Abbau von 26 000 Arbeitsplätzen
Daimler-Chrysler bestätigt Stellenstreichungen

Der Autobauer Daimler-Chrysler will bei seiner US-Tochter Chrysler jeden fünften Arbeitsplatz abbauen, um die Sparte schnell wieder in die Gewinnzone führen. Von dem Abbau von 26 000 Arbeitsplätzen innerhalb von drei Jahren seien Arbeiter und Angestellte gleichermaßen betroffen, teilte der Stuttgarter Konzern am Montag mit.

rtr/dpa-afx FRANKFURT. Drei Viertel des Stellenabbaus sollten noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Außerdem sei geplant, binnen zweier Jahre sechs Werke von Chrysler zu schließen. Chrysler-Chef Dieter Zetsche sprach von schmerzhaften, aber nötigen Maßnahmen. Chrysler hatte früheren Angaben zufolge im abgelaufenen Quartal einen Verlust von etwa 1,4 Mrd. Euro ausgewiesen. An der Börse legte der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie nach der Ankündigung leicht zu.

Intraday-Chart: Die Kursentwicklung der Daimler-Chrysler-Aktie

Betroffen von dem Stellenabbau seien 19 000 Arbeiter und 6 800 Angestellte, teilte Daimler-Chrysler weiter mit. Der Stellenabbau solle durch Vorruhestand, Sondervereinbarungen, normale Fluktuation und Entlassungen vollzogen werden. Da fast 29 000 Beschäftigte in den USA und Kanada rentenberechtigt seien oder an einem der Sonderprogramme teilnehmen könnten, dürfte der Plan bereits Ende des ersten Quartals weitgehend umgesetzt sein. Den vollständigen Restrukturierungsplan mit seinen finanziellen Auswirkungen werde Daimler-Chrysler am 26. Februar auf seiner Bilanzpressekonferenz vorstellen.

Chrysler-Chef Zetsche teilte mit, natürlich seien diese Entscheidungen für viele Menschen sehr schmerzhaft. "Aber um in der heutigen Automobilindustrie wirklich wettbewerbsfähig zu sein, muss die Chrysler Group als Unternehmen agiler werden und sich bestehenden wie kommenden Marktbedingungen besser anpassen", ergänzte er. Die Maßnahmen würden jetzt angegangen, um die Profitabilität von Chrysler schneller zu verbessern.

Zudem kündigte Daimler-Chrysler an, über zwei Jahre hinweg sechs Produktionsstätten - darunter auch Komponentenwerke - zu schließen, in fünf Werken eine Schicht zu streichen und in anderen zwei Betrieben die Produktionsgeschwindigkeit zu reduzieren. So solle ein Getriebe- und ein Motorenwerk im mexikanischen Toluca geschlossen werden, Ebenso sei die Stilllegung je eines Werkes in Argentinien und in Brasilien sowie die Verlagerung der Fertigung in zwei Werken in den USA und in Mexiko in andere Werke geplant.

Alle Maßnahmen im Einklang mit den Gewerkschaften

Der Stellenabbau sei wesentlicher Bestandteil zur Umstrukturierung von Chrysler, wodurch die US-Tochter ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem schwieriger gewordenen Marktumfeld wiedererlangen wolle. Daimler-Chrysler betonte, dass alle Maßnahmen im Einklang mit bestehenden Tarifverträgen getroffen würden. Hierfür habe Chrysler in Verhandlungen mit den Gewerkschaften UAW (USA) und CAW (Kanada) Lösungen gefunden. Der bis 2003 laufende Tarifvertrag für Chrysler mit der UAW sieht beispielsweise vor, dass Beschäftigte bei Werksschließungen und Entlassungen 95 % ihrer Bezüge weiterbezahlt bekommen. Dieser Betrag wird aber mit der staatlichen Arbeitslosenhilfe verrechnet. In Firmenkreisen hatte es zuletzt geheißen, Konzernchef Jürgen Schrempp wolle die Umstrukturierung von Chrysler einschließlich eines Stellenabbaus auf jeden Fall im Einklang mit den Gewerkschaften vollziehen.

Die US-Tochter von Daimler-Chrysler war in der zweiten Hälfte des Jahres 2000 tief in die Verlustzone gerutscht. Nach früheren Prognosen des Stuttgarter Mutterkonzern dürfte Chrysler allein im vierten Quartal einen Verlust von etwa 1,4 Mrd. Euro erwirtschaftet haben. Im November hatte Konzernchef Schrempp die Führung bei Chrysler auswechseln lassen. Der neue Chrysler-Chef Zetsche soll bis Ende Februar ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung des Unternehmens ausarbeiten.

Mit dem Stellenabbau gewinnt das Konzept Zetsches an Konturen. Zunächst hatte Zetsche von den Zulieferern von Chrysler verlangt, zum Jahresbeginn ihre Preise um fünf Prozent zu senken und mit Chrysler binnen zweier Jahre Möglichkeiten zur Senkung der Materialkosten um weitere zehn Prozent zu suchen. Aus Aussagen von Managern des Konzerns ging zuletzt zudem hervor, dass ein umfassender Austausch von Fahrzeugplattformen zwischen Chrysler und dem japanischen Daimler-Chrysler-Partner Mitsubishi Motors geplant ist.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete nun am Montag, diese Plattform-Strategie zwischen Mitsubishi und Chrysler sei im so genannten "Alliance Council", in dem die Pläne der verschiedenen Fahrzeugmarken des Konzerns abgestimmt werden, bereits beschlossen worden. Demnach werde bei Kompakt- Pkw wie etwa dem Mitsubishi Lancer und dem Chrysler Neon die grundlegende Fahrzeugarchitektur künftig bei Mitsubishi entwickelt. Bei der Mittelklasse (Mitsubishi Galant, Chrysler Sebring) werde dagegen Chrysler dafür zuständig sein.



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