Service die notwendigen Gewinne", sagt der HP-Experte.

Rücknahmepflicht von Elektroschrott

Ein weiterer Streit schwelt derweil zwischen IT-Geräteherstellern und Gesellschaften, die die Interessen von Autoren im Bezug auf urheberrechtlich geschützte Werke vertreten. Bereits heute bezahlen die Hersteller von Kopierern, Scannern und Faxgeräten eine Pauschale zwischen 20 und 600 DM pro Gerät. Doch die Verwertungsgesellschaften fordern Abgaben auch auf PCs, Drucker und CD-Brenner. Sollten sie sich durchsetzen, würden für einen PC mit Drucker, Scanner und CD-Brenner Abgaben von rund 190 DM fällig.

Weitgehend eingestellt hat sich die IT-Branche dagegen auf eine Rücknahmepflicht von Elektroschrott. Eine entsprechende EU-Richtlinie wird noch im Mai die erste Lesung im EU-Parlament passieren. Nach längstens 30 Monaten muss diese dann in nationales Recht umgesetzt werden. Strittig ist allerdings, wie mit Geräten umgegangen wird, die bis dahin verkauft worden sind. "Wir wissen nicht einmal annähernd welche Mengen Elektroschrott in Kellern und auf Dachböden zwischengelagert sind", sagt Mario Tobias vom Bitkom. "Deshalb sollte ein Unternehmen pro Jahr nur soviele Alt-Geräte zurücknehmen müssen, wie es Neugeräte verkauft hat."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%