Abbau der Schulden schreitet voran
Dormann: ABB ist Mitte 2004 über den Berg

Der Elektrotechnik-Konzern ABB wird seine zeitweise existenzbedrohende Krise nach Ansicht von Konzernchef Jürgen Dormann in einem Jahr überstanden haben. Bei dem geplanten Verkauf des Bereichs Öl, Gas und Petrochemie (OGP) will er sich nicht zur Eile drängen lassen.

Reuters HEIDELBERG. "Mitte 2004 ist die Gesellschaft über den Berg", sagte Dormann am Donnerstagabend in Heidelberg vor Journalisten. "Da sind die Dinge weg, die die Firma in ihrer Substanz bedrohen", erläuterte er. Danach werde eine von 140 000 auf unter 95 000 Mitarbeiter und 20 Mrd. Dollar Umsatz geschrumpfte, auf Energietechnik und Automationstechnik reduzierte ABB "wachsen um dieses starken Baum herum, wahrscheinlich stärker wachsen als das Marktpotenzial", umriss der 63-Jährige seine Vorstellungen. ABB baue dabei auf seine Marktführerschaft in den angestammten Kerngeschäften. "Wo wir stark sind, können wir noch mehr Geld verdienen." Mit den Branchenriesen Siemens und GE wolle ABB in der Breite nicht mehr konkurrieren: "Das ist nicht unsere Liga", sagte der in Heidelberg aufgewachsene Dormann.

Der frühere Hoechst-Chef hatte im September 2002 zum Posten des Verwaltungsratschefs zusätzlich die operative Führung der hoch verschuldeten ABB übernommen. Das Unternehmen ist mit mehr als acht Mrd. Dollar verschuldet, bis zum Jahresende soll der Schuldenberg auf 6,5 Mrd. Dollar abgebaut sein. Bis 2005 will Dormann die nach seinen Worten "verschwindend geringe" Eigenkapitalquote von derzeit vier Prozent auf rund 30 % verbessern.

Drei Interessenten für OGP

Dazu braucht ABB auch die Erlöse aus dem Verkauf von OGP. Es gebe drei Interessenten für den Bereich, sagte Dormann, davon zwei aus der Branche und einen Finanzinvestor. Bei letzterem handelt es sich nach früheren Angaben aus Bankenkreisen um die britische Investmentfirma Candover, die als Favorit für den Kauf gilt. "Die Due Diligence läuft", sagte Dormann. Alle drei hätten ein großes strategisches Interesse an OGP, betonte der Konzernchef. Ob OGP auch in Teilen verkauft werden könne, ließ er offen. Erstmals nannte Dormann einen Anhaltspunkt für den Verkaufspreis: "Das geht schon in die Größenordnung von einer Milliarde", sagte er. Analysten rechnen mit bis zu 1,5 Mrd. Dollar aus dem Verkauf. Einschließlich des Erlöses aus der ebenfalls geplanten Abgabe der tief verlustträchtigen Gebäudetechnik-Sparte erwarte ABB einen Mittelzufluss von rund zwei Mrd. Dollar.

Verkauf bis Jahresende möglich

Bis Ende des Jahres will der ABB-Chef die Desinvestitionen über die Bühne bringen. "Wenn es Februar 2004 wird, dann geht die Welt auch nicht unter", schränkte Dormann ein. Erst später, werde angesichts der schwachen Baukonjunktur der deutsche Teil der Gebäudetechnik zu verkaufen sein, ergänzte Bernhard Jucker, der neue Chef der Mannheimer Deutschland-Tochter von ABB. Nach einem Sanierungsprogramm solle der Verkauf 2004 vorangetrieben werden. Die defizitäre ABB Deutschland ist gegenwärtig dabei, 1900 ihrer 16 600 Mitarbeiter abzubauen, und muss binnen 18 Monaten 150 Mill. Dollar einsparen. Auch 2003 rechnet sie noch mit roten Zahlen.

Einem Verkauf von OGP im Wege steht noch der endgültige Abschluss eines Vergleichs mit mehr als 100 000 Klägern gegen die 1990 gekaufte US-Tochter Combustion Engineering (CE), die früher Heizkessel für Kraftwerke hergestellt und dabei das gesundheitsschädliche Asbest verwendet hatte. In zwölf Jahren hätten die Asbest-Klagen ABB 2,3 Mrd. Dollar gekostet, sagte Dormann. Das sei aber weit weniger als Analysten befürchtet hatten. ABB hatte CE im Februar in einen geordneten Konkurs geführt. Die Firma Lummus, die früher zu CE gehört hatte, ist jetzt Teil von OGP.

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