Ab 2004 nur noch 3,00 % Mindestverzinsung?
Börsenflaute treibt Konsolidierung bei Versicherern

Die Börsenflaute wird die Konsolidierung bei deutschen Lebensversicherern beschleunigen. Nach Einschätzung von Analysten dürfte dies den finanzstarken Branchenführern Allianz, Münchener Rück und AMB zu einer noch besseren Marktposition verhelfen.

Reuters HAMBURG. Die geplante Auffanglösung für Not leidende Lebensversicherer sehen die Experten allenfalls als eine Solidaritätsbemühung der gesamten Branche, um Schaden vom Vorzeigeprodukt Lebensversicherung abzuwenden. "Mit der Auffanglösung ist es nicht getan, aus Kundensicht ist das höchstens Vertrauen stärkend", sagt Reiner Hoock, Versicherungsexperte beim Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Hoock rechnet mit einem Strukturbruch in der Branche, die es bei anhaltender Aktienmarktschwäche immer schwerer haben werde, an die Kundschaft den gesetzlich garantierten Mindestzins von 3,25 Prozent oder gar variable Überschussbeteiligungen zu zahlen.

Ab 2004 nur noch 3,00 % Mindestverzinsung?

Seit 2000 liegt die Mindestverzinsung bei 3,25 Prozent, für ältere Verträge müssen die Versicherer 4,00 Prozent garantieren. GDV-Präsident Bernd Michaels deutete in einem Zeitungsinterview an, dass dieser Zinssatz ab 2004 wahrscheinlich auf 3,00 Prozent gesenkt wird. Während Michaels davon ausgeht, dass nur einige der rund 120 deutschen Lebensversicherer auf der Strecke bleiben werden, sehen Analysten in den nächsten Jahren einen radikalen Umbruch. "Die Börsenschwäche verschärft die Lage insbesondere für die kleinen Versicherer ohne professionelles Anlagemanagement", sagt Ralf Dibbern von MM. Warburg in Hamburg. Die Kunden würden sich nicht mehr so stark von gelegentlich hohen Überschussbeteiligungen kleinerer Anbieter locken lassen, sondern sich wieder zu den Marktführern Allianz, AMB und Münchener Rück orientieren.

Sein Kollege Marc Thiele von Commerzbank Securities rechnet mit einem Konzentrationsprozess, der viel stärker als etwa im Bankgewerbe werde. "In den nächsten fünf bis zehn Jahren bleiben von den gut 120 Lebensversicherern in Deutschland nur rund zehn bis 15 schlagkräftige Player übrig", sagt Thiele. Die großen Gesellschaften könnten es sich dabei leisten abzuwarten, bis kleinere Wettbewerber in eine Schieflage geraten. "Erst dann werden sie entscheiden, ob sie die Konkurrenten vollständig übernehmen oder sich nur deren Bestände sichern.

Unklar ist, wie viele Versicherer derzeit akut bedroht sind. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) wertet in den nächsten Wochen eine Untersuchung über die drohenden Zahlungsschwierigkeiten von Lebensversicherern aus. GDV-Chef Michaels geht ebenso wie Branchenkenner von weniger als zehn Unternehmen aus. Als Wackelkandidaten gelten dabei nicht nur die kleinen Versicherer, sondern zum Beispiel auch die ab dem 23. September im MDax gelistete Mannheimer AG Holding , die derzeit nur noch mit dem Garantiezins wirbt. "Wir gehören zu denjenigen, die fair zu den Kunden sind", sagt ein Konzern-Sprecher dazu. Für 2002 wird die Mannheimer noch 5,5 Prozent zahlen. "Derzeit ist es aber noch zu früh, die Überschussbeteiligung für 2003 zu nennen." In der gesamten Branche wird mit sinkenden Überschussbeteiligungen gerechnet.

Branche stellt sich auf sinkende Überschussbeteiligung ein

Auch der Marktführer Allianz Leben hatte ebenso wie einige Wettbewerber - darunter die Gerling Lebensversicherungsgruppe - bei einer weiteren Verschlechterung der Lage eine Senkung der Überschussbeteiligung angedeutet. Dagegen will die Debeka ihren Kunden eine unveränderte Überschussbeteiligung von insgesamt 6,8 Prozent für 2003 zahlen und begründet dies mit dem sehr geringen Aktienanteil von rund einem Prozent an ihren Kapitalanlagen.

Bereits zu Wochenanfang hatte Verbandspräsident Michaels versucht, den Versicherten die Sorgen zu nehmen. Nur rund 15 Prozent der Kapitalanlagen aller Versicherer von insgesamt 540 Milliarden Euro seien in Aktien angelegt, hatte Michaels erklärt. "Zu Jahresbeginn lag der Aktienanteil in der Branche bei nahezu 30 Prozent, ich kann mir kaum vorstellen, dass dieser sich halbiert hat", sagt dagegen Berater Hoock.

Seiner Ansicht nach hat der starke Kursrückgang an den Aktienmärkten die Bewertungsreserven der meisten Versicherer fast aufgezehrt, so dass die Kunden sich mit einer niedrigeren Rendite zufrieden geben müssen. "Mit einer Verzinsung von weniger als fünf Prozent wird den Versicherern das Neugeschäft wegbrechen und somit die Beitragseinnahmen sinken lassen."

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