Abakus Erben
Riesen-Rechner erfreuen sich reger Nachfrage

Der Markt für Hochleistungsserver boomt. Ein halbes Dutzend Aussteller zeigt auf der Cebit Rechner mit 32 Prozessoren und mehr.

Vor drei Jahren der damalige Modebegriff ASP (Application Service Providing), das Vermieten von Software per Internet, die Augen von Hardware-Technikern zum Leuchten. Die für eine Vielzahl von Kunden erbrachten Rechendienstleistungen würden derart groß dimensionierte Server rechtfertigen, wie sie kein Einzelanwender bis dato hätte ausnutzen können. Noch heute warten die Euphoriker auf den ASP-Boom.

Die Hersteller der Riesen-Rechner erfreuen sich trotzdem einer gewaltigen Nachfrage - entsprechend reichhaltig ist das aktuelle Angebot. Sun Microsystems hat seit kurzem einen Server mit bis 105 Sparc-Prozessoren im Programm. Fujitsu-Siemens geht sogar bis 128. IBM, Compaq, Data General und Unisys offerieren 32-Prozessor-Maschinen. Und Hewlett-Packard ist mit einem 64-Wege-Server auf der Cebit.

Zwar sind die großen Rechenaufgaben ausgeblieben, die High-End-Maschinen zwingend erfordern. Aber die immer stärker überhand nehmenden kleineren Berechnungen lasten die ganz großen Maschinen sehr wohl aus. "Wenn früher ein Bankkunde am Schalter eine Überweisung abgegeben hat, dann wurde die Sache mit einer oder wenigen Server-Transaktionen erledigt", erläutert Francis Kuhlen, bei oberster IBM-Computer-Verkäufer für Mitteleuropa. "Beim Homebanking führt eine vergleichbare elektronische Buchung zu einer Vielzahl von begleitenden Routinen, beispielsweise zu Sicherheitsüberprüfungen."

Prinzipiell ließe sich das alles auch mit mehreren kleineren Rechnern erledigen - und dies geschieht auch oft. So beziffern die Marktforscher von IDC die Anzahl der weltweit installierten Server auf gegenwärtig 13 Millionen, vor zehn Jahren war es gerade mal eine halbe Million. Allerdings verliert die DV-Abteilung bei vielen kleinen Maschinen sehr schnell den Überblick und der Verwaltungsaufwand dafür steigt ins Unermessliche. Die ganz großen Maschinen sind deshalb meist lediglich eine kostengünstige Alternative zu vielen kleinen.

"Nur einige Kunden weltweit benötigen voll ausgebaute High-End-Server in einem Stück", bestätigt Ernst Hillerkus, Vertriebs-Chef für Sun-Server in Deutschland. "Die meisten teilen vielmehr die Systeme in kleinere Teilserver ein."

Partitionierung heißt das in der Fachsprache: Konsolidierung, wenn man die Arbeit von mehreren kleinen Maschinen nachträglich auf einen - meist partitionierten - großen Rechner packt. Die Server-Konsolidierung ist eine der wichtigsten Triebfedern für die Nachfrage nach Hochleistungs-Computern.

Besonders gut geeignet für die Server-Konsolidierung sind natürlich Maschinen, die dieselbe Technik verwenden wie die vielen kleinen Rechner, deren Arbeit künftig von einer großen Maschine erledigt werden soll.

Und gegen preiswerte High-End-Server hat ebenfalls keiner der chronisch klammen IT-Chefs etwas einzuwenden. Deshalb erfreuen sich einige Hochleistungsrechner, die mit Intel-Chips rechnen, steigender Beliebtheit. Was sie jenseits der kostengünstigen Prozessoren preiswert macht, ist ein Design-Prinzip, dem seine Erfinder den recht sperrigen Namen CC-NUMA (Cache Coherent Non Uniform Memory Access) gegeben haben.

Das komplizierte Wortungetüm bezeichnet einen relativ einfachen Trick. CC-NUMA-Maschinen haben keinen breitbandigen und deshalb teuren Bus oder Switch, über den alle Prozessoren unter einander und mit dem Arbeitsspeicher kommunizieren. Bei herkömmlichen - so genannten symmetrischen - Mehrprozessormaschinen ist diese Verbindung, die mit Abstand teuerste Systemkomponente.

Bei CC-NUMA-Rechnern sind jeweils nur wenige Prozessoren und ein kleiner Teil des Memories über einen schmalbandigen Bus verbunden. Die Kommunikation mit dem Rest der Maschine erfolgt über einen separaten Bus. Der braucht ebenfalls nur schmalbandig zu sein. Denn das Betriebssystem verteilt die Rechenarbeit so, dass die meiste Kommunikation zwischen Systemkomponenten stattfindet, die auch über einen primären Bus mit einander verbunden sind. Data General bietet derartige Maschinen an. Und IBM hat eigens deswegen vor ein paar Jahren das Spezialunternehmen Sequent übernommen. Die Früchte der Akquisition stecken in den künftigen CC-NUMA-Maschinen von IBM. Sie können nach dem Baukastenprinzip erweitert werden.

Es ist also auch keine große Anfangsinvestition nötig, die später dann um Komponenten für den Ausbau des Systems ergänzt wird. Die Rechner sind vielmehr völlig modular. Tikiri Wanduragala, der zuständige IBM-Manager, zielt mit den Maschinen auf keine speziellen Anwendungsgebiete: "Die spielen vielleicht in Zukunft eine Rolle. Was gegenwärtig Nachfrage schafft, ist die Server-Konsolidierung."

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