Ab Mittwoch alle Tiermärkte geschlossen
Schafe in NRW hatten Kontakt mit Seuchenerreger

Die Befürchtungen, dass der Erreger der Maul-und-Klauen-Seuche (MKS) nach Deutschland eingeschleppt worden ist, haben neue Nahrung bekommen. Einige der 350 als erste in Nordrhein-Westfalen getöteten Schafe, die von englischen Betrieben mit MKS-Fällen stammten, waren "leicht infektiös", wie das nordrhein-westfälische Umweltministerium am Dienstag mitteilte.

ap FRANKFURT/MAIN. Bei der Untersuchung der Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere seien in drei von 30 Gewebeproben der Schafe Antikörper gefunden worden. Das bedeute zunächst nur, dass die Schafe Kontakt zu infizierten Tieren hatten, erklärte Ministeriumssprecher Leo Bosten. Erst die anschließende Untersuchung der Zellkulturen werde eindeutig ergeben, ob sie an MKS erkrankt waren. In der Tübinger Anstalt würden die getöteten Schafe stichprobenartig untersucht, sagte Bosten. An den Proben würden drei Tests durchgeführt.

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft hält ein Übergreifen der Seuche für möglich. Staatssekretär Alexander Müller sagte in n-tv: "Wir rechnen mit dem Schlimmsten, aber wir sind auf eine solche Situation auch vorbereitet."

In Nordrhein-Westfalen sind weitere 1 600 Schafe notgeschlachtet worden. Die Bezirksregierung Düsseldorf erklärte am Dienstag, getötet worden seien alle Tiere, die mit importierten Schafen aus MKS-infizierten britischen Beständen in Kontakt gekommen seien. Betroffen war der gesamte, 750 Mutterschafe und 750 Lämmer umfassende Bestand eines Schafzüchters im Kreis Neuss, der 82 Tiere zugekauft hatte. Bei einem Schafzüchter im Kreis Aachen, der rund 270 britische Schafe erworben hatte, wurden vorsichtshalber 60 bis 70 Tiere getötet.

Vom (morgigen) Mittwoch an fallen in Deutschland für eine Woche alle Viehmärkte und Viehausstellungen aus, alle Sammelstellen für Klauentiere bleiben in dieser Zeit geschlossen. Dies ist eine der am Montag von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen. Nicht betroffen seien Schlachtviehmärkte und Schlachthöfe, erklärte das bayerische Landwirtschaftsministerium.



Schutzimpfung aufgegeben



Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn fordert eine totale Isolierung aller Agrarbetriebe, die in den vergangenen Wochen Tiere aus Großbritannien gekauft haben. Man müsse diese Betriebe "sperren und dafür sorgen, dass von ihnen gar nichts 'runterkommt, bis wir wissen, woran wir bei diesen Betrieben sind", sagte die Grünen-Politikerin im Inforadio Berlin-Brandenburg.

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) sagte im NDR, in seinem Land seien alle in Frage kommenden Betriebe unter Beobachtung und gesperrt, und bei den Importtieren aus Großbritannien sei die Inkubationszeit schon abgelaufen. Ein Problem sei, dass wahrscheinlich noch nicht alle über andere Staaten und Bundesländer hereingekommenen britischen Schafe erfasst worden seien. Bartels bedauerte, dass sich die EU 1991 von der Schutzimpfung gegen die Maul-und-Klauenseuche und die Schweinepest verabschiedet habe. Eine Wiederaufnahme sei wegen großen Widerstands in der EU derzeit nicht machbar.



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