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ABB 2001 in den roten Zahlen

Der Elektrotechnikkonzern ABB hat 2001 einen über den Erwartungen liegenden Verlust verzeichnet und will sich weiter auf den Schuldenabbau konzentrieren.

rtr ZüRICH. Von den ehemaligen Konzernleitern Percy Barnevik und Göran Lindahl fordert ABB nach weiteren Angaben vom Mittwoch einen Teil der Pensionskassengelder über insgesamt mehr als 230 Mill. sfr wieder zurück.

Der Verwaltungsrat habe festgestellt, dass die Zahlungen an die Top-Manager nicht ordnungsgemäss beschlossen worden seien. Barnevik habe 148 Mill. sfr für Pensionsbezüge nach seinem Ausscheiden als Konzernleiter im Jahr 1996 erhalten. Die Pensionszahlungen an Lindahl einschliesslich weiterer Bezüge hätten 85 Mill. sfr betragen. ABB fordert die Beträge, die über die gängigen Verpflichtungen hinaus gehen, zurück. Barnevik war nach seinem Rücktritt als Konzernleiter bis November 2001 Verwaltungsratspräsident der ABB.

Barnevik war die treibende Kraft beim Aufbau der 1988 aus dem Zusammenschluss der schwedischen Asea und der Schweizer BBC entstandenen ABB und in den 90er Jahren einer der angesehensten Manager Europas. Als er seine Position an Jürgen Dormann abtrat, erklärte Barnevik: "Mit meinem Rücktritt übernehme ich auch einen Teil der Verantwortung für die weniger guten Leistungen der ABB in den letzten Jahren." Im vergangenen Jahr verloren die ABB-Aktien 63 % an Wert. Analysten kritisierten den ständigen Umbau des Konzerns, der neben der Konjunktur-Abschwächung auch unter Asbest-Schadenersatz-Klagen in den USA leidet.

In den vergangenen Monaten wechselte ABB die gesamte Konzernspitze aus. Anfang 2001 übernahm Jörgen Centerman von Lindahl, einem langjährigen Weggefährten Barneviks, die Funktion des CEO. Im April 2002 löst Shell-Manager Peter Voser Reto Fassbind als Finanzchef ab. Aventis-Chef Dormann geniesst die Unterstützung von ABB-Grossaktionär Kurt Schildknecht, der Sprecher der BZ Gruppe, sagte, mit dem Jahresabschluss und mit den Forderungen an Barnevik mache Dormann deutlich, dass er bei ABB einen Neuanfang wolle. Die Untersuchung der Pensionsbezüge sei ein "extrem wichtiges Signal".

Zudem soll nun auch der ABB-Verwaltungsrat umgekrempelt werden. Gerhard Cromme, Robert Jeker und Edwin Somm verzichten auf eine Wiederwahl. Sie sollen durch Roger Agnelli (Companhia Vale do Rio Doce), Hans Ulrich Maerki (IBM Europe), Michael de Rosen (ViroPharma) und Bernd Voss (ehemals Dresdner Bank) ersetzt werden.

Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete ABB bei einem Umsatzwachstum von drei Prozent auf 23 726 Mill. Dollar einen Verlust von 691 Mill. Dollar nach einem Gewinn von 1443 Mill. Dollar im Vorjahr. Hauptfaktor waren ausserordentliche Kosten für einen markanten Stellenabbau, Goodwill-Abschreibungen, versicherungstechnische Verluste sowie die Asbest-Rückstellungen.

Jörgen Centerman wollte im Gespräch mit Reuters weitere Sonder-Abschreibungen im laufenden Jahr nicht ausschliessen. ABB habe aber keine Enron-ähnliche Probleme. Neben dem hohen Verlust überraschte ABB Aktionäre und Beobachter durch den Schuldenabbau, der deutlich über den Zielvorgaben lag. Allein im vierten Quartal 2001 baute ABB die Nettoverschuldung um rund 2,2 Mrd. Dollar auf rund 4,1 Mrd. Dollar ab. ABB selbst hatte eine Schuldenreduktion um netto 500 Mill. bis eine Milliarde Dollar in Aussicht gestellt. Ende 2000 hatten sich die Nettoschulden noch auf 1,8 Mrd. Dollar belaufen. Die Verdopplung des Cash flows auf 2193 Mill. Dollar machte nach Firmenangaben den Schuldenabbau möglich.

Fabrizio Cattaneo von der Bank Bär sagte dazu, einmalige Einflüsse wie den Verkauf von Vermögenswerten dürften einen positiven Einfluss auf den Cash flow gehabt haben. "Wenn so viele einmalige Kosten gebucht werden, dürfte das den zukünftigen Cash flow mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung bestrafen," fügte er an.

Nach Ansicht von Mark Diethelm von der Zürcher Kantonalbank hat ABB die Zahlungsziele bei Lieferantenrechnungen (Kreditoren) verlängert. Zudem habe die Erhöhung von transitorischen Posten zu dem höheren operativen Cash flow beigetragen. Das Zurückhalten des Geldabflusses bei Kreditoren dürfte sich in den nächsten Quartalen negativ auswirken, so der Analyst .

Im laufenden Jahr will ABB mit einem gesunden Gewinn und dem Verkauf von Vermögenswerten die Nettoverschuldung um weitere 1,5 Mrd. Dollar senken. Um die Bilanz zu stärken wird für 2001 keine Dividende ausgeschüttet; Aktien im Eigenbestand sollen vorerst nicht vernichtet werden. "Das Aktienkapital ist heute deutlich zu tief," sagte Centerman an der Bilanzpressekonferenz. Der Anteil des Aktienkapitals an der Bilanzsumme beträgt mit rund zwei Mrd. Dollar nur noch sechs Prozent. ABB beabsichtige aber nicht, an den Kapitalmarkt zu gehen.

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