Abbau der Arbeitslosigkeit kommt nur schleppend voran
Stimmung in der Euro-Zone steigt stark

Unternehmer und Verbraucher sind im Mai wieder optimistischer geworden. Auch am Bau und im Einzelhandel sieht es besser aus. Für einige Ökonomen ist das aber keine Garantie für kräftiges Wachstum.

pbs/HB DÜSSELDORF. Die Stimmung in der Euro-Zone steigt und Finanzminister Hans Eichel (SPD) frohlockt: "Der Konjunktur-Tiefpunkt in der Euro-Zone liegt hinter uns." Das sagte Eichel gestern am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg. Im Mai hat sich die Laune von Verbrauchern und Unternehmern deutlich aufgehellt - der Gesamtindex für die wirtschaftliche Stimmung stieg auf 99,9 von 99,4 Punkten. Das ist der höchste Stand seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Das Barometer beruht auf Umfragen nationaler Forschungsinstitute bei rund 50 000 Unternehmen, die die EU-Kommission monatlich zusammen trägt.

Ökonomen interpretieren die Verbesserung unterschiedlich. "Die konjunkturelle Erholung in Euro-Land schreitet voran", meint Andreas Scheuerle von der DGZ Bank. -Deka Seiner Ansicht nach dürfte jetzt auch endlich die Binnennachfrage wieder erstarken. Denn die Stimmung der Verbraucher sei inzwischen besser als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Keine Aufschwungsdynamik

Pessimistischer äußerten sich dagegen die Volkswirte von Dresdner Kleinwort Wasserstein: Die Euro-Zone könne nicht mit dem dynamischen US-Aufschwung und nicht einmal mit Japan mithalten. Auch der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator hatte im Mai für das dritte Quartal einen weiterhin schwachen Wachstumstrend vorhergesagt.

Im Mai ist die Stimmung bei Verbrauchern, Industrie-Unternehmern, im Einzelhandel sowie am Bau gestiegen. Damit hat sich keiner der Teil-Indizes verschlechtert. Besonders kräftig verbesserte sich die Stimmung in der Bauwirtschaft. Das Industrievertrauen stieg immerhin auf-9 Zähler, nachdem es im April bei-11 Punkten stagniert hatte. Das Verbraucher-Barometer kletterte ebenfalls um zwei Zähler auf-8 Punkte.

Mit der verbesserten Stimmung in der Industrie hatten Ökonomen gerechnet. Denn zuvor waren sowohl der für Deutschland ermittelte Ifo-Geschäftsklima-Index als auch sein französisches Pendant, der Insee-Geschäftklimaindex, gestiegen. Den Aufwärtstrend in der Euro-Zone insgesamt begründet die EU-Kommission mit der besseren Auftragslage. Von Land zu Land sei die Situation dabei recht unterschiedlich. Italien, Spanien und Belgien können sich über mehr neue Orders freuen. Weniger Aufträge meldeten dagegen Irland und Portugal. In diesem günstigen Umfeld würden immer mehr Industrie-Unternehmer wieder über Preiserhöhungen nachdenken, heißt es im Bericht.

Verbraucher optimistischer

Die guten Nachrichten ließen auch den Geschäftsklima-Index der EU-Kommission steigen - auf-0,24 von-0,64 Punkten im März. Ein Stand von Null entspricht dem langfristigen Durchschnittswachstum der Industrieproduktion von 2 %, erklärt DGZ-Deka-Volkswirt Scheuerle. Rutscht das Barometer unter-0,5, deute das auf ein Schrumpfen der Produktion hin.

Auch die Verbraucher sind wieder optimistischer - allen voran die Franzosen. Der Index des französischen Verbrauchervertrauens stieg auf-18 von-12 Punkten und hat damit das Niveau von Jahresbeginn erreicht. Auch in Griechenland, Irland und Italien hat sich die Stimmung aufgehellt. Anders ist es hingegen in Deutschland: Hier zu Land hat sich die Laune der Konsumenten nicht verändert.

In der gesamten Euro-Zone beurteilen die Konsumenten die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden zwölf Monate wieder besser. Allerdings rechnen sie nicht damit, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation bedeutend verändert. Mit einem Abbau der Arbeitslosigkeit rechnen nur die Franzosen. Im April ist die Arbeitlosenquote auf 8,3 % von 8,2 % im März gestiegen, berichtet das europäische Statistikamt. Für Februar wurde sie auf 8,2 % von 8,4 % nach unten korrigiert. In Deutschland betrug die Rate im April unverändert 8,1 %, Spitzenreiter ist Spanien mit 11,3 %. Nach Schätzung von Eurostat hatten im April, wie schon im Vormonat, in der Euro-Zone 11,5 Mill. Menschen keinen Job. Der Abbau der Arbeitslosigkeit werde sich in Euro-Land nicht fortsetzen, erwartet Jörg Krämer, Chefvolkswirt von Invesco Asset Management. Arbeitslosigkeit belastet den Konsum und damit eine der Stützen des Aufschwungs.

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